Bamberg
Lüpertz-Fenster

Eine Ouvertüre und Ansporn

Marion Krüger-Hundrup Die Enthüllung des zweiten Lüpertz-Fensters in der Elisabethenkirche im Sand war eine perfekte Inszenierung. Auch wenn die Wintersonne am Samstagmittag nicht so recht mitspielte....
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Das Lüpertz-Fenster belegt laut Kirche die profunden Bibelkenntnisse des Künstlers.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Das Lüpertz-Fenster belegt laut Kirche die profunden Bibelkenntnisse des Künstlers. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Marion Krüger-Hundrup Die Enthüllung des zweiten Lüpertz-Fensters in der Elisabethenkirche im Sand war eine perfekte Inszenierung. Auch wenn die Wintersonne am Samstagmittag nicht so recht mitspielte. Während die Schirmherren des Projektes "Markus Lüpertz Fenster", Erzbischof Ludwig Schick und Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), langsam die schwarze Leinwand heruntergleiten ließen, sangen die vielen Augenzeugen einen stimmigen Advents-Kanon aus dem "Gotteslob": "Mache dich auf und werde Licht... mache dich auf, denn dein Licht kommt."

Erst Beifall, dann Stille

Erst brandete Beifall auf, als das farbprächtige Werk in seiner vollen Schönheit sichtbar wurde. Und dann war es einige Augenblicke ganz still. Staunen und schauen, Wirkkraft spüren, stumme Fragen formulieren. Denn auf den ersten Blick erschließt das florale Motiv nicht das, wofür dieses Fenster steht. Nämlich für den Spruch aus dem Matthäusevangelium: "Was ihr den geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

Ein solches Tun erfordert offene Augen, kein Wellness-Christentum. Kirchenpatronin Elisabeth, die sozusagen Patin aller Lüpertz-Fenster ist, hatte diese offenen Augen für die Nöte ihrer Zeit. "Der Geist der heiligen Elisabeth soll durch Werke der Barmherzigkeit verwirklicht werden", wünschte Erzbischof Schick. Die Menschlichkeit müsse bewahrt werden, was bei der Betrachtung von Elisabeth auch gelingen könne.

Domkapitular Norbert Jung, Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat, rekapitulierte die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit, die Lüpertz mit Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth bildnerisch umsetzt.

Das achte Fenster, das nun enthüllt wurde, ist nach Jungs Worten nicht nur Abschluss der sieben Einzelthemen, sondern vielmehr "eine Ouvertüre, eine Zukunftsvision, ein Ansporn". Es lohne sich, aus dieser Vision heraus zu leben, die Markus Lüpertz als profunder Kenner der Bibel greifbar macht.

Bibelverse als Schlüssel zur Kunst

Der Domkapitular interpretierte die Formelemente Blüten und Blätter, die das neue Fenster bestimmen, mit Zitaten aus dem Alten und Neuen Testament. Norbert Jung verblüffte damit seine Zuhörer, denen sich die Bibelverse (Ez 47,9.12, Offb 22,1-2) als Schlüssel zur Glaskunst Lüpertz‘ eröffneten.

Das letzte Fenster, das die Geschichte Elisabeths zusammenfasse und zugleich darüber hinausgehe, wolle sagen: "Wir alle sind Teil dieses Stromes lebendigen Wassers, und wir alle sind aufgefordert, dazu beizutragen, dass das Leben der anderen bunt und fruchtbar werden kann", fasste Domkapitular Jung zusammen.

OB: Fenster ist Bereicherung

Für Oberbürgermeister Starke ist das Lüpertz-Fenster "eine Bereicherung". Er hoffe, dass auch die übrigen Fenster realisiert werden können. Der OB warb um weitere Spenden und dankte den bisherigen Mäzenen "für ihre große Spendenbereitschaft".

Auch Hans Lyer, Pfarrer der Gottesdienstgemeinde von St. Elisabeth, fand zahlreiche Dankesworte für alle am Projekt "Markus Lüpertz Fenster" Beteiligten. Lyer nannte etliche Namen und schlug noch einmal den Bogen zurück zu den vorausgegangenen Ansprachen der geistlichen Mitbrüder: "Elisabeth zeigt unsere Aufgabe und mahnt: Macht die Augen auf, nehmt Not wahr!"

Gerade die der "geringsten Brüder und Schwestern".

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