Bamberg

Erntefelder warten auf Arbeiter

Am morgigen Samstag startet im Bistumshaus St. Otto ein wahrer Gebetsmarathon: 24 Stunden lang, auch nachts, soll für Berufungen gebetet werden.
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Die Kapelle im Bistumshaus St. Otto wird Schauplatz der 24-Stunden-Gebetsaktion. Foto: Hendrik Steffens
Die Kapelle im Bistumshaus St. Otto wird Schauplatz der 24-Stunden-Gebetsaktion. Foto: Hendrik Steffens

Marion Krüger-Hundrup Kennen Sie noch die "guten alten Zeiten"? In denen die Kirchen voll waren, in denen Jahr für Jahr zahlreiche junge Männer zu Priestern geweiht wurden, in denen in jeder Pfarrgemeinde ein kleiner Schwesternkonvent für das geistliche Leben sorgte? Vielleicht haben Sie diese Zeiten selbst erlebt, vielleicht nur davon gehört. Möglicherweise schwelgen Sie noch in Erinnerungen an diese Zeit. Denn: Diese "guten alten Zeiten" sind vorbei. Gehören definitiv der Vergangenheit an.

Doch für die Geistlichen Gemeinschaften im Erzbistum Bamberg ist das allerdings kein Grund, Trübsal zu blasen. Stattdessen stellen sie sich den Herausforderungen und tun sich zusammen: Zu einem 24-Stunden-Gebet um geistliche Berufungen. "Aber nicht nur um Berufungen im engeren Sinne, also lediglich um Priester und Ordensleute", betont Michael Dotzauer, erzbischöflicher Beauftragter für die Geistlichen Gemeinschaften und Leiter der Diözesanstelle "Berufe der Kirche".

Dotzauer sagt klar: "Alle Menschen sind von Gott berufen im weiteren Sinne, berufen zum christlichen Leben im Alltag, in Ehe und Familie, im Beruf." Es gebe heute "schier endlose Erntefelder, die auf Arbeiter warten", bringt der Priester Verse aus dem Lukasevangelium auf den Punkt: "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden (Lukas 10,2)".

Im Kontext dieses Evangeliums meine Jesus damit Menschen, die das Reich Gottes verkündigen, Kranke trösten und heilen, Frieden bringen und die ihn selbst, Jesus, bekannt machen, erklärt Dotzauer. Er ist davon überzeugt, dass Beten um jedwede Berufung und Taten einander bedingen. Und dass gemeinsames Beten die Solidarität innerhalb der Kirche stärkt. Es mache bewusst: "Wir sind alle füreinander verantwortlich, weder herrschaftliches Gebaren noch Kritiksucht dürfen das Klima in der Kirche bestimmen, weil diese nicht dem Evangelium entsprechen und jede Diskussion über die Zukunft der Kirche verzerren."

Anlass für den 24-Stunden-Gebetsmarathon von Samstag, 11. Mai, 18 Uhr, bis Sonntag, 12. Mai, 18 Uhr ist der traditionelle Weltgebetstag für geistliche Berufungen am vierten Sonntag der Osterzeit. Erstmals findet in Deutschland an diesem Tag ein 24-Stunden-Gebet statt und zwar unter dem Titel "Werft die Netze aus". Das Leitwort erinnert an den Aufruf Jesu an Petrus und seine Gefährten, das Netz nach einer erfolglosen Nacht des Fischfangs abermals auszuwerfen - gegen alle Resignation und Enttäuschung. "Jeder und jede kann an einem Gebetsnetz mitknüpfen", ermuntert Michael Dotzauer.

Im Erzbistum Bamberg koordiniert die Diözesanstelle "Berufe der Kirche" die vielen lokalen Gebetsinitiativen, die aber überwiegend nur einige Stunden abdecken. Lediglich in der Gebetsstätte Heroldsbach, in der Pfarrei Oberkotzau mit der Ordensgemeinschaft der Eucharistienerinnen und eben in Bamberg sind Gläubige rund um die Uhr, also auch nachts, eingeladen. In der Kapelle des Bistumshauses St. Otto (Heinrichsdamm 32) übernehmen verschiedene geistliche Gemeinschaften und Ordensfrauen im Stundentakt die Gestaltung des Gebetes. Es beginnt um 18 Uhr mit der offiziellen Eröffnung durch Gemeindereferentin Jacqueline Stößel, Mitarbeiterin in der Diözesanstelle "Berufe der Kirche" und der Gemeinschaft "Cursillo".

Pfingstliche Gebetszeit

Von 19 bis 20 Uhr übernimmt der "Dominikanische Freundeskreis heilige Katharina von Siena" die Gebetsstunde, die die Flötistin Leoni Winkler mit meditativer Musik begleitet. Von 20 bis 22 Uhr (Gebetskreis Hallstadt und Gebetskreis Zückshut) sorgt der Organist Michael Wicklein mit für die Gestaltung. Um 22 Uhr gibt es eine "Pfingstliche Gebetszeit" mit der Schönstatt-Bewegung. Jeweils zur vollen Stunde wechseln sich dann Gebetswachen und gestaltete Gebetsstunden ab.

Weitere Mitwirkende kommen aus dem Gebetskreis St. Wolfgang Bamberg (1 Uhr), dem Dritten Orden der Karmeliten (23 Uhr), aus der Gemeinschaft christlichen Lebens GCL (2 Uhr), der Gemeinschaft Emmanuel (11 Uhr), der Charismatischen Erneuerung CE (16 Uhr), der Gemeinschaft Unio (17 Uhr) sowie aus dem Priesterseminar (5 Uhr), dem Ordensreferat (3 Uhr) und aus Klöstern ( 6 bis 9 Uhr, 12 Uhr, 13 Uhr,15 Uhr). Das 24-Stunden-Gebet endet am Sonntag um 18 Uhr.

Erzbischof Ludwig Schick wird zum Weltgebetstag um geistliche Berufungen die Vorabendmesse in Kemmern, Kirche St. Peter und Paul, feiern. Diese beginnt um 17.15 Uhr.

Für Michael Dotzauer steht fest, dass all diese Aktionen "eine Signalwirkung haben, dass geistliche Berufungen in der Kirche willkommen sind". Und dass "Gott unsere Gebete erhört".

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