Coburg

Er kam, "Sam" und traf...

Wie Daniel Sam sein erstes Saisonspiel für den FC Coburg erlebte. Der Stürmer lässt sich ungern in ein taktisches Konzept pressen. Beim Torwart-Probetraining fiel er durch, aber als "Knipser" machte er sich einen Namen - sogar beim Club.
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Auf dem Platz eine Klasse für sich - beim Feiern ganz vorn: Daniel Sam nach dem Landesliga-Aufstieg mit Coburger Jungs. Der Mittelstürmer der Vestekicker spielte für den 1. FC Nürnberg, die SpVgg Selbitz, den FC Bayern Hof, die SpVgg Bayreuth und den VfL Frohnlach. Die Sektkorken ließ er in den letzten 15 Jahren öfters knallen, denn seine Amateurkarriere ist gespickt mit außergewöhnlichen Höhepunkten. Foto: Hagen Lehmann
Auf dem Platz eine Klasse für sich - beim Feiern ganz vorn: Daniel Sam nach dem Landesliga-Aufstieg mit Coburger Jungs. Der Mittelstürmer der Vestekicker spielte für den 1. FC Nürnberg, die SpVgg Selbitz, den FC Bayern Hof, die SpVgg Bayreuth und den VfL Frohnlach. Die Sektkorken ließ er in den letzten 15 Jahren öfters knallen, denn seine Amateurkarriere ist gespickt mit außergewöhnlichen Höhepunkten. Foto: Hagen Lehmann

Christoph Böger In der Leichtathletik, beim Tennis, Turnen oder Boxen kommt es auf die individuelle Leistung an. Fußball ist dagegen ein Mannschaftssport. Gerne brüsten sich Trainer mit ihrer Spielidee, einem sorgfältig ausgetüftelten Konzept, den Primat der Taktik. Oft steht der Matchplan über der Kreativität des Einzelnen. Es braucht mehr als einen Spieler, um erfolgreich zu sein. Denn einer allein ist nicht in der Lage, alles auf eigene Faust zu regeln. Doch es gibt Ausnahmen: Eine davon heißt Daniel Sam!

Ein eigenwilliger Knipser

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Der 34-Jährige kam, "Sam" und traf. Am Samstagnachmittag war es soweit. Im Bamberger Fuchsparkstadion lag sein Team zur Pause mit 0:2 im Hintertreffen. Eine aussichtslos erscheinende Lage, zumal es gegen den bis dahin stark aufspielenden Landesliga-Spitzenreiter ging.

Allerhöchste Zeit also für den ersten Saisoneinsatz des eigenwilligen "Knipsers", der in den letzten eineinhalb Jahrzehnten die fränkische Fußballszene mit zahlreichen "Kisten" bereicherte. Erst 180 in der A-Klasse Hof, dann für die SpVgg Selbitz, sogar für den 1. FC Nürnberg, den FC Bayern Hof, die SpVgg Bayreuth, den VfL Frohnlach und inzwischen für den FC Coburg.

Spektakuläre Tore und Sprüche

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Er benötigte in Bamberg exakt 20 Minuten für Saisontor Nummer 1 und legte in der Nachspielzeit den Treffer zum 2:2-Endstand nach. "Die Tore selbst waren nichts Besonderes". Die Bedeutung allerdings schon. Zwei einfache "Buden", wie er sagt: Erst schob er einen Querpass von René Knie ins leere Tor und beim 2:2 sei Zufall dabei gewesen. "Mir fiel die Kugel ein zweites Mal für die Füße. Ich habe den Ball dann mit der linken Klebe in die rechte Ecke gedrückt."

Sam war danach - wie so oft in den letzten Jahren - der gefeierte Mann bei den Roten. Für eine Kabinenparty reichte das 2:2 aber noch nicht. Dafür seien die letzten Ergebnisse und der aktuelle Tabellenplatz zu schlecht. "Wir haben aber den Moment genossen", sagt Sam. Er will in den nächsten Wochen die durch das 2:2 aufgekommene Euphorie mitnehmen und die letzten noch fehlenden Prozente aus der Truppe kitzeln. "Ich bin sicher kein Heilsbringer, aber mal schauen, ob es mit mir nicht ein wenig besser läuft". Angespornt haben den Torjäger zahlreiche SMS seiner Kollegen, die ihn in den letzten Wochen immer wieder aufforderten, doch endlich wieder mitzukicken.

