Scheßlitz

Es gibt noch viel anzupacken

Der Scheßlitzer Bürgermeister Roland Kauper spricht im FT-Interview über seine ersten drei Jahre im Amt - und über das, was alles noch ansteht.
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Roland Kauper in seinem Amtszimmer im Rathaus Foto: Sebastian Martin/Archiv
Roland Kauper in seinem Amtszimmer im Rathaus Foto: Sebastian Martin/Archiv
In 15 von 36 Landkreisgemeinden wurden bei den Kommunalwahlen 2014 neue Bürgermeister gewählt. Darunter sind auch die sieben größten Kommunen im Landkreis. Mit den Bürgermeistern dieser Großgemeinden, die zusammen rund 40 Prozent der Landkreisbevölkerung repräsentieren - sowie dem ebenfalls neu gewählten Landrat - ziehen wir in diesen Wochen eine Halbzeitbilanz ihrer ersten Amtszeit. Heute: Roland Kauper (CSU), Scheßlitz. Er setzte sich in der Wahl gegen Pius Schmelzer (CWG) durch und wurde mit 63,02 Prozent zum Nachfolger von Franz Zenk (CSU) gewählt.

Herr Kauper, Sie sind nun seit gut drei Jahren Bürgermeister. Was hat sich in Ihrem Leben geändert? Was mussten Sie erst noch lernen?
Roland Kauper: Man ist mehr eingebunden. Die zeitliche Flexibilität, die ich früher hatte, ist weg. Die Termine sind da und müssen wahrgenommen werden, Aufgaben müssen in einem bestimmten Zeitraum erfüllt werden. Das schränkt das Private mehr ein als früher. Ich wusste schon, dass große Aufgaben anstehen. Aber selbst in der langen Tätigkeit als Stellvertreter hat man nicht alles gesehen.

Was sehen Sie als größten Erfolg Ihrer bisherigen Amtszeit?
Ein großer Aufgabenbereich war der Umbau der Verwaltung. Da gab es einen Umstrukturierungsbedarf. Aber jetzt haben wir sehr gute Leute, die Lücken geschlossen haben. Wir konnten neue Betriebe und Märkte ansiedeln und Leerstände beseitigen, ein kleines Wohngebiet ausweisen und einige freie Bauplätze aktivieren. Und wir haben nun auch einen Flächennutzungsplan beschlossen. Was uns in Scheßlitz noch fehlt, sind Mietwohnungen. Bei der Sanierung der Stadtmauer sieht man jetzt, dass auch im Stadtkern etwas passiert. Die Ersterschließung unserer restlichen Ortsteile in den Bereichen Kanal und Wasser ist im vollen Gange und wird in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden können. Bei der Breitbanderschließung geht es in Riesenschritten voran. Und dann sind da noch viele kleine Maßnahmen, die lange liegen geblieben sind, nun aber abgeschlossen werden konnten.

Was war die größte Enttäuschung?
Die gab's eigentlich nicht. Natürlich gibt es immer wieder kleine Enttäuschungen, zum Beispiel wenn etwas nicht so schnell vorangeht, wie man sich das wünscht. Und es gibt natürlich den ganz alltäglichen Ärger, den wohl jeder in seinem Beruf erlebt. Dennoch ist es ein schöner Beruf, man kommt mit vielen Menschen zusammen und hat viel Gestaltungsspielraum.

Die Stadt Scheßlitz hat 30 Ortsteile. Wie bekommt man die alle unter einen Hut?
Ganz einfach ist das nicht. Wenn jeder Ortsteil pro Jahr auch nur eine kleine Forderung hat, dann summiert sich das. Aber in einer Flächengemeinde kann man nur miteinander, nicht gegeneinander arbeiten. Wenn ich draußen unterwegs bin, dann stoße ich zumeist auf viel Verständnis.

