Bamberg

Er narrte sie alle

Ein 77-jähriger Rentner muss für vier Jahre und zwei Monate ins Gefängnis.
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Vier Jahre und zwei Monate muss ein bald 77-jähriger Rentner aus Bamberg ins Gefängnis, weil er von der Dritten Strafkammer am Landgericht Bamberg des 195-fachen Betruges für schuldig befunden wurde. Dabei hatte er fünf langjährigen Geschäftspartnern aus der Baubranche einen nachweisbaren Schaden von rund 850 000 Euro zugefügt.
"Sie haben mit dem Geld alles gemacht, nur nicht, was Sie den Darlehensgebern versprochen hatten." Vorsitzender Richter Markus Reznik fand deutliche Worte. Seit 2004 soll die Masche mit dem angeblich schwerkranken Sohn, dessen Operation viel Geld verschlinge, und die Ersatz-Masche von einer millionenschweren Erbschaft aus Griechenland, die nur noch ausgelöst werden müsste, funktioniert haben. Neben den bekannten Summen stehen noch einmal etwa 750 000 Euro als Schaden im Hintergrund. Zum einen liegen die Gaunereien so weit zurück, dass sie inzwischen verjährt sind; zum anderen ließen sich die gutgläubigen Bekannten nicht bei jeder Geldübergabe einen Beleg ausstellen.
Dass seine Opfer es dem Angeklagten leicht gemacht hatten, daran erinnerte auch Rechtsanwalt Dieter Widmann (Bamberg). Sie hätten jahrelang gezahlt und gutes dem schlechten Geld hinterhergeworfen. Der Verteidiger vermutete noch ganz andere Beweggründe hinter den Darlehen. Das Wort Geldwäsche fiel aber nur jenseits der Mikrofone.
Die ebenfalls angeklagte 26-fache Urkundenfälschung wurde eingestellt, weil sie das Kraut angesichts der Strafe durch den gewerbsmäßigen Betrug nicht mehr fett machte. Und weil nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden konnte, ob nun Vater oder Sohn die Schreiben gefälscht hatten, die vom Landgericht Bamberg, einer hiesigen Steuerkanzlei oder einem Notar stammen sollten.
Noch offen ist, ob es ein weiteres Strafverfahren geben wird, weil der Angeklagte die angeblichen Krankenhaus-Kosten für seinen Sohn in Höhe von 43 000 Euro als außergewöhnliche Belastungen bei der Einkommensteuer angegeben und dazu eine gefälschte Klinikrechnung mit erfundenen Ärzten vorgelegt hatte.
Zugunsten des Angeklagten wertete das vierköpfige Richterkollegium dessen Geständnis, dass er bislang nicht vorbestraft war, das hohe Alter und den Gesundheitszustand des Rentners und die Tatsache, dass er "keinen einzigen Pfennig" für sich behalten hätte, wie er selbst immer wieder betonte. Auch bereits zurückgezahlte 30 000 Euro wirkten sich strafmildernd aus. Zu seinen Lasten schlug der sehr hohe Schaden zu Buche, und die Tatsache, dass es in den Familienbetrieben seiner Opfer zu ernsthaften persönlichen Verwerfungen gekommen war.


Beweise mehr als eindeutig

In seinem Schlusswort hatte der Angeklagte noch einmal darauf beharrt, dass die Erkrankung seines Sohnes und die Erbschaft aus Griechenland keine Erfindung seien. Er sei erschüttert und geschockt und werde die Haft wahrscheinlich nicht überleben. Es war, als ob es die Ermittlungen, Hausdurchsuchungen und den zweitägigen Strafprozess nicht gegeben hätte. Noch immer gebärdete sich der ehemalige Groß- und Außenhandelskaufmann als Unschuldiger. Dabei waren die Beweise mehr als eindeutig, die in schriftlicher Form und als Zeugenaussagen zur Sprache kamen. Die Geschichte vom todkranken Sohn und der Erbschaft aus Athen verwies Staatsanwältin Kerstin Harpf denn auch ins "Reich der Legenden, die er inzwischen selbst glaubt". Er habe gewusst, wofür das Geld wirklich gedacht war und dass er es nie würde zurückzahlen können.
Demnächst wird sich auch der 49-jährige Sohn des Betrügers vor dem Landgericht zu verantworten haben. Denn er soll seinen Vater dazu angestiftet und von dem Geld profitiert haben. Er finanzierte damit als Arbeitsloser seinen aufwendigen Lebensstil mit Sportwagen, Unterhaltungselektronik und großer Immobilie. Bis dahin dürfte auch das Rechtshilfeersuchen aus den USA beantwortet sein, mit dem Staatsanwältin Harpf Zugriff auf die Cloud-Daten des Sohnes bekommen will. Den entstandenen Schaden müssen Vater und Sohn nun gesamtschuldnerisch wiedergutmachen. Es ist allerdings fraglich, ob bei beiden noch etwas zu holen sein wird. Denn auch der Sohn sitzt inzwischen in Untersuchungshaft, allerdings in der JVA Kronach.
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