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Bamberg

Einer, der immer das Gute sah

Der weit über Bambergs Grenzen hinaus bekannte Künstler Erhard Schütze ist im Alter von 84 Jahren gestorben.
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Erhard Schütze vor einer seiner großflächigen Arbeiten Foto: privat
Erhard Schütze vor einer seiner großflächigen Arbeiten Foto: privat

Erhard Schütze - Maler, Grafiker, Werber, Schreiber, Kursleiter, Geselliger, Helfer, Ludwager, eine Naturkraft - ist gestorben. Dekoration und Werbung waren sein Beruf, seine Grenze zwischen Kunst und Dekoration war jedoch offen, so wie bei der märchenhaften Wandmalerei im Fuchsbau, dem Kino im Keller. Er arbeitete für die Kliemann-Kinos in Bamberg als "Werbemotor" seit 1963, daraus entstand eine enge Beziehung.

"Erica, Du hast mir Flügel verliehen, die mich nach Salzburg trugen. Ohne Salzburg wäre Prof. Giselbert Hoke mir niemals begegnet. Giselbert, Deine Urkraft ließ mich Wurzeln schlagen in jenem Acker, aus welchen Bilder wachsen konnten ... Im Spannungsfeld zwischen diesen starken Polen steht meine Arbeit "immer unter Strom" (aus Erhard Schützes Widmung in seinem Buch "Türenbilder").

1980 begann er, angeregt von Anton Greiner, selbst Kunstmaler in Bamberg, seine künstlerischen Arbeiten in Einzelausstellungen zu zeigen. Anton Greiner schätzte Erhard Schütze als Maler, als Organisator, als Freund, er zog ihn mit in den Berufsverband Bildender Künstler Oberfranken, wo er 1983 Mitglied wurde, brachte ihn 1991 zur Schlaraffia, wo er ebenfalls ein geschätztes Mitglied wurde, auf dessen Einfälle, künstlerisch und im Reimen, immer Verlass war. Im BBK Oberfranken war Erhard Schütze drei Jahre als Geschäftsführer tätig und viele Jahre Jury-Mitglied. "Das ist ein feines Bild" sagte er, wenn er etwas gut fand, sein Ausdruck für Lob und Befürwortung zugleich.

Der Blitz traf ihn 1982 in Salzburg, wo er an der Kokoschka-Sommerakademie, später Internationale Sommerakademie, bei Professor Giselbert Hoke Kurse belegte. Das, was er dort an Malerei erlernte, legte er nie mehr ab, es wurde der Stil Erhard Schützes, eine "Initialzündung" für sein ganzes Leben. 1989 sprach Professor Hoke darüber, dass Erhard Schütze ihm gleich durch seine unglaubliche Begabung aufgefallen wäre. Sehr schnell habe er die Farbe begriffen. "Er kann alles, er kann eine Maus so malen, dass man sie fangen will." Dieses absolute Talent besäßen nur wenige Künstler. Unter Hunderten von künstlerischen Menschen, die Hoke begleitet habe, sei Schütze der einzige mit diesem Talent. "Diese Naturkraft, das ist eine seltene Sache ...".

Das grafische Geschick und die Schrift blieben seine Stärke; er verband sie mit den neuen Formen und Kompositionen, die er in Salzburg aufnahm. Dann entfaltete er seine Bildkunst und schuf sein Werk aus Tafelbildern, Fresken, Glasbildern und grafischen Gestaltungen. 1990 gewann er den Plakatwettbewerb fürs Münchner Oktoberfest, 1992 den Syrlin-Kunstpreis mit "Gorbis Exiltüre". Diese beiden Werke und ihre Preiswürdigkeit umfangen die Pole seines Schaffens.

Ein wichtiger Teil von Erhard Schütze gehörte seinen Malkursen und Malwochenenden, wo gemeinsam gemalt, korrigiert, diskutiert, gekocht und gefeiert wurde.

Er war immer ausgeglichen und bejahend, unerschütterlich darin, das Gute zu sehen. Er hatte einen unkomplizierten, pfiffigen und feinsinnigen Geist.

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