Münnerstadt

Es gibt fast keine Wiesenbrüter

30 Prozent der Wiesenflächen in der Unteren Au werden wiesenbrüterfreundlich bewirtschaftet. Trotzdem gibt es immer weniger dieser bedrohten Tiere. Ein Appell geht an die Hundehalter während der Brutzeit.
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Solange Freizeitsportler und Spaziergänger das Wegenetz nutzen, ist das für die Wiesenbrüter kein Problem. Gestört werden sie allerdings, wenn während der Brutzeit die Wiesen in der Unteren Au betreten werden. Foto: Heike Beudert
Solange Freizeitsportler und Spaziergänger das Wegenetz nutzen, ist das für die Wiesenbrüter kein Problem. Gestört werden sie allerdings, wenn während der Brutzeit die Wiesen in der Unteren Au betreten werden. Foto: Heike Beudert

Seit mehr als 30 Jahren gibt es in Münnerstadts Lauerauen sogenannten Vertragsnaturschutz zum Schutz der dort lebenden Vogelwelt. Doch trotz aller Bemühungen sind die Bestände in der Unteren Au im Norden der Stadt weitgehend verschwunden. Weshalb dies so ist, darüber lässt sich allerdings spekulieren. Doch es ist wohl ein Mix aus unterschiedlichsten Ursachen, ergibt die Nachfrage.

Der Münnerstädter Biolandwirt Dieter Petsch gehörte vor mehr als drei Jahrzehnten zu den Ersten im Landkreis, die sich am staatlichen Wiesenbrüterprogramm beteiligten. Damals brüteten in der Unteren Au von Münnerstadt noch die mittlerweile fast überall bedrohten Vogelarten wie Bekassine oder Kiebitz. Wer sich am Programm beteiligt, mäht seine Wiesen später als normal, also erst zwischen Mitte Juni und Anfang Juli, wenn die Brutsaison zu Ende ist. Der zusätzliche Aufwand bzw. die dadurch entstehenden Minderausnahmen wurden über eine Prämie ausgeglichen.

Viele Bemühungen

30 Prozent der Wiesenflächen in der Unteren Au sind mittlerweile in einem Agrarumweltprogramm. "Das ist sehr viel", findet Dieter Petsch. Umso mehr bedauert er, dass die Maßnahmen nicht greifen.

Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt erklärt in einer Stellungnahme, dass dieses Problem nicht nur die Münnerstädter Region betrifft. Die Ursachen seien vielseitig. Auf Wiesen, die nicht im Vertragsnaturschutz liegen, würde zu früh und zu häufig gemäht, heißt es dort. Dadurch fehle den Tieren die Nahrung. Zum anderen seien viele Flächen zerschnitten worden.

Trockenheit ein Problem

Einen Grund sieht das Landratsamt in der Witterung. Es ist einfach zu trocken. Die Beschaffenheit der Wiesen ändert sich dadurch und mache den Tieren zu schaffen. Dadurch, dass sich gerade bei den Wiesenbrütern der Artenschwund massiv bemerkbar macht, würden die Partner für die Brut oft fehlen, und der Genpool werde immer geringer, was die Arten zusätzlich schwächt.

Aber es sind auch Gründe, die hausgemacht sind. So beklagt das Landratsamt, dass gerade in Stadtnähe frei laufende Hunde ein großes Problem sind. Das bestätigt der Wiesenbrüter-Beobachter im Landkreis, Matthias Franz. Vielleicht wären Kontrollen sinnvoll, hier Abhilfe zu schaffen, meint Franz.

Hundehalter, die ihre Tiere während der Brutzeit frei laufen lassen, sind für Dieter Petsch tatsächlich ein Problem. Gerade die Untere Au sei ein beliebtes Gassi-Gebiet und längst nicht mehr nur für die Münnerstädter. Er beobachtet viele auswärtige Autonummern auf dem Feldweg, der eigentlich für den Verkehr gesperrt ist. "Das Gebiet hat sich herumgesprochen." Grundsätzlich hat Dieter Petsch nichts gegen Hundehalter, die hier Gassi gehen. Nur sollte der Hund während der Brutzeit unbedingt an der Leine bleiben. Er glaubt, dass sich viele Spaziergänger gar nicht mehr bewusst sind, dass Wiesenbrüter ihre Gelege direkt in der Wiese haben. Auch Reiter galoppieren über die Wiesen und sorgen dafür, dass die Vogelwelt keine Ruhe hat. Wenn sie mehrmals beim Brüten durch frei laufende Hunde oder sonstige Einflüsse gestört werden, geben sie ihr Nest auf.

Umsicht in der Brutzeit

Die Lauerwiesen sind so etwas wie ein Freizeitrevier geworden. Dass sie Privatbesitz sind und bewirtschaftet werden, sei kaum mehr im Bewusstsein, glaubt Petsch, ebenso ihre Bedeutung als Naturraum. Dabei dürfen bestellte Felder und Wiesen auch vom Gesetz her zwischen März und Juni aus Gründen des Tierschutzes nicht betreten werden. Das aber sei in Vergessenheit geraten, glaubt der Münnerstädter Landwirt. Kontrollen sind ihm nicht bekannt.

Die Vogelwelt hat sich also verändert in den letzten Jahrzehnten. Sicher gibt es noch eine Vogelwelt in den Lauerwiesen, aber kaum mehr Wiesenbrüter. "Gelegentlich hört man den Wachtelkönig", sagt Dieter Petsch.

Verändert hat sich aber auch die Bewirtschaftung der Wiesen. Früher gab es sogenannte Grünfutterwiesen, die der Landwirt nach Bedarf kleinflächig gemäht hat. Dadurch gab es immer Gras in unterschiedlichen Wachstumsphasen, erinnert sich Dieter Petsch zurück.

Veränderte Bedingungen

Natürlich hat die Trockenheit zugenommen, obgleich die Untere Au etwas feuchter ist als andere Wiesen entlang der Lauer, so Dieter Petsch. Es gebe dort einen Wassergraben, der ganzjährig Wasser führt. Früher aber wurden die Wiesen auch noch im Sommer für kurze Zeit mit Lauerwasser geflutet. Das gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

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