Scheßlitz

Entwarnung am Umspannwerk

Die geplanten Maßnahmen an der Anlage bei Würgau haben nach Angaben der Betreiber nichts mit den Planungen zur umstrittenen Stromtrasse P44 zu tun.
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Das Umspannwerk Würgau wird flächenmäßig nach Süden erweitert. Archivfoto: Ronald Rinklef
Das Umspannwerk Würgau wird flächenmäßig nach Süden erweitert. Archivfoto: Ronald Rinklef

Besonders für das erste Thema der jüngsten Stadtratssitzung in Scheßlitz interessierten sich einige Bürger, die sich als Zuhörer im Sitzungssaal des Rathauses eingefunden hatten. Darin ging es um den geplanten Umbau beziehungsweise die Erweiterung des Umspannwerks Würgau durch die Tennet TSO GmbH. Erster Bürgermeister Roland Kauper (CSU) begrüßte dazu Andreas Schieder, Felix Weigand, Alfred Hinrichs sowie Stefan Seelmann von Tennet.

Für alle Stadträte vergewisserte sich Kauper gleich eingangs bei den anwesenden Vertretern, dass "die geplanten Maßnahmen nicht im Zusammenhang mit den Planungen zur P44" sowie möglichen Varianten der umstrittenen künftigen Stromtrasse zu tun haben. Das wurde von Andreas Schieder, der dann auch in das Thema einleitete, bestätigt.

Überlastung gegensteuern

Schieder machte deutlich, warum die geplanten Maßnahmen überhaupt nötig seien. Energiewende und zunehmender Einsatz regenerativer Energien mit stark wetterabhängigen Anlagen wie zum Beispiel Wind- und Sonnenkraft führten heute schon zu Überlastungen in Teilen des Leitungsnetzes, während zur gleichen Zeit andere Teile des Netzes nicht ausgelastet seien. Es komme zu Stromausfällen in Folge überlasteter Strecken. Die Kosten, die dadurch Jahr für Jahr entstehen, seien enorm und seit Jahren im Steigen begriffen. Sie würden auf die Netzentgelte umgelegt, die letztlich der Verbraucher trage. "Strom in geregelten Bahnen zu transportieren" dürfe also in jedermanns Interesse liegen.

Alfred Hinrichs, zuständig für die geplanten Maßnahmen am Umspannwerk Würgau, stellte den technischen Teil vor. Er wies darauf hin, dass sich im Areal des Umspannwerks auch noch eine Anlage der Bayernwerk AG befindet, die mit den geplanten Arbeiten der Tennet allerdings nichts zu tun habe. Bei den geplanten Maßnahmen gehe es darum, den Strom auf die vorhandenen Strecken anders zu verteilen und über zur gleichen Zeit weniger ausgelastete Strecken umzuleiten. Erreicht werde dadurch eine bessere Auslastung des Bestandnetzes bei gleichzeitiger Entlastung höher belasteter Leitungen. Mit solchen "Redispatch"-Maßnahmen, wie die Fachleute dazu sagen, sei in den kommenden Jahren verstärkt zu rechnen.

Energiefluss regeln

Dafür soll bei dem aktuell geplanten Vorhaben die Anlage der Tennet in Würgau im Wesentlichen um vier Phasenschiebertransformatoren (PST) mit Leistungen von je 400 000 auf 400 000 Volt ergänzt werden. Hinrichs verglich den Phasenschiebertransformator mit einem Wasserhahn: Wird der Hahn weiter aufgedreht, fließt mehr Wasser durch. Wird er mehr zugedreht, fließt entsprechend weniger Wasser. Mit einem Phasenschiebertransformator lässt sich also der Energiefluss regeln.

Aktuell ist auf dem Grundstück ein PST mit einer Leistung von 400 000 auf 100 000 Volt installiert. Da die vier Transformatoren mit Schallschutz-Einhausungen und notwendigen Querverbindungen zum Umlenken der Energieströme zusätzliche Aufstellungsflächen benötigen, ist eine Erweiterung des Grundstückes um 70 bis 80 Meter nach Süden vorgesehen. Das macht auch die Verlegungen des Werkzauns sowie eines Gemeinde-Feldwegs notwendig. Verhandlungen mit der Stadt und privaten Besitzern zur Erwerbung der zusätzlich benötigten Flächen werden separat aufgenommen.

Keine neuen Masten

Bei den geplanten Baumaßnahmen werden keine neuen Masten aufgestellt. Es wird lediglich ein zweiter Stromkreis, der zurzeit über das Gelände verläuft, neu in die Anlage eingebunden. Der Referent machte deutlich, dass diese Maßnahmen von der Tennet nicht nur in Würgau durchgeführt werden sollen, sondern auch in einer gleichartigen Anlage in Schleswig-Holstein sowie von weiteren Netzbetreibern in ganz Deutschland. Insgesamt sollen sechs solche Stationen erstellt werden.

Tennet gab ebenfalls einen Ausblick auf den weiteren Ablauf: Im Januar/Februar nächsten Jahres werden die Genehmigungsverfahren angestoßen und im Herbst 2019 soll mit dem Bau begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist Ende 2022 vorgesehen.

Bürgermeister Kauper begrüßte es, dass "Tennet erst auf den Stadtrat zugekommen ist und dann die Grundstücksverhandlungen stattfinden und nicht umgedreht, wie sonst häufig".

Ein ungutes Gefühl dürfte dennoch bei dem ein oder anderen Stadtrat zurückgeblieben sein, wenn auch die Frage an dem Abend nicht mehr gestellt wurde: Wozu will man gleich vier PST aufstellen, wo bislang doch einer ausgereicht hat? Es bleibt zu hoffen, dass durch die Erweiterung des Umspannwerks nicht doch noch einer der Modifikationen von P44 "Tür und Tor" geöffnet wird, wie seinerzeit in Troja. Denn "was in zehn Jahren kommt, kann keiner von uns sagen", wie Andreas Schieder von Tennet treffend formulierte. Und die politische Entscheidung zu P44 sowie Varianten steht ja noch aus.



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