Kulmbach

Europaabgeordnete Marlene Mortler will ein Fach "Alltagskompetenzen"

Der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (VlF) organisiert Aus- und Weiterbildungen im Agrarbereich. Am Donnerstagabend fand die Hauptversammlung im Gasthaus Geuther statt, bei der langjährige ...
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MdEP Marlene Mortler war die Gastrednerin des Abends.
MdEP Marlene Mortler war die Gastrednerin des Abends.
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Der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (VlF) organisiert Aus- und Weiterbildungen im Agrarbereich. Am Donnerstagabend fand die Hauptversammlung im Gasthaus Geuther statt, bei der langjährige Mitglieder geehrt und ein neuer Geschäftsführer bestimmt wurden. Michael Schmidt, der neue Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kulmbach (Bericht siehe oben), durfte sich über seine Wahl zum neuen Geschäftsführer des 714 Mitglieder starken VlF freuen. "Damit ist er der jüngste Behördenleiter in Bayern", sagte Vorsitzender Reinhard Kortschak.

Tadel Richtung Fernsehen

Der bisherige kommissarische Geschäftsführer Günter Heinlein lieferte einen Rückblick auf das vergangene Jahr, das vor allem von Trockenheit beherrscht war, bevor die Gastrednerin des Abends, Marlene Mortler, MdEP und Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft im EU-Parlament, ans Rednerpult trat. Mit einem Tadel eröffnete sie ihre Ansprache: "Ein öffentlich-rechtlicher Sender lässt es zu, dass wir Omas als Umweltsau bezeichnet werden - da konnte ich nicht lachen, das lässt tief blicken", sagte sie.

Nur, weil etwas unter der Überschrift "Satire" laufe, werde keine Absolution erteilt. "Ich bin Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft, wir haben gelernt, wie hauswirtschaften geht." Ein Kühlschrank müsse auch mal leer sein, das habe etwas mit Wertschätzen zu tun. "Überlegen Sie einmal, 40 Prozent der Lebensmittel werden im Haushalt weggeworfen!"

Auf Basis ihrer vorherigen Tätigkeit als Drogenbeauftragte der Bundesregierung gab sie einen Einblick in die Gefahren von illegalen, aber auch legalen Rauschmitteln. "Je früher und regelmäßiger konsumiert wird, desto massiver sind die späteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen", sagte sie. Und darin schloss sie auch den Handykonsum mit ein. "Ein kleines Kind braucht emotionale Zuwendung und keine Ablenkung durch das Smartphone."

Reden ist nicht gleich Handeln

Natürlich hatte sie auch zum Thema Landwirtschaft etwas beizutragen. "Wussten Sie, dass nur neun Prozent eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens für Lebensmittel und Gastronomie ausgegeben werden?" Dabei erkläre ein Großteil der Verbraucher, dass Regionalität und Bioqualität wichtig seien. "Doch nirgendwo gehen Reden und Handeln so weit auseinander", sagte Marlene Mortler.

Sie wolle ein Unterrichtsfach, das sich mit Alltagskompetenzen und Lebensökonomie befasse, und das nicht nur eine Unterrichtsstunde lang. "Junge Menschen müssen noch besser über die Kette vom Acker bis zum Teller aufgeklärt werden, da gibt es viele Defizite", befand sie.

Viele Bauern fühlten sich nicht fair behandelt, viele Beschlüsse seien kontraproduktiv. "Aber es ist vieles in Bewegung, auch dank der Kundgebungen. Es sind aber noch viele Hausaufgaben zu machen."

Rückendeckung für die Bauern

Landrat Klaus Peter Söllner betonte, dass man im Landkreis Kulmbach versuche, mit den Landwirten gut auszukommen, "das ist das Mindeste, was wir tun können". Einig war er sich mit Marlene Mortler weiterhin in Hinblick auf die Wertschätzung von Lebensmitteln: "Die Geiz-ist-geil-Mentalität führt in die Irre und kann nicht die Zukunft sein", sagte er. Fairer Handel beginne bei den eigenen Bauern.

Auch Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner stattete der Hauptversammlung einen Besuch ab und lobte das Aufbegehren der Landwirte. "Ihr habt mit viel Stil demonstriert, und es war ein gutes Gefühl, als die ersten Traktoren mit Frankenfahne in Berlin einfuhren." Sie plädierte für eine neue Lösung für die Nitrat-Messstellen.

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