Coburg
Qualifikation

Erfolgsmodell: Bereits die vierte "1+3"-Fachklasse für Flüchtlinge ist gestartet

Mit dem Start der Fachklasse des IHK-Kombimodells "1+3" in der Berufsschule I Coburg beginnt bereits der vierte Durchgang des bundesweit einzigartigen Projekts zur Ausbildung und Integration junger Ge...
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Diesmal haben 18 junge Männer, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind oder Integrationsschwierigkeiten haben, ihre Ausbildung in der Coburger "1+3"-Klasse aufgenommen. Foto: privat
Diesmal haben 18 junge Männer, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind oder Integrationsschwierigkeiten haben, ihre Ausbildung in der Coburger "1+3"-Klasse aufgenommen. Foto: privat

Mit dem Start der Fachklasse des IHK-Kombimodells "1+3" in der Berufsschule I Coburg beginnt bereits der vierte Durchgang des bundesweit einzigartigen Projekts zur Ausbildung und Integration junger Geflüchteter. Die 18 jungen Männer werden in den Berufen Industriemechaniker, Mechatroniker, Maschinen- und Anlagenführer, Verfahrensmechaniker, Werkzeugmechaniker und Zerspanungsmechaniker ausgebildet, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Der betriebliche Teil der Ausbildung findet bei den Firmen Brose Fahrzeugteile, Eurofoam, Kaeser Kompressoren, Lasco Umformtechnik, Martin Metallverarbeitung, Sanitärtechnik Eisenberg und Sauer Polymertechnik statt. Alle Teilnehmer des Kombimodells haben einen Ausbildungsvertrag und erhalten von Anfang an eine Vergütung wie andere Azubis auch.

An der Staatlichen Berufsschule Lichtenfels hat die zweite "1+3"-Fachklasse den Unterricht aufgenommen. Dort erhalten elf "1+3"-Azubis die theoretischen Grundlagen für den Beruf des Fachlageristen.

Aktuell sind im IHK-Bezirk Coburg insgesamt 95 Flüchtlinge in Ausbildung. Die Teilnehmer der ersten Generation des IHK-Kombimodells haben bereits ihre Abschlussprüfungen bestanden und eine Erwerbstätigkeit in Betrieben der Region aufgenommen.

Effektives Ausbildungsmodell

"Unser Ausbildungsmodell ist höchst effektiv für die Integration der Geflüchteten, weil es Spracherwerb, berufliche Ausbildung in Unternehmen und Berufsschule sowie selbstbestimmtes Leben durch eigenes Einkommen so zusammenführt, dass diese Faktoren sich gegenseitig ergänzen und verstärken. Zudem zeigt ,1+3' auch, dass unsere Wirtschaft in hohem Maße gesellschaftliche Verantwortung übernimmt", erläutert IHK-Präsident Friedrich Herdan, auf dessen Idee das Kombimodell zurückgeht.

Er betont aber auch die Notwendigkeit von Rechts- und Planungssicherheit, insbesondere gehe es für die Betriebe um einheitliche und transparente Anwendung der Duldungsregeln bei geflüchteten Auszubildenden.

Aufgrund der positiven Rückmeldungen zu "1+3" von Ausbildungsbetrieben, Berufsschulen und Teilnehmern spricht sich Herdan für die überregionale Umsetzung des Coburger Pilotprojekts aus. Das Interesse sei bundesweit groß, die IHK Oldenburg starte in diesem Jahr mit "1+3" für die Berufe Fachlagerist und Verkäufer, die IHK Niederbayern arbeite an der Umsetzung des Kombimodells in der Gastronomie.

Außerdem steht das Kombimodell mittlerweile nicht nur für Flüchtlinge offen, sondern auch für andere Auszubildende mit Integrationsschwierigkeiten.

Der Erfolg des bundesweit einzigartigen IHK-Kombimodells überzeugte auch Bayerns Innen- und Integrationsminister Joachim Herrmann (CSU). Bei seinen "Sommergesprächen Integration" tauschte er sich mit dem Coburger Ausbildungsakquisiteur für Flüchtlinge, Merouane Qsiyer, über "1+3"aus. Der Staatsminister hob hervor, wie wichtig die erfolgreiche Integration in Arbeit sei: "Einer Arbeit nachzugehen, ist die Grundvoraussetzung für den Aufbau einer eigenen Existenz und für gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft." Herrmann betonte auch die Bedeutung des eingesetzten Ausbildungsakquisiteurs für Flüchtlinge. Mit Merouane Qsiyer setzt die IHK zu Coburg einen Spezialisten ein, der selbst aus Marokko kommt und sich deshalb bei Sprache und kulturellem Hintergrund mit den Flüchtlingen auf Augenhöhe befindet.

Finanzielle Unterstützung

Neben fachlicher Unterstützung gibt es auch finanzielle Hilfe für Ausbildungsbetriebe. Die bayerische Staatsregierung fördert unter anderem die betriebliche Ausbildung von Geflüchteten mit gesichertem Aufenthaltsstatus aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Antragsberechtigt sind Ausbildungsbetriebe aller Größen mit Sitz oder im Handelsregister eingetragener Niederlassung in Bayern.

Gefördert werden die Kosten der vom Betrieb geschuldeten Ausbildungsvergütung. Der Ausbildungsbetrieb kann einen Zuschuss in Höhe von 4400 Euro erhalten für eine Ausbildungszeit von 22 Monaten. red

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