Kronach

Eine Vision für Kronach

Ingo Cesaro stellt ab Mittwoch in der Galerie des Finanzamt-Servicezentrums seine damaligen Ideen für sein "Venedig-Entlastungsmodell" vor.
Artikel drucken Artikel einbetten
Belege vom Venedig-Entlastungsmodell werden in Kronach zu sehen sein. Foto: privat
Belege vom Venedig-Entlastungsmodell werden in Kronach zu sehen sein. Foto: privat

Für sein Gesamt-Konzept "Kultur-Biotop" hat Ingo Cesaro viele Jahre Material gesammelt. Einzelne Projekte wie zum Beispiel sein "Internationales Kunstprojekt HolzART" hat er bisher 21-mal realisiert, die "Kunstmesse ARTkronach" schon 36-mal und den Mitwitzer Künstler-Markt zum 13. Mal. Die "LiteraTour" schaffte es auch 30-mal - um nur einige Beispiele zu nennen. Nur sein "Venedig-Entlastungs-Projekt" konnte er bisher nicht realisieren. Eine Künstlervision oder doch eine vertane Chance? Damals, als er sein Projekt im Kronacher Rathaus vorstellte, stand nur Joachim Doppel auf seiner Seite. Cesaro sagte damals, wenn man nur ein Prozent der Venedig-Besucher für die Lucas-Cranach-Stadt begeistern könnte, kämen cirka 100 000 Besucher nach Kronach. Und Venedig würde diese Einhunderttausend kaum vermissen. Doch wie sah die damalige Idee Cesaros aus, um Venedig-Fans von ihrer Reise abzuhalten?

Palmenhain in Kronach

Wer mit dem Zug nach Kronach kommt, würde unter einem mobilen Palmenhain ankommen, der 365 Sonnentage in Kronach garantiert. Bei den Busparkplätzen würde der Palmenhain ebenfalls zur Verfügung stehen. Sogar durchs Bamberger Tor kämen diese Knick-Palmen. Natürlich stünden den Besuchern Wechselstuben zur Verfügung, um ihre Euro in Lire umzutauschen.

Auch Gondelfahrten auf der Haßlach waren angedacht. Natürlich war man sich bewusst, dass die drei Kronacher Flüsse mitunter wenig Wasser führen. Deshalb wollte man an der Rodach die Ziehharmonika-Gondeln entwickeln, auch als Knick-Gondeln bezeichnet. Sie benötigen ganz wenig Wasser. Damals wurde Stillschweigen vereinbart, um Städte wie Coburg, Kulmbach oder Bamberg nicht auf so eine Idee zu bringen.

Der Turnverein bot laut Cesaro schon "Gondelrettungsdienste" an. Es gab sogar Pläne für Fahrschulgondeln. Die Idee eines Gondel-Literaturpreises wurde diskutiert, die Uraufführung der Operette "Die Scheidung des Figaro" in Kronach geplant. Der Taubenverein sagte außerdem zu, innerhalb von drei Monaten Kronacher Tauben so abzurichten, dass sie zu gewünschten Zeiten an bestimmten Orten sich zum Füttern niederlassen würden.

Die Italiener in Kronach sagten zu, in ihren Lokalen Kurse abzuhalten, damit die Einheimischen zumindest italienische Städtenamen aufsagen können. Alles war im Venedig-Entlastungs-Rausch. Ein Investor, der an der Europa-Brücke ein Hotel bauen wollte, fragte Cesaro, ob er was dagegen hätte, dem Hotel einen italienischen Namen zu geben. Auch ein Einkaufszentrum am Wasenwehr war im Gespräch, um direkte Verbindung zur Gondel-Anlegestelle zu sichern.

Ingo Cesaros Idee waren vielfältig - umgesetzt wurde davon nichts. Künstler haben das Konzept mit Originalgrafik und typografischen Blättern dennoch kommentiert. Eine Auswahl davon wird nun neben dem Konzept ausgestellt.

Das Projekt wurde schon in Fürth, Pegnitz und Dornbirn in Österreich gezeigt. Mit Erfolg. Zahlreiche Künstler sind an der Ausstellung beteiligt: Horst Böhm, Heinrich Schreiber, Peter M. Bannert, Margreth Hirschmiller-Reinhard, Siegfried Otto Hüttengrund, Michael Käser, Lutz R. Ketscher, Robert Reiter, Udo Rödel, Wilhelm Schramm, Ahlrich van Ohlen und Peter Zaumseil, um nur einige zu nennen. Hinzu kommt Henrik Liersch, der die meisten typografischen Blätter beigesteuert hat.

Die Ausstellung in der Galerie EINblicke im Servicezentrum des Finanzamtes Kronach (Melchior-Otto-Platz 10) wird am Mittwoch, 16. Januar, um 18 Uhr, eröffnet. Alle Kunstfreunde und Visionäre sind herzlich eingeladen. red

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren