Ebermannstadt

Europa: Zerfall oder Erneuerung?

Am Gymnasium Fränkische Schweiz in Ebermannstadt war Michael Möhnle zu Gast, einst Pressesprecher im Europäischen Parlament.
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Michael Möhnle befragt Schüler am Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt. Foto: Carmen Schwind
Michael Möhnle befragt Schüler am Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt. Foto: Carmen Schwind

"Was wünscht ihr euch von Europa?", fragte der Referent des Vortrags "Europas Entscheidung: Zerfall oder Erneuerung", Michael Möhnle, die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe am Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt (GFS). Seminarleiterin Sandra Brunner hatte den Journalisten und ehemaligen Pressesprecher im Europäischen Parlament im Rahmen einer Kooperation des GFS mit der Hanns-Seidel-Stiftung eingeladen.

"Ich wünsche mir eine souveränere Politik und dass wir nicht immer Amerika nach der Pfeife tanzen", antwortete ein Schüler. Dem entgegnete Möhnle: "Das finde ich gut. Ich hätte den auch nicht gewählt." Und damit startete er einen kurzweiligen Vortrag, von dem die Schüler begeistert waren.

"Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt, denn Europa droht der Zerfall", trug der Referent vor. Seit Jahren liefen im Hintergrund manipulative Dinge ab. Er erklärte den Schülern, dass der erste Auftrag Europas sei, dass es hier nie wieder Krieg geben soll. Europas Architekten, die Politiker Robert Schumann, Jean Monnet, Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, haben Mähnle zufolge nach dem zweiten Weltkrieg einen Plan für ein friedliches Miteinander erstellt. Erst gab es Verträge für eine Zusammenarbeit im Bereich von Kohle und Stahl, dann einen für die Wirtschaftsgemeinschaft, dann für den Binnenmarkt.

"Da sind dann die Briten aufgewacht und wollten ihre eigenen Ideen mit einbringen", so Möhnle. Europa wurde immer größer. "Jeder wusste damals schon, dass die Globalisierung kommt. Hätten wir den Binnenmarkt nicht gemacht, wäre Europa gescheitert und Deutschland wäre viel ärmer. Das hat man den Deutschen aber nicht erklärt", meinte der Referent. Europa sei innerhalb von ein paar Jahren von sechs auf 28 Mitgliedsstaaten gewachsen.

Aktuell ist laut Möhnle in Europa die Gefahr des Nationalismus wieder wach. "Es geht wieder los. Doch woher kommt das? Schuld sind Selbstüberschätzung, Hetze und Hass", trug Möhnle vor. Nationalismus lebe von Krisen und ihren Folgen wie Finanz- oder Flüchtlingskrisen oder Jobverlust durch Globalisierung und Digitalisierung. "Trump zum Beispiel kann das Volk nicht überzeugen. Er spaltet es. Und eine Mauer bauen? Wann hat eine Mauer mal was gebracht?", fragte er.

Der Trend zum Nationalsozialismus beginne kritisch zu werden mit der digitalen Entwicklung, denn jüngere Menschen holten Informationen über soziale Medien ein. "Das ist Klatsch und Tratsch. Wer sich so informiert, bekommt die Welt nicht mehr mit. Ihr müsst da sehr aufpassen", warnte Möhnle. Deshalb seien Datenschutz und Urheberrecht sehr wichtig. Er warnte auch vor Marc Zuckerberg oder Stephen Bannon, die Daten verkaufen beziehungsweise Meinungen manipulierten: "Erst kam der Brexit, dann kam Trump und jetzt zerstören wir Europa." Diesen Satz von Stephen Bannon zeigte Michael Möhnle in einem kurzen Filmbeitrag und riet den Schülern, dass sie achtsam sein und sich mit Hintergründen befassen sollen.

"Große Errungenschaft"

Ein Schüler fragte, was man als Einzelner dagegen machen könne. Er habe Bekannte, die ähnliche Einstellungen haben und mit denen er nicht diskutieren könne. Darauf antwortete ein anderer Schüler, dass man solche Themen trotzdem zur Sprache bringen und sich zum Beispiel bei Eltern Gehör verschaffen solle. Er meinte: "Wir sind eine der wenigen Generationen, die keine Revolution anstreben." Auch Möhnle ist der Ansicht, dass die heutige Generation sehr konservativ ist: "Ihr müsst euren Weg finden."

Danach beschrieb er Europa aber als globalen Erfolg, dessen Herzstück der Binnenmarkt ist: "Der hat drei Millionen neue Jobs gebracht und bringt jedes Jahr etwa 250 Milliarden Euro. Das ist eine große Errungenschaft." Europa sei auch mit dem Satelitensystem "Galileo" viel besser als GPS. Die Europäische Union ist die größte Handelsmacht der Welt. "Wenn Europa zusammenarbeitet, ist es spitze."

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