Kronach

Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialisten tut wieder not

Zum Artikel "Gegen das Vergessen", FT vom 26. Oktober, Seite 11: Als ich diesen bemerkenswerten Bericht über das Projekt an "meiner" ehemaligen Schule las, da erinnerte ich mich wieder an einen Vortra...
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Zum Artikel "Gegen das Vergessen", FT vom 26. Oktober, Seite 11: Als ich diesen bemerkenswerten Bericht über das Projekt an "meiner" ehemaligen Schule las, da erinnerte ich mich wieder an einen Vortrag, welchen ich vor etwa 55 Jahren in meiner Klasse am KZG halten konnte: Anhand einer Broschüre - Titel etwa: "Die Zeit trug einen gelben Stern", und nach meiner Erinnerung auch ein Projekt der Zeitung "Stern" - versuchte ich damals, das uns Schülern weitgehend unbekannte Verbrechen an den Juden Deutschlands und danach halb Europas darzustellen; im Gedächtnis ist mir jedenfalls eine dieser grauenhaften Himmler-Reden vor den Mördern seiner Einsatzgruppen geblieben, in welcher er das Töten als Ruhmestat hinstellte.

Umso mehr freut es mich, dass die heutige Generation dieses Thema aufgreift und "gegen das Vergessen" anschreibt - und dies mit dem Stolperstein-Projekt und mit einer Broschüre sichtbar macht: In einer Zeit nämlich, in welcher es offensichtlich wieder notwendig geworden ist, an diesen Teil unserer Geschichte zu erinnern.

Eine Anmerkung und ein Vorschlag: Besonders freut mich, dass auch des hingerichteten Soldaten Susel gedacht wurde, über dessen Hinrichtung zwar mehrere Berichte in der örtlichen Presse erschienen sind, an den aber bisher nur durch eine private Initiative von Herrn Höring erinnert wird. Susel - seine Mörder kamen im Würzburger Prozess gegen Mitglieder des Standgerichts Helm mit milden Strafen davon - dürfte wohl der vorletzte Soldat gewesen sein, welcher im Landkreis dem Wüten dieser Standgerichte mit 30 000 Todesurteilen zum Opfer fiel - der letzte war dann wahrscheinlich der Wiener Willibald Frischmann in Nordhalben, welcher am 10. April durch das Standgericht des österreichischen Feldrichters Eglseer hingerichtet wurde; an ihn, dessen Name angeblich 70 Jahre lang unbekannt gewesen war, soll seit dem 7. Mai 2016 ein Kreuz an der Fichtera erinnern - das Kreuz trägt allerdings bis heute weder den Namen des Opfers noch einen Hinweis auf die Täter.

Stolpersteine für ehemalige Kronacher Bürger jüdischen Glaubens - eine gute Tat, und vielleicht gibt es ja auch irgendwann ein Projekt der Erinnerung an die im Landkreis im Rahmen der T-4-Aktion der Nazis Getöteten, welcher allein mindestens vier Nordhalbener zum Opfer fielen; hierzu auch bereits der FT vom 14.9.17. Es ist unwahrscheinlich, dass derartige Untaten nicht auch in anderen Orten im Frankenwald stattgefunden haben; in Herzogenaurauch z.B. läuft derzeit eine große Ausstellung unter dem Titel "... plötzlich gestorben".

Horst Mohr Berlin

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