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Neufang

Eine Mauer geht auf Wanderschaft

In den Sechzigern war es Mode, Schulen und Rathäuser mit Mosaiken zu verzieren. Die sind nun in Gefahr, weil die Gebäude mittlerweile marode sind. Die Dorfgemeinschaft von Neufang hat jetzt eine ungewöhnliche Rettungsaktion auf die Beine gestellt.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche öffentliche Gebäude mit Kunst am Bau verschönert. Viele dieser Kunstwerke sind heute bedroht, da viele der Gebäude umfassend saniert oder ganz abgerissen werden. In unserer Serie stellen wir einige vor. In der heutigen Folge geht es um Hubert Webers Glasmosaik, das - dank einer mutigen Rettungsaktion der Neufanger Bürger - jetzt seinen Platz am Feststadel gefunden hat.

Ursprünglich schmückte das Mosaik die Pausenhalle der 1962/63 erbauten Schule von Neufang. Es zeigt den Ort mit seinem Kirchturm und den ihn umgebenden Frankenwald mit stilisierten Nadelbäumen. Über diese Szenerie schickt die Sonne aus der rechten Bild-Ecke heraus ihre Strahlen. "Anders als viele staatliche Stellen und Fachgremien wollte die Dorfgemeinschaft ihr Glasmosaik nicht einfach der Abrissbirne preisgeben", sagt Kreisheimatpfleger Robert Wachter. Mit ihrem Vorsitzenden Eugen Bätz entschied die Gemeinschaft, das Mosaik an einen neuen Ort zu bringen. Da der Abbruch der Schule fast zeitgleich mit dem Errichten eines Anbaus am Feststadel zusammenfiel, zogen die Dörfler das Kunstwerk um.

Ihr Plan war, den kompletten Wandabschnitt mit dem Mosaik an einem Stück in Richtung Feststadel zu transportieren. Man konnte aber - wegen der Größe und des Gewichts der Wand - nicht mit schwerem Gerät in die Pausenhalle hineinfahren, da die Bodenplatte dies statisch nicht ausgehalten hätte.

Erschwerend kam hinzu, dass das Mosaik an einer Innenwand angebracht war, an der die ehemalige Gemeindekanzlei noch angebaut war. "Doch der ausgetüftelte Plan der Dorfgemeinschaft ging auf, obwohl niemand mit so einer Maßnahme Erfahrungen vorweisen konnte", betont Wachter.

Zuerst wurde mit vielen Helfern und Maschinen die alte Gemeindekanzlei behutsam abgetragen. Ein Fachunternehmen stabilisierte dann den Wandabschnitt mit dem Mosaik und sägte es aus der Mauer heraus. Um mit schwerem Gerät an die Wand zu gelangen, baute man eine Rampe. Mit einem Stapler wurde das etwa acht Tonnen schwere Mauerstück herausgehoben. Behutsam fuhr man es auf der Ortsstraße durch das Dorf bis zum Feststadel am Ortsrand. Dort wurde es in die Fassade eingesetzt und von Handwerkern aus dem Dorf restauriert. Die Dorfgemeinschaft hat insgesamt 6500 Euro in den Erhalt des Kunstwerks investiert - nicht eingerechnet sind die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit. "Die Neufanger dürfen berechtigt stolz auf ihre Leistung sein", lobt der Kreisheimatpfleger. Gleichzeitig demonstriere diese äußerst verdienstvolle Tat dieser Dorfgemeinschaft, dass eigentlich jedes Kunstwerk zu retten sei, wenn man es denn will!