Haßfurt
Mode 

Eine reine Männersache

Lange Bärte sind hipp. Bloß: Wie pflegt Mann das borstige Haar im Gesicht? Ein Besuch bei den Badern in Haßfurt.
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Steffen Will aus Memmelsdorf ist Stammkunde und lässt sich regelmäßig von Marco oder Flo (im Hintergrund) den Bart stutzen. Foto: René Ruprecht
Steffen Will aus Memmelsdorf ist Stammkunde und lässt sich regelmäßig von Marco oder Flo (im Hintergrund) den Bart stutzen. Foto: René Ruprecht
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Beim "Booder" in Haßfurt gibt es viele hübsche Mädels - aber nur auf Papier. Ansonsten ist der Friseursalon ein Refugium für die Männer. "Männer sind einfach anders, wenn Frauen dabei sind. Hier können sie sein, wie sie sind", erklärt Florian (Flo) Haider (33). "Genau. Blöd waafen und Bier trinken", ergänzt Kompagnon Marco Maas (29). Beim "Booder" geht`s locker zu.
Die beiden Friseure haben sich 2015 selbstständig gemacht und ihren Laden auf gut fränkisch "Booder" (zu neudeutsch: Bader) getauft. Gerade rechtzeitig, denn seitdem sind auch in Deutschland langer Bartwuchs und der klassische Fassonhaarschnitt (dabei wird das Haar an Seiten und Nacken kurz geschoren und geht nach oben hin länger werdend ins Deckhaar über) bei Männern total angesagt.
Um mit einem Bart "arbeiten" zu können, braucht Florian Haider eine Grundlänge von drei bis vier Zentimetern. "Man muss ihn fünf bis sechs Wochen wachsen lassen. Zwischendrin schaut er schon räudig aus, aber da muss man durch", erklärt er.


Ein Bart soll schöner machen

Und was macht einen schönen Bart aus? "Ein schöner Bart passt zu Kopfform und Frisur. Im besten Fall streckt er das Gesicht und lässt es schmäler wirken", sagt der Fachmann.
Marco Maas und Flo Haider arbeiten seit bald zwölf Jahren zusammen. Vor ihrem Schritt in die Selbstständigkeit haben die beiden ihre Friseurausbildung bei Holger Maas in Haßfurt gemacht. Damals war Marco Flos "Stift".
"Wir sind wie ein altes Ehepaar. Manchmal ist es echt schlimm. Wir sagen gleichzeitig dieselben Sachen und können uns schon fast nimmer streiten", erzählt Marco Maas mit einem Seitenblick auf seinen Partner. Und ergänzt dann mit einem breiten Grinsen: "Manchmal könnt' ich ihn schon klopfen, aber dann müsste ich ja alleine arbeiten." Florian Haider quittiert die Beziehungsanalyse mit einem nachsichtigen Lächeln und widmet sich wieder seinem Kunden. Patrick Möhler aus Knetzgau lässt sich seit gut zwei Jahren seinen rot-blonden Bart stehen und ist Stammkunde. "Ich komme alle sechs bis acht Wochen zum Schneiden vorbei", erzählt er. Die Konturen schneidet Florian Haider mit der Maschine, dann nimmt er mit der Schere die Länge weg. Zum Abschluss gibt es noch ein paar Tropfen Bartöl zum Formen - schon schaut der Bart wieder schön und gepflegt aus. Wenn man sich beim "Booder" so umschaut, sind dort einige Bartträger unterwegs. "Von 20 Kunden haben vielleicht drei einen langen Bart", bestätigt Florian Haider.
Deutlich weniger Haare im Gesicht tragen die Rasur-Kunden bei "The Art of Hair", ein paar Straßen weiter in Haßfurt. Erst vor kurzem haben drei Mitarbeiter des Salonbesitzers Oliver Merkel, Obermeister der Friseurinnung Haßberge, eine Schulung zum Thema Rasieren besucht. Dabei steht vor allem die Entspannung im Vordergrund. Michael Weinkauf aus Zeil ist ein Rasurkunde der ersten Stunde. Er genießt die heiße Rolle, die um das Gesicht gelegt wird, und die anschließende Massage sichtlich. Dann trägt Friseurgeselle Niclas Eller (19) den Rasierschaum auf und nimmt ihn anschließend mit dem Messer ab. "Wir haben früher in unserer Ausbildung mit dem Messer an Luftballons geübt. Erst wenn die nicht mehr geplatzt sind, durften wir an die Kunden. Heute ist das Rasieren nicht mehr Inhalt der Ausbildung", erklärt der Chef Oliver Merkel.


Service

Dass er die Rasur trotzdem anbietet, sieht er als extra Service für seine männlichen Kunden. Den Damen (und rein theoretisch auch den Herren) werden bei "The Art of Hair" schließlich auf Wunsch auch die Nägel gemacht.

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