Egloffstein

Erst beschützt, dann verfolgt

Der Volkstrauertag erinnert an die Kriegstoten beider Weltkriege und an die Opfer der Gewaltherrschaft. In der Fränkischen Schweiz gibt es nur noch wenige Zeugnisse, die an die Juden erinnern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Synagoge Egloffstein: Das weiße Haus (r.) beherbergte von 1798 bis 1866 die Synagoge, die Religionsschule und die Wohnung des Rabbiners. Es ist heute Station des Egloffsteiner Kulturpfades.  Fotos: Reinhard Löwisch
Die Synagoge Egloffstein: Das weiße Haus (r.) beherbergte von 1798 bis 1866 die Synagoge, die Religionsschule und die Wohnung des Rabbiners. Es ist heute Station des Egloffsteiner Kulturpfades. Fotos: Reinhard Löwisch
+1 Bild

Der bevorstehende Volkstrauertag erinnert an die Kriegstoten beider Weltkriege und an die Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Allein dem Holocaust, dem Völkermord an den Juden in der Zeit des Nationalsozialismus, fielen rund sechs Millionen Menschen zum Opfer. Auch daran sollte immer wieder erinnert werden. Wenige Zeugnisse gibt es noch hier in der Fränkischen Schweiz, die an die Juden erinnern.

Einige Gebetsstätten wie die Synagogen in Ermreuth und Tüchersfeld, sieben Friedhöfe und Tafeln an Häuserwänden, die auf die frühere jüdische Nutzung von Gebäuden wie beispielsweise in Egloffstein, wo früher im Haus Nr. 44 eine ehemalige Mikwe (rituelles Tauchbad) untergebracht war, erinnern daran.

Gelebt, gearbeitet und gelitten

Juden hatten in der Fränkischen Schweiz viele Jahrhunderte lang gelebt, gearbeitet und gelitten. Bekannt ist ein "Mose" aus Ebermannstadt, der im Jahr 1290 eine Handschrift mit den fünf Büchern Mose (Tora) abschrieb. Die erste jüdische Gemeinde Forchheims wurde 1298, während der ersten Judenverfolgung zerstört; ebenso in Hollfeld, wo aus demselben Anlass und zur fast gleichen Zeit 20 Juden erschlagen worden sind.

In Pretzfeld wird 1326 der erste Jude (mit Namen Suezzlein) schriftlich festgehalten. In Waischenfeld gab es um 1313 den Juden "Mozze", dem sogar im Testament des Konrad I. von Schlüsselberg "84 lb. alte gült" vermacht worden sind.

Im Mittelalter standen die Juden unter dem Schutz der Lokalfürsten, wofür jene auch fürstlich bezahlt wurden. Seine Blütezeit dürfte das Judentum im 18. Jahrhundert erfahren haben. In jener Zeit hat man sehr viele Synagogen in der Region gebaut: 1727 in Zeckendorf bei Scheßlitz, 1728 in Kunreuth, 1738 in Ermreuth, 1758 in Tüchersfeld, 1746 in Hirschaid und 1771 in Forchheim.

Wegen Missernten und schlechter wirtschaftlicher Lage wanderten zwischen 1833 und 1900 sehr viele Juden nach Amerika aus, darunter Löb Strauß aus Buttenheim, der spätere Erfinder der Bluejeans.

In Pretzfeld wohnten 1811 noch 65 Juden (von insgesamt 739 Einwohnern), um 1900 hatte der Ort nur noch vier Juden. Ähnlich erging es der Tüchersfelder Judengemeinde. Wohnten 1813 noch 18 jüdische Familien im Ort, waren es 1860 nur noch drei Familien. Alle anderen sind nach Amerika ausgewandert.

In Ermreuth war 1665 nur ein Jude in den Steuerlisten verzeichnet. Nachdem die Familie von Künßberg den Ort übernommen hatte, wuchs auch die Zahl der Juden bis 1743 auf 17 Familien an und erreichte gegen 1840 mit 40 Familien ihre größte Ausdehnung. Sie beteiligten sich am Gemeindeleben, waren in den Gemeinderatsausschüssen und im Schulverband vertreten.

In den Weltkrieg gezogen

Sie waren Mitbegründer der freiwilligen Feuerwehr und dienten auch im Ersten Weltkrieg. Manch einer von ihnen wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet; einer musste sogar an der Front sein Leben lassen. Trotzdem verlor auch diese Gemeinde ihre Mitglieder. 1933 wurde die für den Gottesdienst notwendige Zahl von zehn religiös mündigen Männern nicht mehr erreicht, weil auch hier viele nach Amerika ausgewandert sind.

Auf dem Höhepunkt nationalsozialistischer Gräueltaten schließlich hat man die letzen Juden auch in der Fränkischen Schweiz vertrieben. "Durch den jüngst erfolgten Wegzug der letzten israelitischen Familien in Aufseß ist der Landkreis Ebermannstadt nunmehr völlig judenrein geworden", meldete der "Wiesentbote" am 31. Mai 1939.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren