Kronach
Vortrag

Elshaday Haile, Flüchtling aus Eritrea: "Unsere Nationalität ist Mensch!"

Elshaday Haile erzählt im Kronacher Kaspar-Zeuß-Gymnasium von ihrer Flucht aus Eritrea und den damit verbundenen Gräueltaten. "Dass diese Frau überhaupt noch darüber reden kann", erstaunte nicht nur S...
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Elshaday Haile hinterließ mit ihren Schilderungen tiefen Eindruck bei den Schülern des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums. Foto: Maria Löffler
Elshaday Haile hinterließ mit ihren Schilderungen tiefen Eindruck bei den Schülern des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums. Foto: Maria Löffler

Elshaday Haile erzählt im Kronacher Kaspar-Zeuß-Gymnasium von ihrer Flucht aus Eritrea und den damit verbundenen Gräueltaten. "Dass diese Frau überhaupt noch darüber reden kann", erstaunte nicht nur Schülerinnen und Schüler. "Refugees welcome!? (Flüchtlinge willkommen!?)", so der Titel, der über einer Geschichte aus Folter, Leid und Grausamkeit steht.

"Es ist krass, dass sie in Deutschland von der ,freien Rede' so begeistert ist. Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit. Wir sehen Flüchtlinge jetzt aus einem anderen Blickwinkel. Sie sind nicht nur Zahlen, die man in den Nachrichten hört, sondern sie sind für uns jetzt Menschen, die leben, atmen, weinen und lachen." Diese Erkenntnis trafen die Schüler aus der 11. Klasse nach dem Vortrag im Rahmen ihres Sozialkundeunterrichts. Lehrkraft Verena Zeuß: "Es bringt doch nichts, wenn ich diesen jungen Menschen etwas von einem Schlauchboot erzähle, das übers Mittelmeer schippert. Sie müssen das von jemandem hören, der es wirklich erlebt hat." Und so kam auch Buchautorin Birgit Mair von der Georg-von-Vollmar-Akademie ins Spiel, die eingangs erst einmal einen Überblick über Flüchtlingswellen und Asylpolitik verschaffte.

"Es hat 1993 schon einmal eine große Flüchtlingswelle gegeben, denn da tobte der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. 2016 dann gab es über 700 000 Asylanträge, doch die Zahlen sind stark rückläufig." Und dann räumte sie auch gleich ein hartnäckiges Vorurteil aus der Welt: "Die meisten Syrer haben Syrien verlassen, das stimmt, aber die wenigsten davon leben in Deutschland. Wir haben vor allem auch Flüchtlinge aus dem Irak, Nigeria, Afghanistan, der Türkei und aus der russischen Föderation."

Dann erzählt sie in nüchternem Ton von 3500 Anschlägen auf Flüchtlingsheime bis zum Jahr 2016. "Dabei wurden 560 Menschen verletzt, darunter 43 Kinder." Rassistischen Bewegungen wie selbst ernannte Nationalsozialisten, Pegida oder AfD stünden acht Millionen Menschen gegenüber, die sich in den letzten Jahren für Flüchtlinge eingesetzt haben. Flüchtlinge, wie Elshaday Haile, die ihre bewegende Geschichte erzählt.

Elshaday Haile ist in Äthiopien aufgewachsen. Als Teenager wurde sie mit einem Teil ihrer Familie in das Nachbarland Eritrea abgeschoben. Sie zog ein Jahr später nach Saudi-Arabien, wo sie vier Jahre als Lehrerin arbeitete. Als sie zurück nach Eritrea kam, wurde sie zwangsrekrutiert für den Militärdienst. Sie hatte damals zwar schon einen kleinen Sohn, aber dessen Vater war Äthopier und um ihn nicht zu verlieren, gab Elshadays Mutter ihren Enkel als ihren eigenen Sohn an. So wurde er nicht zu seinem Vater abgeschoben und durfte bei ihr und ihrer Tochter bleiben.

Als Elshaday sich weigerte, auf unabsehbare Zeit dem Militär zu dienen, steckte man sie ins Gefängnis. Hier warteten Folter, Vergewaltigung und Todesangst. So war sie gezwungen, mit Hilfe ihrer Mutter das Personal zu bestechen, so dass sie entkommen konnte. Allerdings musste sie auch sofort ins Ausland fliehen, was sie letztendlich nach Deutschland brachte.

Sie spricht von Foltermethoden mit harmlosen Namen, aber todbringender Wirkung. Sie spricht auch davon, nur einmal täglich ihre Notdurft verrichten zu dürfen. Sie erzählt von ständiger Vergewaltigung und ein Leben in Angst vor einer Diktatur, die einem Menschen keinen Wert zugesteht. "Wenn jemand umfällt, hebt ihn keiner auf. Jeder muss sehen, wo er bleibt. Und wenn du kein Geld für die Schlepper hast, dann musst du eben eine Niere hergeben, ohne Betäubung und unter großen Schmerzen. Der Lohn dafür ist der Tod." Und sie spricht noch davon, dass ihr Sohn als Siebzehnjähriger in Deutschland brutal überfallen und misshandelt worden sei. "Man hat ihm den gesamten Kiefer zertrümmert," erzählt sie, immer noch merklich geschockt. Und Birgit Mair ergänzt: "Dieser Junge lebt seit seinem sechsten Lebensjahr in Deutschland. Er kennt doch nichts anderes. Es ist seine Heimat." Elshaday Haile fügt hinzu: "Unsere Nationalität ist Mensch!"

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