Herzogenaurach

Erst Geschenke, dann Gottesdienst

Auch in Herzogenaurach wurden rund um Weihnachten in den vergangenen Jahrhunderten zahlreiche Traditionen gepflegt.
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Während der Mette wird das Christkind in der Krippe gelegt.
Während der Mette wird das Christkind in der Krippe gelegt.
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Um die Weihnachtszeit gab es in früherer Zeit sehr viel mehr Brauchtum, das sich in unserer hektischen Zeit leider nicht mehr erhalten hat. Der Herzogenauracher Heimatforscher Luitpold Maier hat vieles davon aufgeschrieben.

So konnte Maier noch den Brauch des Weihnachtsumsingens anführen. In der Hammerbacher Gemeinderechnung von 1716 fand er 30 Kreuzer aufgelistet, die der Herzogenauracher Schulmeister erhielt, "als er um Weihnachten gewöhnlichermaßen herumgesungen". Es handelt sich also zur damaligen Zeit schon um einen lange geübten Brauch, dass der Schulmeister mit seinen Schülern an Weihnachten auch die Bewohner der umliegenden Ortschaften mit Gesang auf das Weihnachtsfest einstimmte.

Für das Jahr 1810 hat sich sogar eine Aufstellung der gespendeten Beträge erhalten. Im ganzen konnten die Sänger 51 Gulden und 44 Kreuzer als Sammelergebnis verbuchen. In der Stadt erhielten sie 32 Gulden, die restlichen Gelder nahmen sie in den Ortschaften Beutelsdorf, Buch, Burgstall, Dondörflein, Falkendorf, Galgenhof, Hammerbach, Haundorf, Hauptendorf, Niederndorf, Steinbach mit der Schleifmühle und Welkenbach ein. Durch das Singen mit den Chorschülern, unterstützt von Musikanten während der Weihnachtszeit in der Stadt Herzogenaurach und in den eingepfarrten Dörfern, konnte der Schulmeister sein karges Gehalt aufgebessert.

Der Heilige Abend war auch in früherer Zeit noch ein halber Arbeitstag. In der heutigen Zeit wird er wohl mehr mit den letzten Einkäufen angefüllt sein. Außerdem handelte es sich bei Heiligabend um einen Fast- und Abstinenztag, das Mittagessen war daher meist etwas später. In der Landwirtschaft war das Futter für das Vieh vorgearbeitet worden, sodass nachmittags keine Arbeiten mehr anfielen.

Eltern schmücken den Baum

Am Nachmittag schickten die Eltern ihre Kinder meistens zum Spielen nach draußen, damit der Weihnachtsbaum aufgestellt und die Geschenke darunter platziert werden konnten. Der Christbaum wurden mit Kugeln, Strohsternen, goldenen Nüssen, Zuckerzeug und Kerzen, aber auch den "Docken" (kleinen Puppen) dekoriert.

Die Bescherung erfolgte meist sobald es finster war. Für den Abend hatte sich in jeder Familie ein bevorzugtes Essen eingebürgert, das im Familienkreis eingenommen wurde. Danach konnten die Kinder ihr Spielzeug ausprobieren, anschließend wurde die Mette besucht. Ein prüfender Blick auf den Nachthimmel konnte Aufschluss für das kommende Jahr geben: "Finstere Nächte, helle (leere) Städel. Helle Nächte, dunkle (volle) Städel."

In der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena befindet sich in einer Holzkrippe am Chorbogen das lebensgroße Jesuskind in einer Holzkrippe. In diese Krippe wird es während der Mette durch den Pfarrer gebettet als Sinnbild für den Messias, der auf die Erde kam. Die Pfarrkrippe in der Kirche zeigt dank des Einsatzes der Krippenfreunde auch in der heutigen Zeit in einer szenischen Darstellung die Anbetung des Christkindes durch die Hirten. Diese waren die ersten, die das neugeborenen Kind sehen durften.

Der erste Weihnachtsfeiertag ist das Fest der gnadenreichen Geburt unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi. Spätestens mit der Mette hatte sich die ganze Aufregung der vorangegangenen Tage gelegt. Die Kinder konnten an diesem Tag meistens damit rechnen, dass der Pate oder die Patin noch ihr Geschenk vorbeibringen würden, wenn man diese nicht selber besuchte.

Denn die Feiertage wurden meist zum Besuch der Verwandtschaft genutzt. Meist hatte sich die Runde bei diesen schon gut eingespielt, besucht wurden vor allem die Familien, in denen noch ältere Verwandte wie Großeltern usw. lebten. Für die Erwachsenen ergab sich die Gelegenheit zur Konversation, die Kinder begutachteten gegenseitig ihre Geschenke.

Bewegung für die Pferde

Der zweite Weihnachtsfeiertag ist dem Gedenken des Erzmärtyrers Stephanus gewidmet. Dieser war einer der sieben von den Aposteln in Jerusalem geweihten Diakone. Da er mutig für seinen Glauben eintrat, kam er in Konflikt mit den gesetzesstrengen Juden und wurde unter Anklage der Blasphemie vor den Hohen Rat geführt. Seine engagierte Verteidigungsrede erregte den Zorn seiner Widersacher, die daraufhin seinen Tod durch Steinigung veranlassten. Mit diesen Steinen als Attribut findet sich eine Figur in der Stadtpfarrkirche Herzogenaurach in der Nähe des Taufsteins.

An diesem Festtermin waren Pferdeumritte weit verbreiteter Bestandteil des Brauchtums. Stephanuskirchen waren natürlich ein bevorzugtes Ziel der Pferdeumritte. Diese erhielten den Segen durch den Geistlichen, bevor sie durch die Äcker und Fluren ihren Umritt absolvierten. Der Brauch hatten auch einen ganz praktischen Hintergrund. Da die Pferde die Feiertage ohne körperliche Anstrengung im Stall verbrachten, wurden sie dadurch wieder in die nötige Bewegung gebracht.

Mit Heiligabend verbindet sich auch eine Wetterregel: "Ist die Christnacht hell und klar, folgt ein höchst gesegnet' Jahr."

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