Presseck

Einmal Presseck Bahnhof bitte

Jahrelang kämpften einige Gemeinden Anfang des letzten Jahrhunderts um eine Anbindung an die wichtigen Bahnstrecken.
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Die gekuppelte, vierzylindrige Schmalspur-Lokomotive, Nr. 131, gebaut von der Sächsischen Maschinenfabrik, vormals Richard Richmann, von 1898 schien zunächst am besten für die Überwindung der Höhenunterschiede zwischen Zettlitz-Wartenfels und Presseck geeignet zu sein. Repro: Helmut Geiger
Die gekuppelte, vierzylindrige Schmalspur-Lokomotive, Nr. 131, gebaut von der Sächsischen Maschinenfabrik, vormals Richard Richmann, von 1898 schien zunächst am besten für die Überwindung der Höhenunterschiede zwischen Zettlitz-Wartenfels und Presseck geeignet zu sein. Repro: Helmut Geiger
Schon bald nach der ersten Eisenbahnfahrt von Nürnberg nach Fürth im Jahre 1835 verbanden Schienenstränge die wichtigsten Städte in den deutschen Landen. Kulmbach wurde im Jahre 1846 an das neue Verkehrsnetz angeschlossen - der Startschuss für den imposanten Aufstieg der Brauindustrie in der Stadt. Und Städten und Gemeinden, die nicht das Glück hatten, über den eisernen Schienenstrang erreicht zu werden, drohte bald der Weg ins Abseits, oder der Absturz in die wirtschaftliche Zweitklassigkeit. So kam es in der Folgezeit über Jahrzehnte zu erbitterten Kämpfen und Rangeleien, um wenigstens noch über eine Nebenstrecke den Anschluss an die Moderne zu erlangen. Im hiesigen Raum konnte nach jahrelangen Verhandlungen wenigstens die "Bockela-Strecke" von Kulmbach nach Thurnau 1908 und wenige Monate später die Weiterführung nach Bayreuth durchgesetzt werden.


Ankündigung im Tagblatt 1898

Einen weißen Fleck in Bezug auf den Zugverkehr bildeten jedoch das Steinachtal und das Stadtsteinacher Oberland. Da verkündete das "Kulmbacher Tagblatt" am 23. September 1898 vollmundig: "Der sehnlichste Wunsch nicht nur aller Stadtsteinacher, sondern man könnte sagen, des ganzen Bezirks, er wird zur Thatsache, das Eisenbahnprojekt Untersteinach-Stadtsteinach-Zettlitz-Unterrodach, mit einer Zweigbahn Zettlitz-Presseck hat die staatliche Genehmigung erhalten. Das Unternehmen ist ein privates und zwar das der Berliner Eisenbahnbaugesellschaft "Continental". Mit dem Bau soll in ganz kurzer Zeit begonnen werden. Diese Bahn wird zugleich wesentlich zur Hebung des schon im vergangenen Sommer nicht unbedeutend gewesenen Fremdenverkehrs beitragen."


Antrag auf Bau der Nebenstrecke

Den ersten Anlauf in Bezug auf eine Nebenstrecke hatte die Stadtgemeinde Stadtsteinach am 7. Mai 1896 unternommen. Sie bat um die Erbauung einer Lokalbahn von Untersteinach über Stadtsteinach nach Zettlitz, beziehungsweise Unterrodach. Und so trat die Berliner "Eisenbahnbaugesellschaft Continental" auf den Plan, um sich für die Planung und den Bau der Nebenstrecke zu bewerben - allerdings als Schmalspurbahn. Die Bewilligung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern "zu technischen Vorarbeiten" kam am 15. Dezember 1898. Am 16. April 1899 schließlich, wurde die Konzession für die Zweiglinie von Stadtsteinach nach Enchenreuth ausgedehnt.


"Projekt nicht brauchbar"

Erst vier Jahre später stand das Ergebnis fest: Am 25. September 1903 heißt es im Beamtendeutsch: "Projekt nicht brauchbar. Es kann nur Normalspur in Betracht kommen wegen beiderseitigen Anschlusses. Geländeverhältnisse zwingen auch nicht zur Schmalspur. Vorerst untersuchen, ob überhaupt Bedürfnis vorliegt, oder ob nicht etwa Untersteinach-Zettlitz-Presseck vorteilhaft...". Am 4. Oktober des gleichen Jahres schließlich erfolgt die endgültige Ablehnung.
Damit war das Projekt nur in Bezug auf die Schmalspur abgelehnt. Mit "Durchgangsverkehr" war eine Verbindung von Kulmbach über Stadtsteinach nach Unterrodach angedacht, um dann von dort über Kronach die Hauptverbindung nach Berlin zu erreichen. Das Ringen um die Bahnstrecke konnte also weitergehen. Federführend war die Stadt Stadtsteinach. Am 27. November 1905 bat sie in einer Petition um "Aufnahme einer Lokalbahn in den nächsten Lokalbahngesetzentwurf".


Endgültiges Aus

Die Strecke nach Presseck war mit 13,85 Kilometern veranschlagt. Die Baukosten wurden mit 1 722 000 Mark berechnet. Obwohl sich auch der Regierungspräsident von Oberfranken noch einmal für die Bahnverbindung nach Presseck ausgesprochen hatte, kam am 26. Januar 1912 das endgültige Aus. "Die angeregten Bahnverbindungen mit Presseck scheinen nicht bauwürdig zu sein", hieß es.
Die Mittel für die Güterbahn Untersteinach-Stadtsteinach waren schon im Jahre 1908 durch den Landtag genehmigt worden. Sie wurde am 26. November 1913 durch die Bayerische Staatsbahn eröffnet. Erst ab dem 19. Juli 1943 wurde auch ein Personenwagen angehängt. Den bescheidenen Personenverkehr gab es nur bis zum 30. September 1956.

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