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Bamberg
Interview

Erzbischof: "Ostern findet auch 2020 statt - nur ganz anders"

Für die Christen in aller Welt ist Ostern das höchste Fest, das sonst mit feierlichen Gottesdiensten begangen wird. Wegen der Corona-Pandemie müssen nun in diesem Jahr alle öffentlichen Feiern in der ...
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Ludwig Schick
Ludwig Schick

Für die Christen in aller Welt ist Ostern das höchste Fest, das sonst mit feierlichen Gottesdiensten begangen wird. Wegen der Corona-Pandemie müssen nun in diesem Jahr alle öffentlichen Feiern in der Karwoche und zu Ostern ausfallen. Wir baten Erzbischof Ludwig Schick in einem Interview um sein Wort in dieser Krise. Die Karwoche und das Osterfest müssen in diesem Jahr ohne öffentliche Feiern stattfinden. Wie können Christen dennoch diese Tage begehen? Erzbischof Ludwig Schick: Die Karwoche und das Osterfest ohne öffentliche Feiern ist für die Christen sehr schmerzlich und traurig. Wir können das höchste Fest der Christenheit, die Auferstehung Christi, mit Gründonnerstag, dem Tag der Einsetzung des wichtigsten Sakraments der Kirche, der Eucharistie, und den Karfreitag, Gedächtnis des Leidens und Todes Christi zu unserer Erlösung, nicht in Gemeinschaft feiern. Aber Ostern findet statt und ereignet sich auch 2020, nur ganz ungewohnt und ganz anders. Innerlich und persönlich kann jeder Ostern und die Kartage feiern. Hilfen dazu bieten die Gottesdienste mit Livestream aus der Nagelkapelle des Bamberger Doms. Allein oder im Familienkreis kann jeder der Einsetzung der Eucharistie, des Leidens und Sterbens Jesu und der Auferstehung anhand der entsprechenden Bibelstellen sowie der Lieder und Texte im Gotteslob gedenken. Anregungen habe ich an die Pfarreien geschickt, die die Seelsorgerinnen und Seelsorger weitergeben. In Bamberg fällt auch der traditionelle Karfreitagsbittgang aus, an dem Sie sonst teilnehmen. Gäbe es nicht gerade an einem solchen Tag genügend Gründe, um den Himmel zu bestürmen? Der traditionelle Karfreitagsbittgang wird 2020 leider auch ausfallen, an dem ich seit 2003 gern teilnehme. Aber niemand ist daran gehindert, am Karfreitagmorgen die "Fünf Wunden" und den "Rosenkranz" zu beten, individuell oder in der Familie, wie wir es beim Bittgang tun und so den Himmel zu bestürmen, dass Covid-19 bald besiegt wird. Auch die Andacht "Die sieben Worte Jesu am Kreuz" kann jeder beten. Jetzt gibt es täglich Livestream-Gottesdienste aus der Nagelkapelle des Doms und aus anderen Kirchen im Erzbistum Bamberg. Das Schlagwort von der "geistlichen Kommunion als vorkonziliarer Erscheinung" kursiert in den sozialen Medien. Was bedeutet "geistliche Kommunion" heute? Die "geistliche Kommunion" als vorkonziliare Erscheinung abzutun ist historisch falsch, spirituell abträglich und despektierlich. Die "geistliche Kommunion" hat in der Kirche eine lange Tradition und ist von vielen Heiligen empfohlen worden. Auch die Päpste nach dem Konzil haben an sie erinnert. Für die Christen in der Verfolgung war und ist sie oft über lange Zeit die einzige Möglichkeit, spirituell an der Eucharistie teilzunehmen.

Sie besteht im Glauben an die Gegenwart Christi im Altarsakrament, der Sehnsucht, möglichst bald die Eucharistie mitfeiern und die heilige Kommunion sakramental empfangen zu können sowie der Bitte um die Liebe Gottes und um die Kraft für ein christliches Leben. Vertröstungen auf das ewige Leben helfen in der Corona-Krise wenig. Wie lautet Ihre Osterbotschaft? Meine Osterbotschaft lautet: Bleiben Sie gesund und hoffnungsvoll! "Jesus Christus ist auferstanden. Halleluja! Er ist auch jetzt bei uns und schenkt uns neues Leben in Fülle. Halleluja". Das Interview führte Marion Krüger-Hundrup.