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Kleukheim
schauspiel 

Erfindergeist und eine Leiche

Der Junglandverein Kleukheim begeistert das Publikum mit der Komödie "Für die Familie kann man nichts".
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Mit einem Helm, der Muskelkontraktionen durch Stromschläge erzwingt, macht Hubbi den toten Albert zu seinem Sklaven. Foto: Sophie Röder
Mit einem Helm, der Muskelkontraktionen durch Stromschläge erzwingt, macht Hubbi den toten Albert zu seinem Sklaven. Foto: Sophie Röder
Urwüchsige Typen, deftiger fränkischer Dialekt und herzhafte Passagen aus dem Leben garantierten einen Lacher nach dem anderen: Bei der Premiere der Komödie "Für die Familie kann man nichts" von Hans Schimmel bewiesen die Akteure des Junglandvereins um Regisseurin Christine Töfflinger ihr schauspielerisches Talent. Das vergnügte Publikum im Sportheim des TSV Kelbachgrund Kleukheim applaudierte begeistert. Auch das Bühnenbild mit seinen vielen liebevollen Details erntete Lob.
Die Turbulenzen im Leben der Familie Beierle strapazierten die Lachmuskeln der Zuschauer, herrlich das Lokalkolorit im Stück, für das die Akteure immer wieder Zwischenapplaus erhielten: Friedhelm (Michael Kunzelmann) hat endlich seine Traumfrau gefunden. Da gibt es nur ein Problem - seine eigenartige Sippe. Er haust zusammen mit seinen Brüdern Willi (Andreas Schatz) und Hubbi (köstlich: Christoph Storath) sowie seiner Schwester Hermine (grandios: Carmen Hofmann). Willi, der mit seiner Begabung als Computerhacker die Finanzwelt und Politik durcheinanderbringt, indem er den Staatshaushalt manipuliert und Rentenerhöhungen für die Kleukheimer anweist. Hubbi ist dagegen ein weniger begnadeter Hobbyerfinder, der an Dingen tüftelt, die niemand braucht. Mit seinem Sprachfehler verstrickte er sich immer wieder unausweichlich in Missverständnisse. Nicht einmal seine Schwester Hermine kann das Bild einer heilen Familie aufrecht erhalten.


Die stinkende Schwester

Ganz im Gegenteil. Seit ihrem Indienurlaub scheut sie Waschwasser für ihre Kleidung wie auch für sich selbst wie der Teufel das Weihwasser. "Mei Nosn weiß immer genau, ob sie do is oder ned. Einen Vorteil hat die G'stinkerte obbä: Die Muggn gehn nur noch in ihr Zimmer und fall'n dort sofort tot um!", ruft Hubbi, seinen Riecher in den Flur streckend. Sobald sie den Raum betritt, heißt es in Deckung gehen, Nase zuhalten und Fenster aufreißen. Doch sie betitelt ihr übelriechendes Odeur als betörende Aura und schwebt in übersinnlichen Sphären. Nichts tut sie, ohne vorher ihre Karten, die Kristallkugel oder den Kaffeesatz zu befragen.
Friedhelm kann auch ohne diesen "Hokuspokus" in die Zukunft schauen: "Dir, Hermine, werden die Gliedmaßen abfaulen, bis du letztendlich auf dem Sondermüll landest, Willi landet mal wieder im Knast und Hubbi sprengt entweder das Haus oder stirbt als Beifahrer, während der Autofahrer auf die Antwort wartet, ob rechts frei ist."
Auch die Romantik kommt nicht zu kurz: Der adrette Polizist Gerd (Stefan Schneiderbanger) versucht scheinbar vergeblich, mit der biederen Standesbeamtin Traudl (Kerstin Zenk) anzubandeln. Als Hermine bei Freundin Gundula (Martina Leepa) versucht, das Liebesleben aus der Hand zu lesen, führen sie die Schweinslederhandschuhe auf den Holzweg.
Alles geht schief, das Stück nimmt eine makabre Wendung, anstatt einer spirituellen Antwort in der Seance sitzt plötzlich eine Leiche (Andreas Kunzelmann) im Zimmer, die "Geisterbeschwörer" sind schockiert, und aus heiterem Himmel fällt der leblose Körper wortwörtlich vom Hocker. Das Publikum johlt.


Der "stille Albert" erscheint

Dass Willi, der heimlich einen Job als Leichenwagenfahrer angenommen hat, die Leiche nur zwischenlagert, weiß niemand. Und so beginnt ein groteskes Spiel, dessen Ziel es ist, den Toten wieder zum Leben zu erwecken. Erst tauchen Friedhelm und seine neue Freundin Valerie auf und damit viele Geschichten zu dem "stillen Albert". Ob er, wie Hermine behauptet, ein sehr hartes Schweigegelübde abgelegt hat, und somit dem Himmel näher ist, als alle denken?
Hubbi nutzt die Gunst der Stunde und die Leiche als Versuchskaninchen in seinem Labor. Mit einem Helm, der Muskelkontraktionen durch Stromschläge erzwingt, macht er den toten Albert zu seinem Sklaven. Ob als Wäscheständer oder Bleistiftanspitzer - er lässt seiner Fantasie freien Lauf. Zuletzt verfrachten sie die Leiche ins "Bushäusla", in der Hoffnung, er kaufe sich seinen letzten Fahrschein ins Jenseits und der Busfahrer werde ihn am Ebensfelder Friedhof schon rausschmeißen.
Ob es der "stille Albert" doch noch eine Etage tiefer unter die Erde schafft, welche skurrilen Pärchen zusammenfinden und ob die ordnungsliebende Valerie die Fassade von Friedhelms chaotischem Umfeld einreißt, erfahren die Besucher bei den weiteren amüsanten Vorstellungen mit dem Junglandverein.

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