Bamberg

Entführ den Entführer!

Thomas Paulmann dreht, unter anderem in Bamberg, einen Kurzfilm über Kindesmissbrauch und die Schuldfrage.
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Thomas Paulmann (mit Kamera) bei Dreharbeiten  Fotos: p
Thomas Paulmann (mit Kamera) bei Dreharbeiten Fotos: p
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Es ist eines der schlimmsten vorstellbaren Verbrechen: Kindesentführung. Aber Adam war es nicht. Das sieht auch das Gericht so und spricht den Verdächtigen frei. Allein, die Eltern des entführten Mädchens glauben an einen Justizirrtum. Sie entführen den vermeintlichen Entführer. Er soll sie zu Maria bringen.

So geht, grob, der Plot des Films "Hiob", der im Mai unter anderem in Bamberg gedreht werden soll. Dahinter steckt Thomas Paulmann, Drehbuchautor und Regisseur, in Bamberg eher bekannt als Schauspieler des Ensembles Ernst von Leben. Er hat sich ein massives Projekt vorgenommen. Nicht nur, weil das Thema so sensibel ist. Auch weil man dort erst mal hinkommen muss, als unabhängiger Filmemacher ohne großes Produktionsteam im Rücken. Thomas, du hast dir ein ambitioniertes Filmprojekt vorgenommen. Wie ist, Mitte/Ende März, der Stand der Dinge?

Thomas Paulmann: Die Besetzung steht, das heißt sowohl vor als auch hinter der Kamera: Wir haben die Schauspieler bekommen, die wir haben wollten, und wir haben ein Produktionsteam.

Welche Darsteller hast du bekommen und warum sollten es die sein?

Bei Filmprojekten aus Bamberg ist man bisher meistens eher so unter sich geblieben. Es gibt ja viele tolle Leute vor Ort, zu denen die Wege kürzer sind. Auch bei uns wird zum Beispiel Olga Seehafer vom Theater im Gärtnerviertel zu sehen sein. Wir haben aber auch Maik Rogge vom Theater Ingolstadt für den Protagonisten, Adam. Jens Nünemann, den man vielleicht von "Soko Wismar" oder "Der Alte" her kennt, spielt den Vater. Und Gabriele Dossi, die, neben vielen anderen Sachen, in Dietls "Rossini" zu sehen war, die Mutter. Die drei bringen viel Erfahrung ans Set. Aber was viel wichtiger ist: Sie haben Lust auf die Sache.

Ihr setzt euch inhaltlich mit Schuld und Gerichtsbarkeit, aber auch Missbrauch auseinander. Warum?

Das Thema Missbrauch an Kindern ist eines, dass die Menschen bewegt. Jetzt gerade wieder, weil in der Kirche immer neue Fälle aufgedeckt werden. Das steckt viel Unsicherheit und tiefe Ängste drin. Menschen, die tatsächlich pädophil sind oder auch nur verdächtigt werden, sind andererseits heftig stigmatisiert. Diese andere Seite, die Vorverurteilung, möchte ich beleuchten. Und wie schnell das Menschen an den Rand der Gesellschaft drängt.

Warum der Titel Hiob?

Hiob ist der Mann, der von Gott gestraft wurde, dafür, dass er nichts verbrochen hat. Adam verliert im Film durch seine Festnahme die Freundin, wird im Gefängnis misshandelt und landet schließlich als gebrochener Mann auf der Straße, nur um zuerst auch noch das Vertrauen seiner Mutter zu verlieren und von Sofies Eltern entführt zu werden. Er verliert alles. Auf der anderen Seite verliert Jakob, der alles im Leben immer hinbekommen hat, das, was viele als ihren Lebensmittelpunkt bezeichnen: sein Kind. Insofern fand ich den Titel sehr passend.

Wo wollt ihr drehen?

In Bamberg voraussichtlich an der Kunigundenschule in der Gartenstadt. Das ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Außerdem wollen wir in einem Bamberger Stadtbus und eventuell in der JVA Bamberg drehen. Einige Statisten werden Schüler der Graf-Stauffenberg-Realschule sein. Außerhalb von Bamberg wird es Szenen in Nürnberg und Neumarkt geben.

Ihr möchtet einen Großteil der Produktionskosten durch Crowdfunding, also eine Spendensammlung im Internet, einspielen. Warum?

In Deutschland ist es sehr schwer an Fördergelder zu kommen, wenn man nicht an einer Filmhochschule war. Da ich selbst aber im Werbefilmbereich arbeite und seit einigen Jahren bei den Kurzfilmtagen Bamberg die Filme mitsichte, traue ich mir zu, einen Film auf Fernsehniveau auf die Beine zu stellen. Außerdem habe ich noch einen Kameramann der IFS Köln im Team, Leo Decristoforo. Wir hoffen mithilfe der Crowd auf die nötige Summe zu kommen, die es braucht, um den Film zu realisieren. Sprich: 5- bis 6000 Euro.

Was außer dem Geld fehlt euch aktuell noch, damit das Projekt starten kann?

Aktuell fehlt uns im Team nur noch eine gute Maskenbildnerin oder ein guter Maskenbildner. Also falls das hier jemand aus dem Raum Bamberg liest, der sich das zutraut ... (lacht) Das Gespräch führte Andreas Thamm.

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