Kulmbach

Eltern sollen Grenzen setzen

Experten referierten vor dem Suchtarbeitskreis über übermäßigen Medienkonsum.
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Wenn Kinder ihr Smartphone nicht mehr aus der Hand legen, sollten die Eltern eingreifen, meinten die Experten beim Suchtarbeitskreis Kulmbach.  Foto: Jean Kobben/adobe.com
Wenn Kinder ihr Smartphone nicht mehr aus der Hand legen, sollten die Eltern eingreifen, meinten die Experten beim Suchtarbeitskreis Kulmbach. Foto: Jean Kobben/adobe.com

"Medienpädagogik - Medienkonsum - Medienabhängigkeit", mit diesem umfassenden Thema sah sich der Suchtarbeitskreis Kulmbach im Landratsamt konfrontiert. Dazu hatte die Geschäftsführerin des Suchtarbeitskreises, Camelia Fiedler, mit Stefan Ranninger, Dozent am Staatsinstitut für die Ausbildung von Förderlehrern in Bayreuth, und Katrin Gnamm, Sozialarbeiterin bei der Suchtberatung des Diakonischen Werkes der Stadtmission Bayreuth, zwei profunde Referenten eingeladen, die deutlich machten, dass sich nicht nur die Medienlandschaft ständig ändert, sondern auch deren Reize und Impulse.

Fakt ist, dass die sogenannte Digitalisierung die Gesellschaft in den letzten Jahren verändert hat. Besonders für Jugendliche ist das Internet, meist über das Smartphone, ein ständiger Begleiter des Alltags geworden. Und besonders gerne nutzen die Heranwachsenden soziale Netzwerke sowie Online-Spiele. Die ständige Zugriffsmöglichkeit über das Smartphone kann zu problematischen, suchtähnlichen Entwicklungen führen - weshalb Eltern Tipps bekommen sollten, wie sie mit ihren Kindern über das richtige Maß der Computer- und Mediennutzung sprechen können.

Ranninger und Gnamm machten deutlich, dass eine Aufklärung und Sensibilisierung dringend notwendig ist, denn im Internet begegnen Jugendliche Problembereichen, auf die sie vorbereitet werden sollten. Diese gehen über Abzocke, Verletzung der Privatsphäre bis hin zu Mobbing, Identitätsdiebstahl oder anderen kriminellen Machenschaften.

Ranninger berichtete am Beispiel der Werbung, wie Medien wirken: "Ein hoher Anteil der Werbung im Kinderprogramm bewirbt ungeeignete Nahrungsmittel und kleine Kinder können noch nicht zwischen Programm und Werbung unterscheiden." Die manipulative Absicht der Werbung erkennen die Kinder demnach erst deutlich später, weshalb in anderen Ländern ein Werbeverbot für Nahrungsmittel gelte.

Medien wirken demnach auch auf die Gewaltbereitschaft. So sähen fast alle Studien einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Mediengewalt und gesteigerter Aggressivität. Das Fernsehen sei dabei mehr der Verstärker und weniger die Ursache. Zahlreiche Studien belegten zudem, dass auch die Gesundheit leide. So bedinge ein hoher Fernsehkonsum häufig Lernprobleme und eine schlechtere Schulleistung. Rannniger: "Mit wachsender Dauer des Medienkonsums sinken die sozialen Kompetenzen, aber auch die Schulleistungen, weil die Bewegung, die Zeit und die Emotionen fehlen."

Gnamm räumte ein, dass es keine Patentrezepte gebe: "Was ist zu viel, was ist noch gut? So einen Plan, den wir ihnen mitgeben könnten, haben wir leider nicht." Die Sozialarbeiterin machte deutlich, dass für Medien dasselbe wie für andere Suchtstoffe gelte: "Es kommt am Anfang immer der kontrollierte Genuss und dann der erhöhte, beziehungsweise gefährdende Konsum und zuletzt der Missbrauchsbereich. Und die Abhängigkeit charakterisiert sich durch den Kontrollverlust."

Für wichtig hielt die Dipl.-Sozialarbeiterin allerdings: "Kinder und Jugendliche können keinen kontrollierten Medienkonsum durchführen, das schaffen die einfach nicht. Und da sind wir als Erwachsene gefragt, Grenzen zu setzen. Das ist ganz einfach und doch so schwer."

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