Unvergessliche Momente

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Für Aufsehen sorgt der kopfballstarke, fast zwei Meter große Mann aber nicht nur auf dem Feld. Daniel Sam hat in den letzten 15 Jahren im Fußball viel erlebt - "...das reicht wahrscheinlich für vier Fußballer-Leben". Da war zum Beispiel dieser markante Spruch, mit dem er sich einst in Hof unbeliebt machte. Seine Aussage traf Fans und Verantwortliche des Traditionsklubs bis ins Mark. Nach seinem Abschied vom FC Bayern Hof meinte er nämlich zu einem Reporter, dass er gar nicht so viel Waschpulver kaufen könne, um die ganze dreckige Wäsche hier zu waschen! Harter Tobak, aber typisch Sam. Ein Fußballer, der gerne provoziert. Einer, der sagt, was er denkt.

Kuriose Augenblicke gab es in Sams Amateurkarriere reichlich: Ein Tor nach nur neun Sekunden auf dem Coburger Kunstrasenplatz, als er unmittelbar nach dem Anstoß in einen Rückpass des Gegners sprintete und den Ball mit dem ersten Kontakt per Vollspann ins Netz donnerte.

So wie einst Günther Netzer...

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Oder in Erlangen-Bruck: Wie einst Gladbach-Legende Günther Netzer im Pokalfinale gegen den 1. FC Köln, wechselte sich Sam in der Bayernliga beim Stand von 0:2 zur Pause selbst ein und erzielte drei Treffer zum 3:2-Sieg für seine SpVgg Selbitz.

Damit nicht genug: Als er zwischenzeitlich vier Monate pausierte, rief ihn sein Trainer an, ob er nicht beim zu Hause noch ungeschlagenen Spitzenreiter FC Amberg aushelfen könne. Gesagt, getan: Selbitz siegte als akut abstiegsgefährdetes Bayernligateam in Amberg - dank Sam.

Probetraining und Fallrückzieher

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Dann war da auch noch ein Probetraining als Torwart. Als 20-Jähriger fiel er allerdings beim damaligen Landesligisten TSV Mönchröden durchs Sieb. Einige Jahre später "rächte" er sich im "Wildpark" mit einem spektakulären Fallrückzieher, der das Derby zugunsten des FC Coburg entschied.

Als er 180 A-Klassen-Tore später zur Winterpause von Selbitz zu den "Mönchen" wechseln wollte, kam überraschend ein Anruf des 1. FC Nürnberg. Diese Offerte schlug er natürlich nicht aus und schoss die Amateure des Clubs im Entscheidungsspiel gegen den TSV Großbardorf in die Regionalliga. "Das war vielleicht der wichtigste Treffer meiner Karriere". Nur kurze Zeit später wurde er aber auf den Boden der Tatsachen geholt.

Kreuzbandriss statt Profikarriere

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Denn just in dem Moment, als der gebürtige "Ossi" auf dem Sprung in den Profi-Kader des Bundesligisten war, erlitt er einen Kreuzbandriss. Das Ende aller Profiträume. Bayern Hof und SpVgg Bayreuth statt Bayern München oder Borussia Mönchengladbach.

Sam war und ist ein Spieler, der sich ungern in ein taktisches Konzept pressen lässt. Steht er auf dem Platz, dann ist quasi jeder Angriff auf ihn und seine Spielweise zugeschnitten. Umwege Richtung gegnerisches Tor kennt der in Dörfles-Esbach lebende Immobilienmakler nicht. Der Familienvater weiß genau, wo die Kiste steht. Und noch eine Floskel, die auf den Coburger Spieler mit der Nummer 31 passt: Er geht am liebsten dorthin, wo es am meisten wehtut!

Ob es nun berufliche und private Gründe waren, weshalb der Torgarant in dieser Serie erst seit Samstag wieder für die Vestestädter kickt, oder ob es Unstimmigkeiten wegen seines Salärs gab, spielt keine Rolle, denn:

"Hauptsache Sammy is back"

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"Hauptsache Sammy is back!" Mit diesem Satz bringt es ein Mitspieler auf den Punkt und ergänzt siegessicher: "Jetzt wird wieder alles gut bei uns!" Verlassen sollten sich die Vestekicker darauf aber nicht, schließlich ist Sam kein Heilsbringer...



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