Frensdorf

Es warten Abenteuer in der Natur

Im Frensdorfer Ortsteil Schlüsselau ist ein schmucker Waldkindergarten entstanden.
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Kinder und Offizielle sind vom neuen Waldkindergarten sehr angetan. Foto: Evi Seeger
Kinder und Offizielle sind vom neuen Waldkindergarten sehr angetan. Foto: Evi Seeger

Das Dach ist windschief. Auch das Fenster in der Tür hält sich nicht an geltende Normen. Was am Waldrand des Frensdorfer Ortsteils Schlüsselau zu sehen ist, ähnelt stark einem Hexenhäuschen. Dahinter verbirgt sich die Trocken-Kompost-Toilette des neuen Waldkindergartens. Pünktlich zum Beginn des neuen Kindergartenjahres öffnete er seine Pforten.

Beobachten, was da wächst, kreucht und fleucht, Holz und Rinde sammeln, in der Erde buddeln, hautnah die Jahreszeiten erleben und das bei jedem Wetter, all das ist in diesem Kindergarten möglich. Sollte es das Wetter gar zu toll treiben, gibt es einen Schutz für die Kleinen: Die Gemeinde hat für einen nagelneuen Bauwagen gesorgt, der gleichermaßen praktisch wie komfortabel ist. "Wir haben sogar eine Terrasse", sagt Bürgermeister Jakobus Kötzner.

Bauwagen ist Spielmobil

Sollte es Bindfäden regnen, finden die Kleinen nicht nur Schutz unter dem Dach, sie können im Inneren des Wagens auch spielen. Elf mal drei Meter misst der Bauwagen, der auf die Wünsche der Gemeinde zugeschnitten und ausgestattet wurde. Außen gibt es Aufbewahrungsschränke für alles Mögliche.

Der Innenraum ist gemütlich eingerichtet: Auf der unteren Ebene befindet sich die Küche samt Holzofen mit Koch- und Backfunktion. Eine zweite Ebene dient als Ruhezone. Neben einer Eckbank gibt es Klapptische, die auch nach draußen verfrachtet werden können. Hocker zum Aufklappen bieten jede Menge Stauraum. Strom bezieht der Wagen von einer Solarzelle. Wasser muss jedoch in Kanistern gebracht werden.

Dem Nachwuchs die Natur erlebbar zu machen, steht Frensdorf, das sich gerne eine kinderfreundliche Gemeinde nennt, gut an. Bislang besuchen vier Kinder die Einrichtung. Zwei weitere sind zum Schnuppern angemeldet. Insgesamt können zwanzig Kinder ab drei Jahren aufgenommen werden. Und sie werden auch kommen, da sind sich Bürgermeister Kötzner und Darius Götsch, Regionalvorstand Oberfranken der Johanniter Unfallhilfe, einig. Die Johanniter haben die Betriebsträgerschaft für den Waldkindergarten übernommen. "Der Wunsch kam von beiden Seiten", von der Gemeinde Frensdorf als auch von seiner Organisation, sagt Götsch. Als Diplom-Forstwirt hat er einen besonderen Bezug zum Wald. Er hat sogar ein Buch geschrieben: "Weisheit im Wald gefunden", in dem er über Lebensweisheiten im Bezug zum Wald schreibt.

Der Waldkindergarten, der erste, für den die Johanniter die Trägerschaft übernehmen, ist nach den Worten des Johanniter-Vorstands "ein Abenteuer". Viele Auflagen und Richtlinien habe man für die neue Einrichtung beachten müssen. In Tobias Eckardt, dem Sachgebietsleiter der Johanniter-Kinder- und Jugendhilfe, steht ein zertifizierter Waldpädagoge zur Verfügung.

Praktische Inhalte

"Nachhaltigkeit muss auch im Kindergartenbereich verankert werden", sagt Eckardt. Den Kindern würden von Anfang an auch praktische Inhalte vermittelt: "Sie verteilen Hackschnitzel und lernen, dass dadurch Matschwege fest und tragfähig werden." Dass die Kinder den Alltag miterleben und mitgestalten, ist auch ein Anliegen der Kindergartenleiterin Sabrina Krämer. Zu ihrem Team gehören Kinderpflegerin Cornelia Blum und Marc Rosbigalle, der im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres im Waldkindergarten hospitiert.

Mit dem Gedanken an einen Waldkindergarten habe sich die Gemeinde schon seit längerem getragen, erzählt Kötzner. Das Grundstück wie auch das kleine angrenzende Waldstück sei im Eigentum der Gemeinde. Vier mögliche Träger hätten angefragt, die Johanniter hätten den Zuschlag erhalten. "Reich werden wir davon nicht", sagt Darius Götsch. "Wenn der Waldkindergarten voll belegt ist, werden wir aber nicht draufzahlen."

Catering angedacht

Die Gemeinde Frensdorf hat das Grundstück, den Wagen und die Ausstattung zur Verfügung gestellt und insgesamt etwa 100 000 Euro investiert. Der Gemeindebauhof war damit ebenso befasst, wie Susann Elst, Mitarbeiterin im Rathaus, bei der alle Fäden zusammenliefen. Solange Plätze vorhanden sind, können alle Kinder aufgenommen werden. Die Gebühren liegen bei monatlich 145 Euro, nach Abzug der staatlichen Förderung von 100 Euro, verbleibt somit ein Elternanteil von 45 Euro bei einer Betreuungszeit von 7.30 bis 13.30 Uhr. Hat sich erst einmal alles eingespielt, wird an einen Catering-Service für das Mittagessen gedacht.

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