Ermershausen

Erholung im Storchengang

Die neue Kneippanlage in Ermershausen kennt die Wasserprobleme ihres Vorgängers nicht. Das Tretbecken und der Sinnespfad, der das Becken umgibt, haben sich binnen kurzer Zeit zu einem Besuchermagneten entwickelt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Idyllisch gelegen und entspannend: die neue Kneipp-Anlage in Ermershausen. Fotos: Eckehard Kiesewetter
Idyllisch gelegen und entspannend: die neue Kneipp-Anlage in Ermershausen. Fotos: Eckehard Kiesewetter
+4 Bilder

Eckehard Kiesewetter Ermershausen —  "Und hoch das Bein, ganz heraus aus dem Wasser, als wärest Du ein Storch!" Die alte Dame weiß genau, wo-rauf es beim Wassertreten ankommt, und dann zeigt sie ihrem Enkel noch einmal selbst, wie es geht: Bei jedem Schritt das Bein komplett aus dem Wasser heben und die Fußspitze nach unten beugen. "Langsam, Schritt für Schritt", mahnt die Seniorin, als der Bub damit beginnt, immer schneller durchs Becken zu pflügen und nach Herzenslust zu spritzen. Die beiden sind die einzigen Besucher weit und breit an diesem sonnigen Nachmittag. Für eine gute halbe Stunde genießen sie die Entspannung und die gesunde Wirkung des Kneippganges und der schönen neuen Kneippanlage am Ortsrand von Ermershausen.

Die alte Anlage in der Au, die gesundheitsbewusste Ermershäuser über Jahrzehnte aufsuchten, war in den letzten Jahren förmlich ausgetrocknet. "Alle Bemühungen, die Anlage zu erhalten, hatten wenig Erfolg", sagt Bürgermeister Günther Pfeiffer. Umso stolzer ist er heute auf die neue Kneippanlage am westlichen Ortsrand. Sie wurde neben den Angelseen angesiedelt und stellt damit auch von der Lage her einen Gewinn dar. Die Behörden hatten nicht erlaubt, das Wasser für das Tretbecken aus der Ermetz abzuleiten, also wird es jetzt aus den Angelseen entnommen. Somit ist die Kneippanlage wassersicher.

Dem Besucher präsentiert sich eine hübsch angelegte dreieckige Grünfläche mit oval geformtem Natursteinbecken. In Stein gesetzt, schmückt das Gemeindewappen den gepflasterten Zugangsweg. Ein Barfußpfad rings um das Becken lädt zur Sinneserfahrung beim Treten auf Sand, Kies, Schotter oder Tannenzweigen ein und eine hölzerne Liege (eine Spende des Diakonischen Werks) bietet Entspannung. In einigen Jahren werden zwei frisch gepflanzte Bäume wohltuenden Schatten bieten. Die Kastanie ist eine Spende des Ost- und Gartenbauvereins, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert. Für die Pflege des Geländes will der Sportanglerverein Sorge tragen. Er sieht sein benachbartes Vereinsgelände durch die neue Attraktion aufgewertet. Den friedlichen Platz am Ortsrand suchen Einheimische und Gäste von außerhalb gleichermaßen gerne auf, wie sich im ersten Monat seit der offiziellen Eröffnung erwiesen hat.

"Ein echter Gewinn für Ermershausen", findet Bürgermeister Pfeiffer, ,,die Lage ist viel viel besser als in der Au". Die Planer vom Haßfurter Ingenieurbüro Alka haben gute Arbeit geleistet und die emsige Mithilfe der Ermershäuser hat dazu beigetragen, dass die ursprünglich mal angebenen Kosten von 55 000 Euro um mehr als die Hälfte gesenkt werden konnten. Zur Finanzierung hat auch der Naturpark Haßberge beigetragen. Die Kneippanlage gehört jetzt zu den wichtigen Anlaufpunkten der Gemeinde und darf im neuen Ermershausen-Flyer nicht fehlen. "Touristisch haben wir sonst ja nicht so viel zu bieten," sagt Pfeifer

Die Anlage werde sehr gut angenommen, "von Anfang an", freut sich der Bürgermeister. Sie sei leicht erreichbar "und trotzdem sitzt man nicht auf dem Präsentierteller", wenn man etwas für seine Gesundheit tut. Die Turn- und die Seniorengruppe sind Gäste vor Ort und immer wieder tauchen Radfahrer auf, ziehen die Schuhe aus, krempeln die Hosenbeine hoch und genießen die erfrischende Kühle des Wassers. Zweimal die Woche zieht es eine Frau aus Ebern hierher, "Der Gesundheit zuliebe", sagt sie, "ein Wohlfühlort, wie man ihn erst einmal finden muss".

Damit dies Ortsunkundigen noch einfacher fällt, hat die Kommune kürzlich Hinweistafeln angebracht

Kneippen will gelernt sein, das erfährt auch der Bub in Begleitung seiner Oma. Während die alte Dame längst das Wasser von den Beinen gestreift, warme Socken angezogen und mit Fußgymnastik begonnen hat, spurtete er noch minutenlang entlang des Edelstahlgeländers durchs Nass und erfreute sich an den hochspritzenden Wellen. Jetzt klagt er über prickelnde und eiskalte Füße.Wer nicht hören will, ...

Einen regelrechten Kneippkurs starten die Gesundheitsregion Plus und die Volkshochschule Ermershausen zu Beginn des Herbstsemesters. Inge Mauer will den Teilnehmern die gesunde Schreittechnik und das Wissen des Pfarrers Sebastian Kneipp nahebringen.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren