Bamberg
Interview

Einst Weltkrieg, heute Internethandel: Wie ein Juwelier trotzdem glänzen kann

In der vierten Generation führt Frank Geppert das Juwelier- und Goldschmiede-geschäft Triebel in Bamberg. Das Traditionsunternehmen feiert aktuell einen stolzen runden Geburtstag: Vor 100 Jahren haben...
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Die Menschen hinter dem Traditionsunternehmen Juwelier Triebel: (v.l.) Frank, Friederike, Dietmar und Lukas Geppert  Foto: Ronald Rinklef
Die Menschen hinter dem Traditionsunternehmen Juwelier Triebel: (v.l.) Frank, Friederike, Dietmar und Lukas Geppert Foto: Ronald Rinklef

In der vierten Generation führt Frank Geppert das Juwelier- und Goldschmiede-geschäft Triebel in Bamberg. Das Traditionsunternehmen feiert aktuell einen stolzen runden Geburtstag: Vor 100 Jahren haben Gepperts Urgroßeltern Betty und Valentin Wagner noch in der Bamberger Egelseestraße das damalige Uhren-, Gold- und Silberfachgeschäft eröffnet. Bereits im selben Jahr zog das Geschäft in das historische Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert an der Unteren Brücke 2 um, wo es bis heute beheimatet ist. Nachfolgend ein Interview mit Frank Geppert, seines Zeichens Bundes- und Landessieger als Silber- und Goldschmied, der von seinen Eltern Friederike (geborene Triebel) und Dietmar Geppert beim Leiten des Ladens unterstützt wird.

100 Jahre Goldschmiedehandwerk. Würden Sie sagen, Ihre Vorgänger hatten es leichter als Sie oder doch umgekehrt? Und warum?

Frank Geppert: "Handwerk hat goldenen Boden!" Dieses Sprichwort gilt für die Goldschmiede im doppelten Sinn. Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Ob meine Urgroßeltern während des Weltkriegs oder wir heute zu Zeiten des Internethandels. Es kommt immer darauf an, wie attraktiv bzw. kreativ sich der stationäre Fachhandel präsentiert. Heute setzen wir auf persönliche, individuelle Beratung, die das Internet nicht bieten kann, um Kunden an uns zu binden.

Was ist das Erfolgsrezept: Wie ist es dem Juweliergeschäft Triebel gelungen, so lange zu bestehen?

Die Tradition eines Goldschmieds ist die wundervolle Aufgabe, Schönes zu schaffen, Werte zu bewahren und vor allem Freude zu vermitteln. Wir leben in dieser langen Firmen- und Familientradition gemäß dem Motto: Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern die Weitergabe der Glut. Damit es einer Firma gelingt, so lange zu bestehen, sind die gleichen Werte gefragt, die auch in einer guten Beziehung zwischen zwei Menschen notwendig sind: Liebe und Vertrauen - Liebe zum Beruf und Vertrauen ins eigene Können. Außerdem Zusammenhalt und Mut. Dazu gehören auch ein gut geschultes und motiviertes Team und eine gehörige Portion Unternehmergeist. Natürlich sind auch Glaube, Ausdauer, Demut und der Wille wichtig, Konflikte gemeinsam zu lösen. Ich hoffe, eines meiner vier Kinder wird den Betrieb in dem Sinne nach mir weiter fortführen.

War immer klar, dass Sie die Familientradition fortsetzen würden, oder gab es auch einmal den Wunsch, auszubrechen und etwas anderes zu wagen?

Die Frage habe ich mir nie gestellt. Schon als kleines Kind habe ich bei meinem Vater in der Werkstatt gearbeitet. Für mich war es eher eine Berufung als die Wahl eines Berufs.

Wie würden Sie den typischen Triebel-Stil der eigenen Stücke im Verkauf beschreiben?

Die Anfertigungen aus unserem eigenen Atelier haben nicht die typischen Merkmale wie die eines bestimmten Künstlers, die man sofort an einer bestimmten Formensprache erkennt. Unser Schmuck orientiert sich an den Wünschen der Kunden. In den eigenen Kollektionen kommen immer wieder neue Schmuckstücke mit Bezug zu unserer Heimatstadt Bamberg vor: So haben wir durch den Verkauf der Himmelsgartenringe schon über 17 000 Euro an die Stiftung Weltkulturerbe zur Renovierung der Kirche St. Michael gespendet. Ganz neu haben wir die Fürstenportalringe des Bamberger Doms in Rosegold vorgestellt oder kleine Bamberger Seidla in Silber mit den Original-Logos der Bamberger Traditionsbrauereien.

Vor welchen Herausforderungen steht ein Juwelier 2019? Wie optimistisch schauen Sie in die Zukunft?

Eigentlich muss ich genauso optimistisch wie meine Urgroßmutter in die Zukunft blicken: Sie hat zu Zeiten der Bamberger Verfassung 1919 unser schönes blaues Haus gekauft, ein Juweliergeschäft in einer Zeit gegründet, die sich heute keiner mehr vorstellen kann. Es kommt nicht selten vor, dass Kunden verraten, dass schon ihre Großeltern die Trauringe bei uns gekauft haben. Solange das "Schmücken" ein Grundbedürfnis des Menschen bleibt, mache ich mir keine Sorgen um meinen Berufsstand. Die Fragen stellte Andreas Thamm.

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