Forchheim

Erst sterben die Bienen ...

In Forchheim formierte sich ein Bündnis für Artenvielfalt. Nur die Landwirte sind außen vor.
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JoseF Hofbauer Das Büro des Bund Naturschutz ist die Anlaufstelle für alle, die Fragen zum Volksbegehren Artenvielfalt haben, das am Montag dort aus der Taufe gehoben wurde. Neben der ÖDP, die die Aktion "Rettet die Bienen, Vögel und Schmetterlinge - stoppt das Artensterben!" angeregt hatte, gehören die Forchheimer Grüne Liste (FGL), die Stadt Forchheim, der Kreisverband der Imker, die Bürgervereinigung Wiesenttal ohne Umgehung, (BIWO), Stadtförster Stefan Distler und der Bund Naturschutz diesem Bündnis an. Der Landkreis Forchheim werde sich trotz des Fachbereiches "Ökologische Kreisentwicklung, Kultur- und Landschaftspflege auf Wunsch von Landrat Hermann Ulm (CSU) neutral verhalten, berichtete Abteilungsleiter Johannes Mohr.

ÖDP-Mitglied Manuela Forster, eine gebürtige Forchheimerin, erklärte, dass eine Million Unterschriften notwendig seien, um das Volksbegehren auf den Weg zu bringen, zeigte sich aber zuversichtlich, dass dies gelingen werde. Faune auf Flora brauchten mehr geschützte Bereiche. Ein vernetztes System braucht Rückzugsbiotope, fordert Forster. Allein in Bayern seien die Insekten um 70, die Vogelarten um 65 Prozent zurückgegangen. Ein Alarmzeichen, fand die ÖDP-Politikerin.

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) bekräftigte, dass die Kommune einiges tun könne, um die Artenvielfalt zu fördern. Durch eine entsprechend ausgerichtete Bauland-Politik und durch eine Gestaltung des Straßen-Begleitgrüns lasse sich viel erreichen.

Bienen für die Wälder

Stadtförster Stefan Distler will durch die Ausbringung von Bienenvölkern im Stadtwald zu einer größeren Biodiversität beitragen. Parallel dazu sollen Pflanzen und Sträucher angesiedelt werden, die für die Bienen wichtig sind. Der Forchheimer Bauamtsleiter René Franz ordnete die Thematik als gesamtgesellschaftliches Problem ein, das verstärkt diskutiert werden müsse.

Geschäftsführer Friedrich Oehme vom Bund Naturschutz forderte, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur, den aufgeschlossene Menschen für selbstverständlich erachteten, auch realisiert werden müsse. Thomas Neubauer vom Alpenverein Forchheim erinnerte daran, dass die zunehmende Nahrungsknappheit für Tiere und Insekten das Artensterben enorm beschleunige.

Hermann Pätzold, Hobbyimker aus Bammersdorf, zeigte sich entsetzt, wie schlimm es um die Natur bereits stehe. Traugott Hübner, Vorsitzender des Mieterverein Forchheim prophezeite einen "stummen Frühling". Trotz Winterfütterung habe das Sterben der Singvögel ein dramatisches Maß angenommen. Heinrich Kattenbeck von der Bürgerinitiative Wiesenttal ohne Umgehung sah in dem Volksbegehren eine Chance der Menschheit bewusst zu machen, "an welcher Grenze wir stehen".

Lebensgrundlagen sichern

Wolf-Dietrich Schröber, Vorsitzender der Imker im Landkreis Forchheim mahnte, dass dieses Volksbegehren nur gemeinsam mit den Landwirten zu realisieren sei. Christoph Wurmtaler von der Energie- und Klima-Allianz im Landkreis Forchheim unterstrich: "Es geht bei dem Vorhaben darum, unsere eigenen Lebensgrundlagen zu sichern."

Emmerich Huber von der Forchheimer Grünen Liste nannte es eine Schande, dass dieses Volksbegehren überhaupt gestartet werden muss. Es sei höchste Zeit, dass dieses Thema in die breite Öffentlichkeit getragen werde. Stadträtin Annette Prechtel sprach von einer Form direkter Demokratie, die es zu nutzen gelte.

Rotraud Krüger vom Stadtplanungsamt und ihre Nachfolgerin Reinhilde Steinmetz regten einen Innenstadt-Wettbewerb zur Gestaltung naturnaher Gärten an, um die Artenvielfalt zu steigern.

Johannes Mohr von der Unteren Naturschutzbehörde verwies auf die Neutralität der Behörde, unterstrich aber, dass der Landkreis durch den Fachbereich "ökologische Kreisentwicklung " nicht ganz neutral sei. Mohr bekräftigte, dass es bereits ein sehr gutes Naturschutzgesetz gebe, bedauerte aber ein enormes Vollzugs-Defizit, bedingt durch Personalknappheit. Andererseits gebe es bereits positive Ansätze wie den Artenkenner-Pass, den Schüler auf Initiative des Schulamtes Forchheim erwerben könnten. So könne der Bezug zur Natur gestärkt werden. Biodiversität, so Mohr sei auch eine pädagogische Aufgabe, die angepackt werden müsse.

"Es ist erschreckend", so Mohr, "wie viele Feldraine in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen sind." Die Bienen stünden stellvertretend für das Insektensterben. Auch Schwebfliegen und Nachtfalter, die 30 Prozent der Obstbäume im Landkreis bestäubten, seien dramatisch zurückgegangen.

Der falsche Weg

Werner Nützel, Geschäftsführer des Bauernverbandes im Landkeis Forchheim, hält die Gesetzesinitiative für den falschen Weg. Verschärfte Gesetze führten zu mehr Gängelung, findet Nützel. Er verweist darauf, dass allein im vergangenen Jahr von den Landwirten ein Blühstreifen angelegt worden sei, der von Hamburg bis nach Gibraltar reiche.

Zusammen mit den Imkern ließen die Bauern die Umwelt aufblühen. Für das Anlegen von Blühstreifen gebe es für interessierte Landwirte kostenloses Saatgut. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass es in Bayern bereits 10 000 Bio-Landwirte gebe. Das Volksbegehren verstünden die Bauern dagegen als "Sammeln von Unterschriften gegen die Landwirtschaft".

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