Bayreuth
Jubiläum

Einen Patriarchen wie Wolfgang Wagner wird es nicht mehr geben

Wolfgang Manfred Martin Wagner: Urenkel von Franz Liszt, Enkel von Richard Wagner sowie das dritte Kind von Siegfried und Winifred Wagner. Am 30. August wäre er 100 Jahre alt geworden. Wie kein andere...
Artikel drucken Artikel einbetten
Wolfgang Wagner
Wolfgang Wagner

Wolfgang Manfred Martin Wagner: Urenkel von Franz Liszt, Enkel von Richard Wagner sowie das dritte Kind von Siegfried und Winifred Wagner. Am 30. August wäre er 100 Jahre alt geworden. Wie kein anderer hat er, der 2010 im Alter von neunzig Jahren starb, die Bayreuther Festspiele geprägt.

Uneinholbar erscheint die Amtszeit des Rekord-Festspielleiters: Von 1951 bis 1966 leitete er gemeinsam mit seinem Bruder Wieland und nach dessen Tod in Alleinverantwortung bis 2008 die Festspiele - unglaubliche 57 Jahre lang. In der Festspielstadt, deren heimlicher Herrscher er war, wird seiner gleich mehrfach gedacht. Die Festspiele ehren ihn am heutigen Mittwoch mit einem Festakt im Festspielhaus. Das Richard-Wagner-Museum präsentiert mit dem passenden Titel "Der Prinzipal" im neuen Wahnfried-Anbau eine große Sonderausstellung. Sie versucht, Wagners außergewöhnlicher Persönlichkeit als Festspielleiter, Regisseur, Bühnenbildner und Mensch gerecht zu werden.

Seine größte Leistung war es, die Festspiele für die unterschiedlichsten Regiehandschriften zu öffnen. "Richard Wagners Werk", zitierte ihn Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe bei der Ausstellungseröffnung, "muss immer wieder von unserer Gegenwart aus gefordert und gemessen werden. Es muss uns unmittelbar betreffen."

Auf unnachahmliche Art

Einerseits sorgte er dafür, dass das Erbe Richard Wagners an die öffentliche Hand gegeben und auf Dauer gesichert werden konnte, andererseits führte er als Geschäftsführer mit einem Festspielhaus-Mietvertrag auf Lebenszeit die Festspiel GmbH weiter so, als gehöre der frühere Familienbetrieb noch ihm.

Was sich bekanntlich auch auf den quälend langen Nachfolgeprozess auswirkte. Nicht umsonst erinnerte Merk-Erbe "an seine Hartnäckigkeit, die weder die eigenen Familie, die Verwandten noch die Politik verschonte". Aber ebenso würdigte sie ihn als einen, der "die Institution Bayreuther Festspiele in unnachahmlicher Weise geführt, sich um scheinbar weniger Wichtiges ebenso intensiv gekümmert hat wie um die großen Fragen und Themen rund um die Festspiele."

Museumsdirektor Sven Friedrich, der die Ausstellung konzipiert hat, beschrieb ihn als "ein Phänomen, ein fränkisches Urgestein, ein Bayreuther von echtesten Schrot und Korn - und ein Patriarch des Theaters, wie es vor ihm wohl keinen gegeben hat und auch nach ihm wohl nicht mehr geben wird".

Wenn man sich im biografischen Teil der Sonderschau Zeit nimmt für die Videos, in denen Wolfgang Wagner spricht, bekommt man am ehesten einen Eindruck seiner Persönlichkeit. Und hier wie im Untergeschoss, wo seine Ära sich in Bühnenbildmodellen und Kostümen spiegelt, wird spürbar, dass die Festspiele eine Zeitlang der avantgardistische Mittelpunkt der Musiktheaterwelt waren.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren