Kronach

Er galt als "Vater des Bezirks"

Jakob Degen war der letzte königlich-bayerischer Bezirksamtmann in Kronach. In seiner langen Amtszeit erwarb er sich enorme Verdienste und hohes Ansehen.
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Zwei Straßen erinnern in Kronach (1957) und Wallenfels (1932) an das segensreiche Wirken von Jakob Degen, dem letzten königlich-bayerischen Bezirksamtmann. Vor 160 Jahren, am 20. Mai 1859, erblickte er in Schwegenheim (Rheinland-Pfalz) das Licht der Welt. Gestorben ist er am 7. August 1947 in Kronach. Auch heute noch geben zahlreiche öffentliche Bauten Zeugnis ab von seinem rastlosen Schaffen.

Jakob Degen hat sich um den Bezirk enorme Verdienste erworben. Das geht aus zahlreichen historischen Quellen deutlich hervor. Zur Erinnerung sei erwähnt, dass wenige Jahre nach seiner langen Dienstzeit - am 1. Juni 1931 - die beiden Bezirke Kronach und Teuschnitz zu einer Einheit verschmolzen. Diese deutliche Vergrößerung im Rahmen der sogenannten Staatsvereinfachung gilt als Geburtsstunde des heutigen Landkreises.

Hoffnungsvoll startete Jakob Degen in sein berufliches Leben. Als bester Teilnehmer ging er bayernweit bei der juristischen Assessorenprüfung (damals besser bekannt als Staatskonkurs) hervor. Immerhin eine hervorragende Voraussetzung für eine erfolgreiche berufliche Karriere. Im März 1897 wurde der damals 38-Jährige zum Vorstand des Königlichen Bezirksamts Kronach ernannt. Das war ein durchaus schwieriger beruflicher Start, denn erst am 1. Dezember 1897 verfügte das damals 6700 Einwohner zählende Kronach dank der Initiative von Kommerzienrat Melchior Voitländer gerade mal über dreizehn Telefonanschlüsse. Entsprechend schwierig gestaltete sich - auch in den Folgejahren - für Jakob Degen die Kommunikation mit den kommunalen Entscheidungsträgern. Umso mehr muss seine Erfolgsbilanz für die Menschen im Bezirksamt Kronach gewertet werden.

In dieser wirtschaftlich schwierigen Region, damals noch stark geprägt von Flößerei und Heimarbeit, hatte der junge Beamte ein reiches Betätigungsfeld. Erschwerend hinzu kam eine flächendeckende Armut. Und er hielt bei hohem Arbeitseinsatz - trotz Abwerbeversuchen aus lukrativeren Regionen - dem Bezirk die Treue.

Jakob Degen war gefordert und er nahm die enorme Herausforderung an. In den 28 Jahren seines unermüdlichen Schaffens hat er Zeichen gesetzt und unsere Region geprägt. Erwähnt sei insbesondere der Einsatz beim Bau von Kirchen (Wilhelmsthal und im Gehülzer Gemeindeteil Breitenloh), Pfarrhäusern (Burggrub und Breitenloh) sowie von 34 Schulhäusern. Ein besonderes Anliegen war ihm das Gesundheitswesen. Auf seine Förderung und Initiative hin geht der Bau des Bezirkskrankenhauses in Kronach mit der Inbetriebnahme am 20. November 1903 zurück. Damals verfügte diese Einrichtung über 40 Betten.

Während seiner Amtszeit wurden außerdem 18 Wasserleitungen gebaut. Dazu kam seine Tätigkeit beim Roten Kreuz, in der Tuberkulosefürsorge, im Feuerlösch- und Sanitätswesen. Besonders engagierte er sich für die Landwirtschaft mit allen zugehörigen Teilbereichen. Die Errichtung der Landwirtschaftsschule in Kronach war seinem Drängen zu verdanken.

Jakob Degen war auch Gründer des Gewerbevereins Kronach und Umgebung und wirkte im Handelsgremium mit. Er war ständig bestrebt, Industrie im Bezirk anzusiedeln, um die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zu verbessern. Dazu zählte auch die Infrastruktur. Insbesondere setzte er sich für den Bau der Nebenbahnen Kronach-Nordhalben, Kronach-Neuses-Weißenbrunn, Pressig-Tettau und Stockheim-Burggrub sowie der Kraftpostlinien ein. Der Straßen- und Brückenbau war ihm ebenfalls ein besonderes Anliegen. Hinzu kamen noch Hochwasserdämme in Wallenfels, Neuses und Küps.

Um die Volksseuchen wie die Tuberkulose zu bekämpfen, setzte sich Degen schon vor dem Ersten Weltkrieg für den Bau von guten Wohnungen ein. Die Gründung der Bezirksbaugenossenschaft ist ihm zu verdanken. Besondere Verdienste erwarb er sich während des Ersten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit, in der sein umsichtiges Handeln und seine überlegene Ruhe dazu beitrugen, die Wogen schnell zu glätten. Im Bezirk konnten Ruhe und Ordnung gewahrt werden, schrieb Stadtarchivar Hermann Wich in einem Rückblick.

Mit der Superinflation im Jahre 1923 ergab sich ein enormer wirtschaftlicher und sozialer Rückschlag für die Bevölkerung. Die Vernichtung der Guthaben für den "kleinen Mann" sowie der öffentlichen Hand sorgten für einen ungewollten Baustopp. Jakob Degen war erneut gefragt und erwies sich als ausdauernder und geschickter Krisenmanager.

Seine Arbeit für den Bezirk erstreckte sich oft bis in die Nachtstunden. Wenn alle Amtsräume längst verschlossen waren, brannte in seinem Zimmer noch Licht. Wegen seines vornehmen Wesens allen Bezirksbewohnern gegenüber galt er als der "Vater des Bezirks". Eine durchaus sehr hohe Auszeichnung.

Zum 31. Mai 1925 schied Oberregierungsrat Jakob Degen aus dem Dienste. In einer Feierstunde bedankte sich Bürgermeister Nikolaus Schmidt im Namen der Stadt und des Bezirks und würdigte die großen Verdienste des Bezirksamtmanns. Unter seiner Führung war der Übergang vom König- und Kaiserreich zur Republik in unserer engeren Heimat ohne Blutvergießen möglich gewesen. Jakob Degen starb am 7. August 1947 in Kronach. Anlässlich einer Gedenkfeier für Jakob Degen am "Tag des Baumes" pflanzten am 18. April 1958 Schulkinder drei Gedächtnislinden in Friesen und auf dem Kronacher Kreuzberg.

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