"Ich bin ein Vertriebener aus der Heimat und habe in Neustadt ein bisschen Heimat gefunden", erzählte Erich Katzmarzik munter an seinem 95. Geburtstag am Freitag. Gleich nach dem Krieg kam der Jubilar nach Oberfranken. Dabei ist er kein Heimatvertriebener wie viele seiner Generation. Er wurde am 6. Oktober 1922 in Herten im Ruhrgebiet geboren, wuchs dort mit seiner jüngeren Schwester auf, erlernte den Beruf des Schriftsetzers und Druckers. "Ich druckte damals alles, was im täglichen Leben gebraucht wurde", erinnerte sich Erich Katzmarzik gern.
Dann kam der Krieg, er musste als Soldat nach Russland und in die skandinavischen Länder. In seiner westfälischen Heimat war die englische Zone. Von dort aus flüchtete er aus der Gefangenschaft und kam schließlich in der amerikanischen Zone, in Bamberg an, wo er blieb. Er heiratete Ilse aus Neustadt und baute zwei Häuser. Anfang der 70er Jahre trennten sich die Eheleute. Sein Garten und seine Blumen wurden seine große Liebe. Seine blühenden Kakteen sind noch heute sein besonderer Stolz. In seinem Leben hatte der vitale Senior alles Mögliche gearbeitet: Er war Eisbrecher bei der Geussenbräu, versuchte es als Glasbläser, bevor er dann bis zum Ruhestand über 25 Jahre bei der Firma Siemens eine Arbeit fand.
"Ich mache alles selbst", sagt der vitale Senior, der sein eigener Koch ist und seinen Haushalt im Wildenheider Haus selbst regelt. Doch fühle er sich einsam. Die Einsamkeit schmerze. "Ich wünsche mir nicht viel, aber ich hätte gern eine Partnerin, die mich versteht." Auch mit 95 Jahren möchte Erich Katzmarzik nicht immer allein sein, er möchte sich auch mal unterhalten dürfen.
Umso größer war die Freude über den Besuch von Zweiter Bürgermeisterin Elke Protzmann (CSU), die den Jubilar mit einem Präsent sowie Glückwünschen der Stadt Neustadt überraschte. Das schönste Geschenk für das Geburtstagskind war jedoch die Zeit, die sich die Bürgermeisterin für ihn nahm. mvn