Ebern

Elf Kreuzchen dort, nur eines hier

Bei FTE/Valeo in Ebern und Fischbach wird gewählt, doch die Verfahren trennen beide Werke.
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Gerade mal ein Kreuzchen dürfen die Bediensteten bei FTE in Ebern heute auf ihrem Wahlzettel machen, obwohl es 17 Personen und deren Ersatzleute zu wählen gilt.  Foto: Armin Weigel/dpa
Gerade mal ein Kreuzchen dürfen die Bediensteten bei FTE in Ebern heute auf ihrem Wahlzettel machen, obwohl es 17 Personen und deren Ersatzleute zu wählen gilt. Foto: Armin Weigel/dpa
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Eckehard Kiesewetter

Ebern —  "Das ist doch viel gerechter", sagt Hans-Jürgen Marschollek, der die Persönlichkeitswahl bei seinem Arbeitgeber in Fischbach schätzt: "Jeder kann das Mitglied auswählen, das er gerne im Betriebsrat hätte." Marschollek ist seit sieben Jahren Vorsitzender der Mitarbeitervertretung bei der FTE automotive systems GmbH Ebern/Fischbach. So heißt, auch nach dem Verkauf des größten Arbeitgebers in der Region an die Valeo-Gruppe, die aktuell gültige Rechtsform. Und die ist entscheidend für die Wahl. Die Mitarbeitervertretungen werden in der Zeit von 1. März bis 31. Mai bundesweit in allen Betrieben gewählt.
Im Werk Fischbach, tritt zu der Abstimmung, die am Dienstag, 20. März über die Bühne geht, eine Liste an, die 30 Kandidaten präsentiert. Rund 450 Beschäftigte sind aufgefordert, daraus ihren neuen, elfköpfigen Betriebsrat zu wählen. Für die Persönlichkeitswahl habe sich das amtierende Gremium zum Abschluss seiner vierjährigen Amtszeit stark gemacht, berichtet Marschollek. Erfolgreich.


Heute ist Wahltag

Ganz anders dagegen im Schwesterwerk FTE automotive GmbH Ebern, wo am heutigen Mittwoch gut 1600 Mitarbeiter von ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch machen können. Dort müssen die Mitarbeiter unter gleich drei Wahlvorschlägen wählen, Listen der IG Metall und der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM), wie üblich, und zudem einer Liste namens "EV-Bereich aktiv". Sie hat sich aus der Abteilung Entwicklung und Versuch gebildet.
"Drei Listen, das gab es bei uns noch nie", sagt Winfried Golonka, der bereits zum dritten Mal den Wahlleiter "spielen darf", wie er es nennt. Als Schwerbehindertenvertreter im Werk genieße er offenbar Vertrauen und man messe ihm eine "gewisse Neutralität" bei. So jedenfalls erklärt er sich selbst die wiederkehrende Ehre. Nun komme ihm die Erfahrung der früheren Wahlen zugute.


Nicht durchgesetzt

Die Situation mit den drei Listen erinnert ihn an die Aufsichtsratswahl vor vier Jahren, als gegen die beiden etablierten Metall-Gruppierungen ebenfalls eine dritte Liste antrat. Damals hatten sich die Angestellten zusammengetan, doch diese Initiative sei dann wieder sang- und klanglos untergegangen.
Im aktuellen FTE-Betriebsrat sind die IG Metall mit 13 Personen, die Christlichen Metaller mit vier Mandaten vertreten. Bei der heutigen Wahl aber könnte das anders aussehen, wagt Golonka eine Prognose, denn die EV-Liste habe 70 bis 80 Personen hinter sich. 50 Unterzeichner müsse jede Liste mindestens finden, um überhaupt antreten zu dürfen, erläutert er Wahlleiter, doch das sei "kein Problem."
Das Gegeneinander der Wahlvorschläge bedauern die Betriebsratsvorsitzende Sonja Meister und Vertrauenskörperleiter Thomas Werner, die beiden Listenführer der IG Metall, sehr. Werner berichtet von "vergebener Mühe der IG Metall-Betriebsräte", eine gemeinsame Liste und somit eine Persönlichkeitswahl zu erreichen.
Auch Winfried Golonka sieht das so. Eine Liste wäre besser gewesen, doch das sei seine persönliche Ansicht. Bei einer Persönlichkeitswahl hätte jeder Wähler 17 Stimmen gehabt, pro zu wählendes Betriebsratsmitglied eine. Nun aber steht jedem Beschäftigten nur eine Stimme zur Verfügung. Er muss sich für einen der drei Wahlvorschläge entscheiden. "Dann wird nach d'Hondt ausgezählt", erklärt Golonka zum Verfahren beim Ermitteln der Sitzverteilung.
Laut Herbert Hartinger, Pressesprecher beim DGB in Bayern, sind Listenwahlen mit mehr als zwei Wahlvorschlägen in größeren Betrieben durchaus üblich. Bei der Betriebsratswahl 2014, zeigt der DGB-Sprecher anhand einer Statistik auf, habe mehr als ein Drittel der Betriebe mit über 1000 Mitarbeitern Listenwahlen durchgeführt. Mit der Zahl der Beschäftigten und Abteilungen steige die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere Wahlvorschläge zusammenkommen.
Bei kleinen Betrieben indes, wie sie in der Region Haßberge die große Masse darstellen, ist in der Regel die Persönlichkeitswahl das probate Mittel. Im vereinfachten Wahlverfahren (bis 50 Mitarbeiter grundsätzlich; bis 100 Mitarbeiter bei besonderer Vereinbarung) ist sie sogar vorgeschrieben.


Drei Wahllokale

Wahllokale sind heute bei FTE in Ebern in allen drei großen Werksgebäuden aufgebaut. Für den Wahlleiter und seine 15 bis 16 Wahlhelfer ein "harter Tag". Los ging's bereits um 4.45 Uhr, um auch die dritte Schicht noch an die Wahlurnen zu bekommen. Geschlossen werden die Wahllokale um 18 Uhr. Nebenher läuft eine Briefwahl für Beschäftigte, die aus triftigen Gründen nicht im Werk anwesend sein können.
Die Arbeit als Betriebsrat sei vielseitig und verantwortungsvoll, erläutert die stellvertretende BR-Vorsitzende bei FTE, Karin Wirsing: "Personelle Maßnahmen wie Versetzungen, Umgruppierungen und Einstellungen liegen in der Mitbestimmung des Betriebsrates. Genauso wie Arbeits- und Pausenzeiten, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit, um nur einen kleinen Aufriss zu machen."
Nachweislich seien die Arbeitsbedingungen in Betrieben mit einem starken Betriebsrat wesentlich besser als in Betrieben ohne Betriebsrat. "Die Betriebsratswahlen in ganz Deutschland", urteilt Vertrauenskörperleiter Thomas Werner, " gehören somit zu den wichtigsten Wahlen überhaupt".
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