Kronach
Leserbrief

Ernüchternde Erkenntnis

Zum Artikel "Zeugin verhindert Vergewaltigung" vom 6. Juli: Groß war das Entsetzen, als die Meldung über die versuchte Vergewaltigung erschien. Mit bemerkenswerter Geschwindigkeit machten Panikkomment...
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Zum Artikel "Zeugin verhindert Vergewaltigung" vom 6. Juli:

Groß war das Entsetzen, als die Meldung über die versuchte Vergewaltigung erschien. Mit bemerkenswerter Geschwindigkeit machten Panikkommentare "besorgter" Mitbürger im Netz die Runde. Hatte der Täter doch, laut Zeugenaussage, schwarze Haare. Ein eindeutiger Hinweis, es konnte nur einer dieser Menschen sein, die so gar nicht in unser Gesellschaftsbild passen. Dank der schnellen Fahndung der Polizei wurde der Täter bereits nach zwei Tagen ermittelt. Doch dann der Schock! Es war kein Flüchtling, kein Immigrant, kein Asylant! Der Täter hatte noch nicht mal ausländische Wurzeln! Es war schlichtweg ein deutscher Staatsbürger! Und schon wird es sehr ruhig.
Ich möchte mich für das Verhalten dieser Bürger offiziell bei den Personengruppen entschuldigen, die so schnell mit dem Fall in Verbindung gebracht wurden. Ich entschuldige mich für die Wortwahl mancher Kommentare, für die Aggressivität, für die Intoleranz und für die erschreckende Art und Weise, Menschen ohne Wissen und Beweise zu verurteilen. Wahrscheinlich sitzt die Ernüchterung so tief, dass es für ein "Sorry" nicht reicht.
Aber es gibt auch Menschen, deren Reaktion sich in diesem Fall auf das Wesentliche beschränkt. Mitgefühl und Hilfe für das Opfer und Dank an die Polizei für die schnelle Aufklärung. Versuchte Vergewaltigung - ein schlimmes Verbrechen! Kollektive Vorverurteilung - ein Recht der freien Meinungsäußerung ?

Petra Müller
Steinwiesen


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