"Einen Schritt weiter als erhofft"

Die Brose Baskets befinden sich trotz des "Einschlags gegen die Bayern" auf einem guten Weg. Geschäftsführer Rolf Beyer und der neue Sportdirektor Daniele Baiesi sehen sich aber gegenüber Alba und den Münchnern weiter in der Rolle des Außenseiters.
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Die Brose Baskets rangieren nach 18 Spielen in der Basketball-Bundesliga auf Tabellenplatz 2 und sind auch in der Eurocup-Top-16-Runde auf einem guten Weg. Die Zwischenbilanz kann sich nach dem Total-Umbruch im Sommer durchaus sehen lassen, wäre da nicht das 52:90-Heimdebakel in der letzten Woche gegen Bayern München gewesen. Der Geschäftsführer der Brose Baskets, Rolf Beyer, sowie der neue Sportdirektor Daniele Baiesi, der zuletzt als Chef des internationalen Scoutings des NBA-Klubs Detroit Pistons gearbeitet und am 15. Januar offiziell seinen Job in Bamberg angetreten hat, nehmen zur aktuellen Situation Stellung und blicken voraus.

Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Rolf Beyer: Es hat ein paar Einschläge gegeben. Der erste war die Verletzung von Josh Duncan schon am 2. September, dann kam eine zweite von Carlon Brown nach zwei Monaten. Aber auch die Ausfälle von Trevor Mbakwe mit einer Gehirnschütterung oder Daniel Theis mit einer Platzwunde an der Wade haben dazu geführt, dass wir als Mannschaft lange nicht stabil waren. Es hat bis Mitte November gedauert, bis man gemerkt hat, dass da etwas entsteht, dass Trainer Andrea Trinchieri mit einem klaren Plan arbeitet - extrem hart, auch emotional hart. Aber wir sehen inzwischen, dass der rote Faden da ist. Nehmen wir mal den Ausschlag gegen Bayern aus - haben wir die letzten acht Spiele mit einer extrem guten Verteidigung gespielt, aus der Defensive heraus unsere Spiele entwickelt. Man merkt, dass eine Handschrift da ist, sich die Mannschaft entwickelt, aber auch die individuelle Stärke einzelner Spieler. Ich meine, dass wir einen Schritt weiter sind als wir uns das ursprünglich erhofft hatten. Auch wenn ich nicht verhehlen will, dass der letzte Einschlag gegen Bayern heftig war und eine Kerbe gerissen hat, die tiefer war als ich das erwartet habe. Aber der Rückschlag kommt vom Zeitpunkt her nicht ganz ungelegen, auch wenn so eine Niederlage schmerzhaft ist. Sie ist die Gelegenheit, uns zu erden und zu sagen, wir sind noch lange nicht so weit, dass wir gegen routinierte Teams, wie das die Bayern sind, aber auch Alba Berlin, immer bestehen zu können.

Daniele Baiesi: Das ist eine sehr junge Mannschaft, ein Team, das erst seine Identität finden muss. Das sind viele neue Gesichter hier, die auf dieser Ebene - wie im Eurocup - noch nicht gespielt haben. Wir haben am Nullpunkt angefangen und werden am Ende der Saison sehen, wie weit wir gekommen sind. Ich hoffe, das Eurocup-Spiel gegen Bayern war nur ein Unfall, aus dem wir auf der anderen Seite viel lernen können.
Welche Ziele setzen Sie sich in der Bundesliga bis zu den Play-offs, in der Eurocup-Zwischenrunde und in der Pokal-Qualifikation?
Beyer: Wir haben gesagt, wir gucken weiter von Runde zu Runde, das hat sich bewährt. Wir haben genug Druck auf der Mannschaft. Wenn wir die Ziele nach zwei Siegen gegen Alba und Bayern hochschrauben würden, wäre das völlig vermessen und das falsche Signal nach außen. Auch wenn wir dafür teilweise belächelt werden, es zahlt sich aus, so zu handeln. Das Ulm-Spiel im Pokal haben wir noch lange nicht gewonnen. Die Ulmer werden immer stabiler. Wenn wir aber das Top 4 erreichen sollten, ist auch da alles möglich. In der Bundesliga ist ein Play-off-Platz unter den ersten drei denkbar, wenn's Rang 2 bleibt, würden wir uns freuen. Die Gruppe im Eurocup ist nach meiner Einschätzung machbar. Wenn wir aber den Schlendrian einreißen lassen, das hat sich in Ljubljana gezeigt, wird es schwer. Am Mittwoch zeigt sich gegen Dijon, wo wir stehen.

Baiesi: Ich stimme Rolf Beyer eintausend Prozent zu. Das sind alles junge Spieler, die teilweise noch nie in diesem Rhythmus mit internationalen und nationalen Partien gespielt haben. Deshalb fällt es schwer, eine Vorhersage zu treffen. Das Ziel ist aus meiner Sicht, erst einmal herauszufinden, wer wir sind. Von Spiel zu Spiel, von Woche zu Woche zu denken, ist das Leitmotiv dieser Saison. Am Ende der Saison werden wir auf die Anzeigetafel schauen und sehen, was für ein Ergebnis erscheint. Ich werde das Team nicht unter Druck setzen, denn wir haben den Vorteil, als Außenseiter aufzutreten - und wir sind definitiv Underdogs. Ich hoffe, den Fans gefällt es, was die Mannschaft ihnen bietet. Wir werden in dieser Saison einfach sehen, was passiert.

Hat die Mannschaft beim 88:71-Sieg gegen Göttingen die richtige Reaktion nach der Pleite gegen die Bayern gezeigt?
Beyer: Erst einmal fällt mir ein ganzer Sack von Steinen vom Herzen, weil es nicht klar war, wie es losläuft. Die Mannschaft war in der ersten Halbzeit schon noch verunsichert. Was ich total positiv fand, war, dass eine ganze Reihe von Spielern mit einer Trotzreaktion und extremem Biss rausgegangen sind. Karsten Tadda und Elias Harris haben sich wirklich reingebissen, aber auch viele andere. Die Mannschaft hat die Reaktion gezeigt, die ich erwartet habe. Wir haben die richtigen Knöpfe gedrückt, und die Jungs haben das richtig gut gemacht.

Das Gespräch führte Klaus Groh.

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