Neuhaus

Einsatz am Bildschirm

Zunehmend werden bei der Feuerwehr-Ausbildung Fahrsimulatoren genutzt. So üben Anwärter gefahrlos das Fahren mit Blaulicht zum Einsatzort. Auch die Neuhäuser Wehr machte nun Erfahrungen damit.
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Täuschend echt sieht die Simulation aus, die den Feuerwehrleuten bei Übungsfahrten auf die Bildschirme gespielt wird.  Foto: privat
Täuschend echt sieht die Simulation aus, die den Feuerwehrleuten bei Übungsfahrten auf die Bildschirme gespielt wird. Foto: privat

Das rote Feuerwehrfahrzeug fährt mit Blaulicht und Sondersignal durch die Stadt. Plötzlich an einer unübersichtlichen Stelle: Von rechts schießt ein Auto in die Kreuzung und nimmt dem Feuerwehrfahrzeug die Vorfahrt. Die Fahrerin steigt in die Bremse. Das hätte schiefgehen können. Adrenalin pur im Fahrerhaus des Fahrsimulators. Nach dem Ende der zehnminütigen Fahrt klettert Nadine Burkhardt erleichtert aus dem Fahrerhausnachbau.

Entspannung dagegen nur wenige Meter daneben, am Kontrolltisch bei Ausbilderin Sandra Reichert von der Feuerwehrschule, "Das ist die Zukunft", erklärt sie, Fahrerschulungen am Simulator haben erhebliche Vorteile gegenüber den herkömmlichen Übungsfahrten auf dem realen Feuerwehrfahrzeug. Die Ausbilderin kann die Fahrer direkt am Simulator beobachten und Fehler im Nachhinein auf einem Videomonitor aufzeigen und analysieren. So lassen sich verschiedene Fahrten miteinander vergleichen, problematische Situationen wiederholen und direkt mit der Ausbildungs-Gruppe besprechen. Bei herkömmlichen Schulungsfahrten ist das unmöglich.

Randstein, Bremsspuren, Regen

Um ein möglichst realistisches Fahrgefühl zu erzeugen, ist der Fahrersitz auf einer Bewegungsplattform montiert. Alle Bedienelemente und Anzeigen befinden sich an ihrem tatsächlichen Platz. Der Sitz wird hydraulisch gesteuert und simuliert die Fahrzeugbewegungen. Fährt der Fahrer einen Randstein zu forsch an, ist der Schlag deutlich zu spüren.

Vor sich sieht der Fahrer eine computergenerierte Landschaft auf einer Projektionsfläche, die den Blick aus dem Seitenfenster erlaubt. Die Funktion der Rückspiegel übernehmen kleine flache Monitore. Je nach Aufwand und System ist die computergenerierte Landschaft detailgetreu dargestellt. Bremsspuren auf der Fahrbahn und Regenschauer, die in der Simulation die Sicht behindern, lassen im Stressfall vergessen, dass es sich nur um eine virtuelle Landschaft handelt.

Auch wenn die Grafik nach einem Computerspiel aussieht, gewöhnen sich die Fahrer recht schnell daran, dennoch hat das System Grenzen. Vor allem Brillenträgern kann von der Computergrafik übel werden. Die künstliche Realität strengt die Augen an. Zudem reagiert die Lenkung sehr direkt. In den ersten Minuten landet man des Öfteren im Straßengraben oder auf der Gegenfahrbahn.

Doch "die Gewöhnung setzt schnell ein", weiß der stellvertretende Kommandant Patrick Sorger. Der Ausbilder kann mit der Software alle möglichen Szenarien herstellen. Witterungs-bedingungen und Straßenzustände ändern sich bei jeder Fahrt. Radfahrer erscheinen im toten Winkel, Fußgänger treten unvermittelt auf die Straße. "Das lässt sich im richtigen Leben und vor allem auf der Straße nicht proben", sieht Sorger einen großen Vorteil im Einsatz der Geräte.

Schonen von Fuhrpark und Umwelt

Die Fahrten am Simulator verbrauchen keinen Treibstoff und verschleißen den ohnehin stark beanspruchten Fuhrpark nicht weiter. Weniger Fahrzeuge, die zu Übungs- und Trainingszwecken auf den Straßen unterwegs sind, bedeuten auch weniger Belastung durch CO2 -Emissionen und Lärm. "Wir können am Wochenende nicht ständig durch die Ortschaften fahren, um unsere Fahrer zu schulen", gibt Feuerwehrkommandant Erwin Bergner zu bedenken.

Er sieht den größten Vorteil der Fahr-Simulatoren in der Zeitersparnis. Bei dem aktuellen Lehrgang wurden in nur vier Tagen fast 40 Personen aus dem gesamten Landkreis an dem Fahrsimulator, der in dieser Zeit im Neuhäuser Gerätehaus aufgebaut war, geschult. Eine Leistung, die man mit herkömmlichen Fahrten so niemals geschafft hätte. red



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