Haben Sie seit Ihrem Amtsantritt schon alle Ortsteile besucht?
Ich habe in den drei Jahren 52 Bürgerversammlungen abgehalten. Und mein Ziel ist es, mindestens alle zwei Jahre in jedem Ortsteil eine Bürgerversammlung zu machen. Persönlich wichtig ist mir auch die Kontaktpflege mit der älteren Bevölkerung, vor allem draußen in den Ortsteilen. Viele meiner Besuche bei Geburtstagen entwickeln sich dann auch zu kleinen "Bürgerversammlungen". Man kann Sachverhalte erklären und auch manch kleineres Problem schon im persönlichen Gespräch klären.
Stichwort "ältere Bevölkerung": Wie stellt sich Scheßlitz dem demografischen Wandel?
Die Stadt Scheßlitz ist hier grundsätzlich gut aufgestellt, etwa mit den zwei Seniorenheimen. Wo es allerdings noch fehlt, das ist beim seniorengerechten Wohnen, beim betreuten Wohnen und bei der Tagespflege. Aber da sind wir bereits in Verhandlungen. Was generell ein Problem ist, das sind die baulichen Einschränkungen in einer alten Stadt wie Scheßlitz. Zum Beispiel, wenn es um die Absenkung von Gehwegen geht, oder um Engstellen. Dafür haben wir eine gute Infrastruktur, etwa mit Ärzten und Nahversorgern. Scheßlitz ist aber auch attraktiv für junge Familien. Wir haben Krippen, Kindergärten und Schulen und nicht zu vergessen: das Freibad.

Was hat für Sie Vorrang? Die Innenentwicklung und Stärkung der Kernorte oder die Ausweisung von Bauland und Gewerbeflächen?
Mit dem Isek (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) machen wir einen großen Schritt bei der Entwicklung des Stadtkernes. Wo gibt es Probleme, wo Leerstände? Die Stadt hat jetzt zwei Gebäude gekauft, für die Entwicklungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Auch viele Private investieren bei uns in bestehende Gebäude. Ein Problem ist, dass man Einzelhandelsgeschäfte kaum noch in die Innenstadt bekommt. Dafür gibt es eine gut gehende Gastronomie. Insgesamt haben wir eine schöne Innenstadt, trotz kleiner Schönheitsfehler. Parallel zum Isek haben wir beschlossen, uns gemeinsam mit den Gemeinden Königsfeld, Stadelhofen und Wattendorf über das Ilek (Integriertes ländliches Entwicklungskonzept) weiter zu entwickeln. Die Stadt Scheßlitz bemüht auch, das gesellschaftliche Leben in den Dörfern aufrechtzuerhalten. Viele junge Leute wollen in ihren Dörfern bleiben und dort bauen. Da stößt man schnell an Grenzen, etwa beim Landschaftsschutz. Wer über Neubaugebiete Zuzug bekommen will, muss die Kröte "Flächenversiegelung" schlucken.
Die alten Ortskerne zu beleben, sollte aber vorrangig sein. Was das Gewerbe betrifft, fehlen uns eigentlich schon wieder Flächen. Hier muss man sorgfältig abwägen, aber auch schauen, dass man nichts verpasst.

Welche Herausforderungen wollen Sie in den nächsten drei Jahren angehen?
Da sind die angesprochenen Programme Isek und Ilek. Was für konkrete Projekte daraus hervorgehen, muss man sehen. Bei Kinderkrippen und - gärten gibt es Neubau- und Sanierungsbedarf. Die Sanierung der Grundschule in Scheßlitz ist dringend geboten. Über die Außensanierung unseres Rathauses wage ich noch gar nicht nachzudenken, wäre aber ebenso dringend notwendig. Nach dem Kanalbau steht nun die Sanierung von Kläranlagen und der bestehenden Kanalnetze an. Gemeindeverbindungsstraßen müssen nach und nach saniert beziehungsweise ausgebaut werden. Auch beim Hochwasserschutz müssen die nächsten Schritte eingeleitet werden. Doch das ist nicht ganz so unproblematisch, wie man etwa beim Bau des bereits errichteten Damms erfahren durfte.
Insgesamt steht so viel an, dass wir um eine Neuverschuldung nicht herumkommen werden. Als flächengrößte Gemeinde des Landkreises sind unsere Probleme wohl vielschichtiger als in anderen Kommunen. Aber Probleme sind da, um sie zu lösen, und ich bin als Bürgermeister guter Dinge, dass wir gemeinsam mit unseren Bürgern, der Verwaltung und dem Stadtrat dies schaffen werden.


Das Gespräch führte
Hans Kurz
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