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Bamberg

Emma feiert ein Comeback

Die Wahl des Babynamens fällt oft nicht leicht. Welcher beim Bamberger Nachwuchs 2019 das Rennen machte – und warum in manchen Fällen ein Stück Literaturgeschichte mitschwingt.
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Foto: Aleksandra/adobestock.com
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"Frieden in Gott allein durch Jesus Christus." Ein Ausspruch Martin Luthers? Ein kirchliches Lied? Der abschließende Satz des Pfarrers, bevor er von der Kanzel steigt? Nein: Der Vorname, den sich vor einigen Jahren ein Elternpaar für ihr Baby ausgesucht hatte. Der zuständige Standesbeamte lehnte ihn ab – das Gericht gab ihm Recht. Es handle sich um einen Satz, das sei nicht zulässig.

Bei den Namen der Bamberger Babys, die 2019 zur Welt kamen, habe es nach Informationen des Standesamtes Bamberg keine Komplikationen gegeben. Auch fielen sie wesentlich kürzer aus: "Ben" (Kurzform von Benjamin) und "Emma" waren die Beliebtesten unter ihnen. Der Mädchenname war bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts populär gewesen – zwischenzeitlich geriet er beinahe in Vergessenheit. Jetzt scheint er sein großes Comeback zu feiern. Damit ist er in guter Gesellschaft: "Die Älteren sind wieder leicht im Kommen – Theo, Paul und Otto werden wieder beliebter. Allerdings hat es 2019 nur Paul in die Top 10 geschafft", teilt ein Sprecher des Standesamtes Bamberg mit. Neben den traditionellen habe es vergangenes Jahr auch einige biblische und viele trendig-moderne Vornamen gegeben.

So mancher wirkt jedoch moderner als er ist. So findet man beispielsweise beim Eintrag "Jessica" im Lexikon der Vornamen (Duden) einen Verweis auf das Shakespeare-Drama "Der Kaufmann von Venedig". Auch "Vanessa" hat eine ungewöhnliche Geschichte. Er geht, nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), auf den irischen Schriftsteller Jonathan Swift zurück. Der verband den Vor- und Nachnamen seiner Verlobten Esther Vanhomrigh für ein Gedicht zu "Vanesther" – hieraus ging die gegenwärtige Form hervor.

Nichts zu beanstanden

Im Falle von "Legolas" ist die Herkunft klarer: Tolkiens Romanreihe "Der Herr der Ringe" stand hier Pate. Die GfdS sieht darin keine "grundsätzlichen Schwierigkeiten". Ob ein Name tatsächlich bewilligt wird, hängt – nach Angaben des Bamberger Standesamtes – davon ab, ob eine Kindeswohlschädigung vorliegt oder nicht. So würden beispielsweise "Satan" oder "Judas" nicht genehmigt. In Bamberg habe es jedoch in den vergangenen Jahren keinen vergleichbaren Fall gegeben.

Manchmal gibt es jedoch auch geschichtliche Schwierigkeiten: "Adolf" sei vor dem Dritten Reich ein gewöhnlicher und beliebter Vorname gewesen. Mittlerweile sei er zwar historisch belastet – ein Ablehnungsgrund per se sei das aber nicht.

Änderung nur in Sonderfällen

"Wir sprechen dann mit den Leuten über die bestehende Problematik und raten ihnen davon ab", sagt ein Sprecher des Bamberger Standesamtes.

Sollte sich der eigene Vorname als Belastung entpuppen, sei eine Änderung möglich – jedenfalls theoretisch. Es müsse jedoch ein triftiger Grund vorliegen: Er müsse nachweislich eine psychische Belastung für den Träger mit sich bringen. Ein psychologisches Gutachten sei hier nötig – dass er dem persönlichen Geschmack nicht entspricht, reiche nicht. Bleibt zu hoffen, dass die Bens und Emmas als Erwachsene keine driftigen Gründe haben und ihre Vornamen behalten wollen.