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Hallstadt

Erweiterung kein "Super-Gau"!

Weil sie von einer anderen Variante ausgegangen waren, reagierten Hallstadter Stadträte spontan mit einer Wortwahl, welche die Dillinger Franziskanerinnen, Träger der Einrichtung, doch stark irritierte.
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Provinzleiterin Schwester Martina Schmidt und Geschäftsführer Michael Schorn in dem Bereich, in dem der Anbau entstehen soll  Foto: Matthias Hoch
Provinzleiterin Schwester Martina Schmidt und Geschäftsführer Michael Schorn in dem Bereich, in dem der Anbau entstehen soll Foto: Matthias Hoch

Anette Schreiber Sie will weiterhin eine gute Kooperation mit der Stadt und dass das Personal im "Haus für Kinder" in Ruhe weiterarbeiten kann. Und alles vor allem nicht zum Politikum wird. Und doch kann Schwester Martina Schmidt den Begriff "Super-Gau" im Zusammenhang mit der Erweiterung der Einrichtung der Dillinger Fransziskanerinnen nicht so stehen lassen. Tschernobyl, ja, das sei der Super-Gau schlechthin, aber doch nicht die Erweiterung der Kinderbetreuungseinrichtung, findet sie.

Was war geschehen? In einer der jüngsten Sitzungen hatte sich der Hallstadter Stadtrat mit der Erweiterung der ältesten Kinderbetreuungseinrichtung der Stadt beschäftigt. Fakt ist, dass Hallstadt dringend weitere Kapazitäten bei der Betreuung von Krippen- und Kindergartenkindern braucht. Deswegen hatte es bereits 2018 ein Treffen mit allen Einrichtungsträgern gegeben. Als Ergebnis hatten sich unter anderem die Dillinger Franziskanerinnen bereiterklärt, in der Grabenstraße zu erweitern. Allerdings war man dabei zeitweise davon ausgegangen, dass am Bestand aufgestockt werden kann.

Nicht realisierbar

Wie sich zeigte, so erklärt Provinzleiterin Schwester Martina Schmidt im Gespräch mit dem Fränkischen Tag, war das nicht umzusetzen. Neben anderen Gründen ist ein schwerwiegender die Einhaltung der Abstandsflächen zu den Nachbarn, was bei der Aufstockung nicht machbar gewesen wäre. Außerdem musste man entgegen dem ersten Ansatz nicht mehr für neun Krippen- und 15 Kindergartenkinder (wovon man 2018 ausgegangen war), sondern vielmehr für 25 Kindergarten- und zwölf Krippenkinder planen. Denn nur in dieser Größenordnung wird im konkreten Fall eine Förderung gewährt, so Geschäftsführer Michael Schorn.

Der im Hallstadter Stadtrat geäußerte Vorschlag, für die Erweiterung Flächen im Altbau zu nutzen, ist wiederum deswegen nicht möglich, so die Provinzleiterin, weil hier erst 2017 mit staatlichen und kirchlichen zweckgebundenen Zuschüssen Wohnungen für einkommensschwache Menschen errichtet worden waren.

Im Übrigen stehe man voll hinter den Planungen von Architekt Göger, mit dem schon viele gemeinsame Projekte umgesetzt worden sind. Schwester Martina verweist dabei insbesondere darauf, dass auch die Kostenschätzungen meistens Punktlandungen waren.

Nach den Umplanungen wegen höherer Platzzahlen und Auflagen liegt die Kostenberechnung aktuell bei 2,07 Millionen Euro. Teil des Förderantrags, den die Stadt bei der Regierung eingereicht hat. Derzeit werde der Förderbescheid erwartet.

27 Kinder neu aufgenommen

Besonders glücklich sind die Dillinger Franziskanerinnen jedenfalls darüber, dass man neues Personal finden und bereits im September insgesamt 27 neue Kinder aufnehmen konnte. Insgesamt kümmern sich 18 Kräfte (Erzieherinnen/Kinderpflegerinnen, Raumpflegerinnen) um die Einrichtung mit ihren drei Kindergarten- und zwei Krippengruppen. Bis der Erweiterungsbau steht, greift man auf die von der Stadt zur Verfügung gestellten Module zurück, die im Anschluss wieder verschwinden und Platz für den Krippen-Spielplatz machen. Während der Bauzeit stehen ein Raum im Pfarrheim, der Pfarrgarten und nach Absprache die Schulturnhalle zur Verfügung.

Aufgrund des offenen Konzeptes, so betont Schwester Martina, essen nie alle Kinder gleichzeitig und es sind auch nie alle gleichzeitig draußen. So sieht sie das "Haus für Kinder" auch für die Bauphase gut gerüstet. Man geht von einer weiteren guten Zusammenarbeit mit der Stadt aus. Im Übrigen legt sie Wert auf die Feststellung, dass die Außenfläche immer noch größer bleibt , als sie müsste.

Bürgermeister Thomas Söder (CSU) blickt jedenfalls zuversichtlich in die Zukunft und ist allen Trägern dankbar für ihr Engagement ist. Er sieht alles pragmatisch: Der bei den ersten Planentwürfen geäußerte Wunsch des Stadtrates nach einer zweigeschossigen Lösung war nicht zu erfüllen, "man muss mit dem leben, was sich ergibt, und Kompromisse schließen".

Im Nachhinein relativiert auch Herbert Diller (Bürgerblock) seine "Super-Gau"-Äußerung. Eine spontane Reaktion, erster Enttäuschung geschuldet. "Wir sind froh um jeden Kita-Platz und die Kooperation mit den Dillinger Franziskanerinnen war immer hervorragend", so Diller gegenüber dem FT. Das Spielen auf dem Dach hat sicher seine Reize, meint er nun.