Herzogenaurach

Ende der fröhlichen Erntezeit

Haschisch, Cannabis, Amphetamine, Ecstasy und ein wenig mehr hatte die Polizei in einer Wohnung bei einem Herzogenauracher und einer Erlangerin gefunden. Nun standen die beiden vor Gericht.
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Das sei alles für den Eigenbedarf gedacht gewesen, beteuerten zwei Angeklagte vor dem Erlanger Amtsgericht. Allerdings kauften ihnen Richter und Staatsanwalt das angesichts der großen produzierten Menge Marihuana nicht ab. Symbolfoto: Archiv
Das sei alles für den Eigenbedarf gedacht gewesen, beteuerten zwei Angeklagte vor dem Erlanger Amtsgericht. Allerdings kauften ihnen Richter und Staatsanwalt das angesichts der großen produzierten Menge Marihuana nicht ab. Symbolfoto: Archiv

Michael Busch Ganz so lustig, wie einer der Anwälte versuchte in die Schöffengerichtsverhandlung am Erlanger Amtsgericht zu starten, wurde es dann im Laufe der Verhandlung doch nicht. Hatte der zum Start und der Bemerkung des vorsitzenden Richters Wolfgang Gallasch auf die Bemerkung "Ich habe hier erst einen wegen zehn Kilogramm Marihuana ins Gefängnis geschickt!" entgegnet: "Der hatte wohl einen schlechten Verteidiger!"

Denn bereits bei der Anklage, verlesen durch Oberstaatsanwalt Peter Adelhardt, wurde klar, dass es auch bei dieser Verhandlung nicht um eine Kleinigkeit geht. Bei einer Hausdurchsuchung wurde in dem Anwesen in Neuses bei dem Herzogenauracher und der Erlanger Angeklagten eine durchaus beträchtliche Menge an Drogen sichergestellt. In der langen Liste fanden sich unter anderem 46 Cannabispflanzen, Marihuana, Haschisch in Bröckchenform und in einem Öldestillat, Amphetamine sowie Ecstasy. Adelhardt führte aus: "Das ist unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge." Das Gesetz sieht dabei Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahren vor.

Dass es nicht dazu kam, lag vor allem an den Einlassungen der beiden auf der Anklagebank Sitzenden. Beide gaben zu, dass die Anklage in allen Punkten stimmt. Der Herzogenauracher erklärte weiter, dass er in Haft genommen worden sei und dies ihn schwer beeindruckt habe. "Er hat diese Plantage aufgebaut, um eben keinen Kontakt mit Drogendealern und der bestehenden Szene zu haben", führte dessen Anwalt in Vertretung für den Mann aus. Die ganzen Drogen seien zum Eigengebrauch genutzt worden, nicht zum Verkauf.

Der 35 Jahre alte Angeklagte sagte, dass er erfolgreich an einem Abstinenzprogramm teilnehme. Bei der Drogenberatung in Erlangen habe er vier Termine wahrgenommen, die Gutachten, dass er die Abstinenz ein- und durchhält, legte er dem Gericht vor.

"Ich konzentriere mich auf meine Arbeit und will das wieder gut machen." Er erklärte, dass er abstinent wesentlich konzentrierter arbeiten könne und auch generell besser drauf sei.

Die Mitangeklagte hat nach eigener Beschreibung diesen langen Weg noch vor sich. Sie sei haschischsüchtig und alkoholkrank, gab sie vor Gericht zu. Es gebe bereits Gespräche mit der Drogenberatung, aber sie habe Schwierigkeiten, wieder einen Job zu finden. "Ich bin gelernte Sozialpädagogin", sagte die 42-Jährige. "Da finde ich mit dieser Vorstrafe keine Stelle." Allerdings sei für September eine stationäre Behandlung geplant, es fehle noch die Kostenzusage der Kasse.

Richter Gallasch fuhr die Frau trotz der Vorsätze dennoch an: "Sie haben mich schon sauer gemacht." Der Grund dafür war ein zweiter begangener Diebstahl, der ausgerechnet zwei Wochen nach der Haftentlassung wegen eines anderen Diebstahls erfolgte. Es fiel dem Gericht damit nicht leicht, die Beteuerungen ernst zu nehmen, dass sie nie wieder ins Gefängnis wolle und sich daher bessern werde.

Ebenfalls eine Hürde sei die Menge der Drogen. "Allein das Öl hat einen THC-Gehalt der deutlich höher liegt als 7,5 Gramm." Bis zu diesem Wert spricht der Gesetzgeber von einer geringen Menge, in dem Öl befand sich bereits eine 20-fache Überschreitung.

Mildes Urteil?

Und doch endete das Urteil nicht in der Form wie bei dem anfangs angesprochenen Marihuanafall. Beide erhielten nach Beratung des Schöffengerichtes eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monate, drei Monate weniger als die Forderung des Staatsanwaltes.

Allerdings folgte das Gericht Adelhardt bei der Forderung, diese Strafe zur Bewährung auszusetzen. Drei Jahre dauert die Bewährungszeit - mit strengen Auflagen . Der Herzogenauracher muss 500 Euro an die Organisation Mudra zahlen und weiter abstinent bleiben. Die Prognose sei angesichts dieses Willens, der familiären Einbindung, eines guten Jobs, fehlender Eintragungen im Bundeszentralregister und der Lebensumstellung positiv zu bewerten.

Die Erlangerin erhielt als Auflage 100 Arbeitsstunden und die Ansage, dass sie die Therapie anzutreten und zu beenden habe. Wenn gegen die Auflagen verstoßen werde, gehe es direkt ins Gefängnis. Wolfgang Gallasch betonte: "Wir sind hier bei der Bewährung großzügig, aber kleinlich, wenn diese nicht eingehalten wird." Und das war nicht annähernd als Scherz zu missdeuten.

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