Kulmbach

Es gibt noch Hoffnung

Haben auch Sie den Eindruck, dass jeder nur noch auf sich selbst schaut und den eigenen Vorteil im Blick hat? Ja? Bis vor wenigen Tagen hätte ich zugestimmt, aber seit Montag weiß ich, dass es noch Ho...
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Haben auch Sie den Eindruck, dass jeder nur noch auf sich selbst schaut und den eigenen Vorteil im Blick hat? Ja? Bis vor wenigen Tagen hätte ich zugestimmt, aber seit Montag weiß ich, dass es noch Hoffnung gibt. Was geschehen ist? Ich werde es Ihnen verraten.

Mit Blick auf die vorgerückte Stunde und den noch vollen Terminkalender entschlossen sich meine Frau und ich, auf dem Weg von der gemeinsamen Arbeit nach Hause noch schnell ein Brot zu besorgen, und zwar in Bamberg, gleich um die Ecke. Wie ahnten nicht, dass gefühlt tausend Menschen die gleiche Idee hatten. Auf dem Parkplatz vor der Bäckereifiliale herrschte das totale Chaos, die Autos standen kreuz und quer, jeder hatte es eilig. Wie entspannt ist es doch da bei uns auf dem Land.

Also ließ ich meine Frau nur schnell aussteigen. Dabei entging eine junge Frau mit einem unbeleuchteten Fahrrad nur knapp unserer geöffnete Autotür. In dem ganzen Trubel verhedderte sich der Fuß meiner Frau auch noch am Träger ihrer Tasche, die prompt auf den nassen Asphalt fiel.

20 Minuten später, 40 Kilometer weiter und 30 Pulsschläge weniger bemerkte meine Frau plötzlich in dem immerhin angenehm nach einem frischen Brot riechenden Auto, dass ihr Handy weg war. Es musste auf dem Parkplatz aus der Tasche gerutscht sein. "Das ist weg", lautete mein hilfreicher Kommentar.

Nachdem meine Frau mich abgesetzt hatte (weil ich noch ehrenamtlich zu tun hatte), fuhr sie allein zurück nach Bamberg, fand das Mobiltelefon aber weder vor noch in der Bäckerei. Und auch auf ihrem Schreibtisch lag es nicht. Die Kollegin vom Spätdienst hatte die Idee, doch einfach mal die eigene Nummer zu wählen. Und was soll ich sagen: Es klingelte, ein junger Mann nahm ab und erklärte, das Handy gefunden und mit nach Hause genommen zu haben. Auch meine Schwägerin hatte er schon angerufen, der eingespeicherten Nummer sei Dank.

Meine Frau fuhr zu dem ehrlichen Finder und nahm das Handy freudestrahlend in Empfang. Spätabends war "Engel" das Wort, das ich am häufigsten hörte. Es gibt sie also doch. Dietmar Hofmann

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