Coburg

Entscheidung nach der Wahl?

Die Anwohner stehen fest zusammen und lehnen den Ausbau des Weichengereuths auf vier Spuren vehement ab. Das Straßenbauamt prüft einen Verkehrskreisel an der Einmündung des Ahorner Bergs.
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Auch um diesen neuralgischen Punkt geht es: die Einmündung des Ahorner Bergs in die Bundesstraße 4.  Foto: Archiv/Berthold Köhler
Auch um diesen neuralgischen Punkt geht es: die Einmündung des Ahorner Bergs in die Bundesstraße 4. Foto: Archiv/Berthold Köhler
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Die Versammlung hatte noch nicht begonnen, da mussten schon Stühle in den Nebenraum des Restaurants "Mediterran" geschafft werden. Anwohner des Weichengereuths hatten am Mittwochabend ins frühere "Alte Schützenhaus" eingeladen, um nochmals den vierspurigen Ausbau der Straße Weichengereuth abzulehnen. Die Aufforderung, doch zu kommen, war in erster Linie an die Mitglieder des Stadtrates gegangen, denn bislang war für die Sitzung am Donnerstag, 21. November, ein Votum für oder gegen die Pläne angekündigt gewesen. Unterdessen wurde bekannt, dass das Thema nicht auf der Tagesordnung erscheinen wird. Das Staatliche Bauamt Bamberg prüft, ob auch ein Verkehrskreisel an der Einmündung des Ahorner Bergs ins Weichengereuth unterzubringen ist.

Bei der Bürgerversammlung Mitte Oktober im Rathaus-Saal hatte die Stadt einen Kreisverkehrsplatz dem Straßenbauamt ins Aufgabenheft geschrieben. Wann welche Ergebnisse vorliegen, teilte Planer Stefan Arneth auf Anfrage nicht mit. "Wir schauen, ob der Platz ausreicht", so Arneth. Auf die Anzahl der Fahrspuren habe ein Verkehrskreisel keinen Einfluss. "Wir gehen weiter von der Vierstreifigkeit der B 4 aus."

Hinter vorgehaltener Hand wird in Fachkreisen darüber gemutmaßt, dass mit einer Entscheidung über Art und Umfang der Ausbaupläne im Weichengereuth eventuell erst nach der Kommunalwahl am 15. März nächsten Jahres zu rechnen sei. Dann müsste sich der neue Stadtrat damit beschäftigen, was so ungelegen manchen aktuellen Mandatsträgern gar nicht sei. Das Verhalten in der Wahlkabine sprach Anwohner Louay Yassin am Mittwochabend auch an: "Denken Sie daran, dass die Coburger Sie wählen", sagte er an die Adresse der erschienen Stadtratsmitglieder. Wählerstimmen gebe es nicht aus Ahorn.

Die Argumente gegen vier Fahrspuren im Weichengereuth von den Menschen aus der Kleinen Rosenau, aus der Straße am Ginster, der Samuel-Schmidt-Straße und aus dem Weichengereuth selbst haben sich in den vergangenen Wochen nicht geändert. Durch die Ampeln, die das Linksabbiegen ermöglichen sollen, würden Verkehr und Abgase, Lärm und Staub nur vermehrt. Wegen des zäh fließenden Verkehrs und der kurzzeitigen Staus zur Rushhour am Morgen und am Nachmittag müsse die 1,6 Kilometer lange Strecke nicht für 21 Millionen Euro umgebaut werden. Weiterer Kritikpunkt ist der Eingriff in die Grundstücke.

"Vergangenes Jahrhundert"

Für Anwohner Hans-Jürgen Schmöe entsprechen die Ausbaupläne dem Geist der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Mit der Autobahn 73 seien rund 6000 Fahrzeuge weniger am Tag im Weichengereuth unterwegs. Beim Neustadter Stadtteil Haarbrücken würde die B 4 dreispurig ausgebaut, bei vorhergesagten 40 000 Fahrzeugen täglich. Im Weichengereuth seien 26 000 gezählt worden. Im Zeitalter des Klimawandels wurden der motorisierte Individualverkehr und weitere Straßen grundsätzlich infrage gestellt. Vertreter von "Fridays for future", vom Verkehrsclub Deutschland sowie der Klimaschutzbeauftragter und Grünen-Stadtrat Wolfgang Weiß mahnten umzudenken.

In der Kommunalpolitik haben sich kritische Stimmen gegen vier Fahrspuren im Weichengereuth verfestigt. So sagte CSB-Fraktionsvorsitzender Christian Müller, er habe "gelernt und ich kann mit dem Status quo leben". Dafür gab es Beifall. Für Fraktionskollege Gerhard Amend "muss der Mensch im Mittelpunkt stehen". Auch ÖDP-Stadtrat Klaus Klumpers hat in der Vergangenheit eine andere Meinung vertreten. "Heute aber hat die B 4 ihre Fernverkehrswirkung verloren und muss zur Kreisstraße heruntergestuft werden", sagte er jetzt. Das habe er auch im Stadtrat beantragt.

Während Sabine Kastner aus einem Brief des Vizepräsidenten des Steuerzahlerbundes zitierte, wonach der Ausbau als Verschwendung bezeichnet wird, sprach sich CSU-Stadtrat Max Beyersdorf für einen Dialog mit dem Straßenbauamt aus, "um eine gute Lösung zu erreichen".

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