Neuensee

Erwähnenswertes in blauer Tönung

Geschichten und Lieder vom Mond erzählte und spielte Florian Kaplick in der ehemaligen Synagoge in Lichtenfels.
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Nicht nur als Musiker konnte Florian Kaplick anregen, auch als Rezitator war er gut. Foto: Markus Häggbereg
Nicht nur als Musiker konnte Florian Kaplick anregen, auch als Rezitator war er gut. Foto: Markus Häggbereg

Was wohl dabei rauskommt, wenn eine Veranstaltung "Mondsüchtig" heißt und der Mann am Klavier Psychiater ist? Die Antwort ließ sich am Freitagabend hören. In einem geschickt gestrickten Programm flanierte Florian Kaplick auf einem weiten Feld zu einem erlebenswerten Allerlei in blauer Tönung. Der Mond hatte es in sich.

Was vom Kommenden zu erwarten sei, war kurz vor 20 Uhr in der ehemaligen Synagoge nicht ganz abzuschätzen. "Ein blauer Abend mit Geschichten vom Mond" klang ein bisschen vage, aber auch anziehend genug. Jedenfalls waren nahezu alle Sitzplätze belegt, als das im Rahmen des Fränkischen Theatersommers gastierende Programm begann.

In kühlem Lichte und in ein Blau getaucht, aus welchem Kaplick mittels Rezitation und Klavier dem Mond wiederum eine ganze Welt zu Füßen legte: zwischen Johannes Keppler und David Bowie, zwischen Mondlandung, Debussy und Pink Floyd. Klar, das Strickmuster ist simpel: Man sammele Anekdotisches, begebe sich auf unterschiedliche Felder und füge es zu einem Ganzen. Aber so einfach ist das doch nicht, denn auf die Ausarbeitung kommt es an.

Stimmungsvoll-nachdenklich

Und die gelang Kaplick, ohne belehrend zu sein, ohne aufgesetzt zu wirken und ohne Geschwätzigkeit. Schon sein Gastgeber Harald Fischer hielt sich in der Begrüßung witzig-kurz: "Gestern war Vollmond, heute schaut der Mond noch genauso aus." Dann wurde es stimmungsvoll-nachdenklich, denn Kaplick griff ein Mondmärchen auf, welches den Menschen in kein gutes Licht stellte, eine Parabel über menschlich-rücksichtsloses Besitzverlangen mit dem Mond als Spielball. Auf Grundlage dieser Stimmung griff er zur Ironie, bediente sich eines Morgenstern-Gedichts, aus welchem der Mond als "völlig deutscher Gegenstand" hervortrat. Ein Kunstgriff sollte Kaplick, der ausgebildeter Musiker und auch in mimisch-gestischer Hinsicht doch recht glaubwürdig ist, mit dem gelingen, was der Mond als Kehrseite zu bieten hat. Ja, mit dem Song "Fly Me to the Moon" seien Astronauten einer Mondmission musikalisch versorgt worden, aber all der finanzielle Aufwand brachte auch mit sich, dass woanders Gelder fehlten. Beispielsweise im Gesundheitswesen.

Die dunkle Seite des Mondes

Und schon tauchte aus dem blauen Licht eine andere musikalische Mondgeschichte auf, nämlich die des Rap. Gil Scott-Heron beklagte 1970 in seinem Rap "Whitey on the Moon", dass er keine Arztrechnung bezahlen könne, aber Hauptsache die Weißen kämen auf den Mond. Und erst die Begrifflichkeiten: Es sei wohl Mark Twain gewesen, der dem Menschen einen innerlichen Ort auf dem Mond zuwies, als er davon sprach, dass ein jeder Charakterzüge aufweise, die nie einer zu sehen bekomme - so wie die dunkle Seite des Mondes. Dass Kaplick sich solo an einen opulenten Song Pink Floyds aus deren weltberühmten Album "The Dark Side of the Moon" machen würde, damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Zu unüberbrückbar schien der Graben zwischen Solo-Klavier und Floyds Klangopulenz. Er tat es aber doch und irgendwie sollte es stimmig ausgehen und passend. Da applaudierten auch die Klassik-Fans im Publikum, die sich ihrerseits gleich zweimal über ein Clair de lune freuen durften. Debussy, klar, aber wer weiß schon, dass auch ein gewisser Reynaldo Hahn dieses Thema in Noten setzte?

All das erklang und dazu auch Beethovens Mondscheinsonate, deren Name nicht von Beethoven stammte. "Was Beethoven sich (als Titel) gedacht hatte, das wissen wir gar nicht", so Kaplick. Zwei Stunden lang setzte Kaplick sein Publikum Betrachtungen, Verflechtungen und Querbezügen aus. Eine Mondbeglänzung durch die Kunst und durch Wissenswertem aus Disziplinen und Jahrhunderten; kein Programm zum schallenden Lachen, eher zum lohnenden Schmunzeln und für ein Gefühl des Aufgehobenseins in Kuriosem. Aber bei dem Mann, der nicht nur Musiker und Arzt ist, sondern in Edinburgh wohnt und eigentlich Fürther ist, ging es auch eine Nummer schlichter: "Der Mond über Nemberch is a bloß a Lebkong."

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