Bamberg
Bamberger Symphoniker

Episoden aus Tausendundeiner Nacht

So konsequent wie am vergangenen Wochenende ist das Saisonmotto der Bamberger Symphoniker noch nicht zu sich gekommen: Ausschließlich "Symphonische Märchen" gab es in drei Konzerten zu hören, und die ...
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So konsequent wie am vergangenen Wochenende ist das Saisonmotto der Bamberger Symphoniker noch nicht zu sich gekommen: Ausschließlich "Symphonische Märchen" gab es in drei Konzerten zu hören, und die waren ebenso ausschließlich der orientalischen Welt von Tausendundeiner Nacht gewidmet.

Exotisches Flair mochte sich zwar in Luigi Cherubinis Ouvertüre zu "Ali Baba" noch nicht einstellen, die von Constantinos Carydis sehr schneidig dirigiert wurde, denn dieser Musik fehlt die entsprechende Harmonik.

Um so nachhaltiger hat Maurice Ravel in seinem Liedzyklus "Schéhérazade" die Atmosphäre der nahöstlichen Märchenwelt heraufbeschworen. Wenn dann noch eine so kongeniale Interpretin wie die Sopranistin Myrtò Papatanasiu die betörende Vokalpartie übernimmt, wähnt man sich definitiv in Tausendundeiner Nacht angekommen. Sonore Tiefe, weicher Tonansatz, berückendes Timbre und ein im Piano sehr schönes Vibrato machten ihren Auftritt, den das Orchester mit impressionistischer Farbenpracht garnierte, zu einem Erlebnis.

Nach der Pause führte Carl Maria von Webers Ouvertüre zu "Abu Hassan" attacca ins Hauptwerk des Abends, nämlich Nikolai Rimsky-Korsakows symphonische Suite "Scheherazade".

Kraftvoller Epilog

Die durch das Werk führenden Violinsoli, quasi die Stimme der Erzählerin, wurden von einem Konzertmeistergast gespielt, dem man eingangs den Mut zu mehr Intensität gewünscht hätte. So furchtsam ist Scheherazade nicht!

Erst im kraftvoller dargebotenen Epilog änderte sich das und erheischte den verdienten Sonderapplaus. Schade, dass der Solist, weil ungenannt, für das Publikum ein Anonymus bleiben musste. Der Dirigent Constantinos Carydis, überwiegend in den Orchestergräben von Opernhäusern zu Hause, neigte zu überscharfen Akzentsetzungen, die auf einem offenen Orchesterpodium die Klangbalance ins Kippen bringen können.

Unfehlbare Akkuratesse

Das zeigte sich schon eingangs bei Cherubini, wo tückische Einsätze ein hyperpräzises Dirigat erfordern, aber auch die Tendenz zu einem Übermaß an Zackigkeit befördern. Bei Rimsky-Korsakow wurden die Holzbläser in den Tuttipassagen vor allem des Kopfsatzes und des Finales klanglich übertrumpft von schmetterndem Blech und ungebremster Perkussion.

Carydis mochte die Kontrastschärfung bisweilen auf die Spitze treiben, demonstrierte jedoch in der Gesamtdarstellung dieser "Scheherazade" eine souveräne Übersicht ebenso wie eine Liebe zu feiner Detailarbeit. Darin folgte ihm das Orchester mit hoher Konzentration und unfehlbarer Akkuratesse.

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