Lichtenfels

Erschöpft, aber fröhlich

Pianistein Yu Mi Lee drückte der Serie "Weltklassik am Klavier" ihren eigenen, zarten Stempel auf.
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Am Ende sollte Yu Mi Lee erschöpft sein, aber ihre fröhliche Ausstrahlung behielt die Virtuosin bei. Foto: Markus Häggberg
Am Ende sollte Yu Mi Lee erschöpft sein, aber ihre fröhliche Ausstrahlung behielt die Virtuosin bei. Foto: Markus Häggberg

Nahezu ausverkauft. So viel zum Kaufmännischen der am Sonntag stattgefundenen dritten Ausgabe von "Weltklassik" in der ehemaligen Synagoge. In ihr wurde auch deutlich hörbar, dass unterschiedliche Pianisten unterschiedliche Klänge bedeuten. Der Klang, der unter Yu Mi Lees Händen entsteht, hat eine Strenge weitab von Mechanik und voll warmem Ausdruck.

"Weltklassik am Klavier - Chopin und andere Tastenzauberer!", so der Titel für den Grund, weshalb der auf rund 100 Sitze limitierte Saal beinahe voll besetzt war. Das mit dem Zauber sollte durch ein Bekenntnis der koreanischen Künstlerin Ergänzung erfahren, abgedruckt im Programmheft: "Die Sprache Musik ist der Spiegel der Seele und meine Interpretationen leben von der tiefen Seelenverwandtschaft zu den einzelnen Werken."

Quirlige Verwicklungen

Bestes Beispiel dafür Rachmaninows "Morceaux de fantaisie op. 3". Beeindruckend, wie sehr sie dabei das der Prelude Cis-Moll innewohnende so schlichte wie große Leitmotiv herausarbeitete oder die Melodie E-Dur des dritten Satzes in all ihren quirligen Verwicklungen meisterte. Immer wieder zeigte sich bei den insgesamt fünf Klavierstücken Rachmaninows die ihm zu dieser Zeit eigene Tonsprache samt originellem Klaviersatz, in Klangfarbe melancholisch und in Dramaturgie abwechslungsreich und mit dynamischen Steigerungen.

Bei Ravels "Sonatine pour piano" ergab sich eine andere Facette des Spiels der jungen Frau, die an der Hochschule für Musik in Hannover ihr Konzertexamen ablegte. Ravel, ein Hauptvertreter des Impressionismus, neigte schon mal dazu, Melodieführungen zu verknappen. Das kann trist klingen, uninspiriert, mechanisch - oder wie bei Yu Mi Lee, die auch in den Folgesätzen mit Innerlichkeit den Noten folgte. Ein Highlight war auch das "Andante con Variazioni" in F-Moll von Haydn. Sein letztes Klavierstück ist wohl zudem sein berühmtestes Einzelwerk für dieses Instrument. Neben drei Walzern von Chopin sollte auch Debussy ansprechen. In diesem Fall mochten vielleicht sogar jene die Ohren gespitzt haben, die sein berühmtes Clair de lune, welches eine Melodie mit versöhnlichem Charakter besitzt, als Filmmusik wahrnahmen, letztmalig bei Ocean's Eleven. Yu Mi Lee, auch sie eine der mit Preisen und Auszeichnungen bedachten Künstlerinnen bei Weltklassik, weltweit konzertierend tätig, zeigte, dass sie auch in Lichtenfels Freude an ihrem Beruf hat. Es blieb nicht bei nur einer Zugabe.

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