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Bamberg

Einmal Bamberg und zurück

Vor Gericht musste sich ein 32-Jähriger aus dem Kosovo verantworten, der seine Partnerin geschlagen hatte. Der dazu aus Schweden geholte Asylbewerber erhielt eine Bewährungsstrafe.
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Fast drei Jahre ist es her, dass ein 32-jähriger Kosovare seine 30-jährige Lebensgefährtin in der Ankunfts- und Rückführungseinrichtung (ARE) in Bamberg gewürgt, mit Händen und einem Holzstecken geschlagen hat. Nun wurde der abgelehnte Asylbewerber, der kurz nach der Tat abgeschoben worden war, aus Schweden zurückgeholt, um ihn wegen der häuslichen Gewalt zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe zu verurteilen.

Der Ärger über die Einlassungen des Angeklagten war Michael Herbst deutlich anzumerken. Der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts wartete keinen Augenblick länger und bat alle Beteiligten zu einem Rechtsgespräch hinter geschlossene Türen.

Was seinen Unmut erregt hatte, war die Erklärung des Rechtsanwalts Andreas Dräger aus Strullendorf. Der hatte als juristisches Sprachrohr seines Mandanten eine kaum glaubliche Geschichte erzählt. Die Vorwürfe der Körperverletzung und Bedrohung seien nicht zutreffend. Vielmehr habe das Opfer des Gewaltausbruchs selbst psychische Probleme und damit gedroht, sich umzubringen, wenn sie abgeschoben würde. "Die beiden haben die Tat vorgetäuscht, um einen Grund zu schaffen, nicht abgeschoben zu werden."

Ähnlich äußerte sich auch das Opfer, das sogar angab, sich die Verletzungen selbst beigebracht zu haben. "Dass all das inszeniert gewesen sein soll, das kann ich nicht glauben", so Strafrichter Herbst. So an einen Aufenthaltstitel kommen zu wollen, sei "absoluter Schmarrn".

Gewürgt und geprügelt

Doch zurück in den Februar 2016, als das Paar noch in Bamberg wohnte. Wieder einmal war der Angeklagte des Abends von einem Disco-Besuch nach Hause gekommen. Als seine Lebensgefährtin um Geld bat, um für das gemeinsame Kind Windeln kaufen zu können, da rastete der Angeklagte aus - nicht zum ersten Mal übrigens. "Er hat mich regelmäßig geschlagen. Im Kosovo und in Deutschland." Auch wenn er beteuerte, man habe niemals Streit miteinander gehabt.

Er packte sein Opfer, würgte es einige Sekunden, ließ dann los. "Ich bekam keine Luft mehr und sah gelbe Punkte", so ihre Aussage vor dem Ermittlungsrichter Marco Dippold. Dann griff der Angeklagte nach ihren Haaren und schlug ihr mit der anderen Hand mehrmals ins Gesicht.

Doch damit war der Wutausbruch noch lange nicht zu Ende. Aus einem Kinderbettchen, indem beider Baby lag, brach er einen Holzstab heraus, um damit weiter auf seine Partnerin einzuprügeln. Er traf sie an den Armen und Beinen und drohte ihr dabei immer wieder, sie umzubringen. "Ich hatte Angst, weil sein Bruder schon einen Mann getötet hat. Die sind alle kriminell. Deshalb habe ich immer geschwiegen."

Erst als zwei serbische Nachbarn den Angeklagten weggezogen hatten und die alarmierte Security eingriff, hörte die Attacke auf. Weil auch diese beiden Zeugen in ihr Heimatland abgeschoben worden waren, mussten deren Aussagen vor der Kriminalpolizei im Gerichtssaal verlesen werden. Das ist nicht die Ideallösung, da der Verteidiger keine Nachfragen stellen kann.

Zurück nach Schweden

Strafmildernd wirkte sich das lange zurückliegende Geschehen aus. Ebenso kam dem bislang nicht vorbestraften Angeklagten zugute, dass die Verletzungen nicht allzu dramatisch ausgefallen waren. Selbst seine derzeit in Großbritannien lebende Ex-Lebensgefährtin, mit der er nur nach islamischem Ritus verheiratet war, hatte kein Interesse mehr daran, dass ihr Peiniger bestraft würde. So jedenfalls äußerte sich die zweifache Mutter gegenüber der ermittelnden Staatsanwältin Franziska Frohberg, nachdem der Angeklagte in Stockholm in Auslieferungshaft saß.

Nach mehr als zwei Monaten in Untersuchungshaft konnte der Angeklagte nun das Amtsgericht als freier Mann wieder verlassen. "Es tut mir leid, dass ich euch so viel Arbeit gemacht habe."

Der erste Weg führte ihn zum Bahnhof. Er wollte wieder zurück nach Schweden.