Lichtenfels

Eine Webcam für den Star

Der "Allerweltsvogel" hat in unseren Breiten kaum Platz zum Brüten . Der Lichtenfelser Volker Woitzik hat sich deshalb eine besondere Idee für praktischen Naturschutz ausgedacht.
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Der Star ist bekannt als "Allerweltsvogel", den Menschen vertraut und weit verbreitet. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) hatte den Star auch zum Vogel des Jahres 2018 gewählt. Doch seine Präsenz in unserem Alltag täuscht, denn der Starenbestand nimmt ab. Es fehlt an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung.

Rückgang der Brutpaare

Laut einer aktuellen Erhebung des LBV gingen rund eine Million Starenpaare alleine in Deutschland in den letzten 20 Jahren verloren. Gründe für den Rückgang sind der Verlust und die intensive Nutzung von Weiden, Wiesen und Feldern, auf denen der Star nicht mehr genug Würmer und Insekten zum Fressen findet. Pestizide vernichten zudem weitere Nahrungstiere. Beerentragende Hecken zwischen den Feldern sucht man vielerorts ebenfalls vergebens. Sie gehören auch zum Nahrungsspektrum des Stars. Geeignete Nistplätze fehlen dort, wo alte Bäume mit Bruthöhlen entfernt werden oder wo Hohlräume an Dächern und Fassaden, die dem Nestbau dienen, durch Bauvorhaben oder Sanierungen verloren gehen. Deshalb ruft der Landesbund für Vogelschutz (LBV) dazu auf, den Star und auch andere Vogelarten durch praktischen Naturschutz und Sicherung des Lebensraums zu unterstützen.

Angeregt durch diesen Aufruf hat der Lichtenfelser Volker Woitzik, selbst Mitglied im LBV, einen Staren-Nistkasten gebaut und im Dachfirst seines Wohnhauses angebracht. Die Staren-Wohnung ist im Prinzip ein etwas vergrößerter Meisenkasten, allerdings benötigt der Star unbedingt ein größeres Einflugloch von 45 Millimetern Durchmesser.

Um das Brutgeschehen besser beobachten zu können, wurde von ihm jetzt zusätzlich noch eine Webcam in den Nistkasten integriert. "Es ist doch schön, das Brüten und die Fütterung der Jungvögel nicht nur von außen, sondern auch direkt im Nistkasten sehen zu können", sagt Volker Woitzik. Durch ein drahtloses Funk-Netzwerk ist die Kamera mit dem Internet verbunden und kann über die Internetseite www.lichtenfels.lbv.deaufgerufen werden. Dort gibt es auch eine Bauanleitung für einen Staren-Nistkasten.

Die Webcam hat eine Tages- und auch eine Nachtsichtfunktion. So können die Vögel ungestört auch noch bei völliger Dunkelheit im Nistkasten beobachtet werden. "Wenn der Star dann über uns in den Bäumen sitzt und versucht, einem Weibchen zu imponieren, erkennt man seinen Gesang nicht unbedingt sofort. Statt einer melodischen Abfolge von Tönen gibt der Starenmann eine Reihe von pfeifenden, zischenden, gepressten und schnalzenden Geräuschen von sich. Die Töne sind unterschiedlich laut und sehr variationsreich", erklärt Volker Woitzik.

Sein Schnabel bewegt sich dabei nicht viel und er wirkt so fast wie ein Bauchredner. Dies gipfelt in seiner Fähigkeit, andere Vogelstimmen oder Umgebungsgeräusche perfekt zu imitieren und in seinen Gesang einzubauen. So blickt sich mancher in der Stadt nach einer Polizeisirene, Alarmanlage oder sogar einem Handyklingeln um und kann nichts entdecken - bis auf einen Star im Baum. red

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