Lichtenfels
Unter uns am Obermain (531)  Irgendwie geht's immer weiter, sagen die Alten oft. Ja, das könnte stimmen.

Eine Lichtenfelser Skizze

Wo diesmal beginnen? Vielleicht bei dem Hamster, der jetzt in einer ganz anderen Wohnung am Rad dreht? Na, ihm selbst wird es letztlich wohl egal sein und um ihn geht es ja auch nur zum Teil. Er ist Z...
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Wo diesmal beginnen? Vielleicht bei dem Hamster, der jetzt in einer ganz anderen Wohnung am Rad dreht? Na, ihm selbst wird es letztlich wohl egal sein und um ihn geht es ja auch nur zum Teil. Er ist Zutat zu einer Geschichte, die schräge genug ist. Es ist nämlich so, dass der Daniel ein echt guter Student ist. Mit seinen bald 21 Jahren hat sich der Lichtenfelser von daheim emanzipiert und lebt nun ein Studentenleben in Bamberg. Die Bude, die er dort bezogen hat, ist urgemütlich.

Seine Zimmerpflanzen sind nur leicht angetrocknet, der Aschenbecher wird regelmäßig alle paar Wochen geleert und der Abwasch im Spülbecken türmt sich nie höher als einen halben Meter. Sein Hamster Maxi stört sich nicht weiter dran, er hat seine eigene Welt neben der Spüle, so einen halben Kubikmeter groß. Außerdem ist eh das Licht aus, wenn er aktiv wird. Da sieht er den Abwasch und die Kippen gar nicht. Daniels Eltern sind auch noch recht jung, so Mitte 40. Die lassen auch schon mal fünf gerade sein und schimpfen darum nicht allzu sehr. Immerhin kommt er ja durch seine Prüfungen, ist nicht allzu oft betrunken und sein Frauenverschleiß gilt unter Freunden als moderat. Ein hoffnungsvoller junger Lichtenfelser, quasi.

Frauen kommen und gehen, aber Maxi bleibt. Jetzt schon in achter Generation und immer goldfarben. Daniel liebt Maxi, von seiner ersten bis zu seiner achten Ausgabe, denn Maxi ist sein Kindheitsbegleiter und ein immerwährendes goldiges Prinzip. Echte Probleme hat Daniel nicht, mal abgesehen von der Tür, die in seinem Keller steht. Und das kam so: In seiner Bude hat ein Zimmer zwei Türen und um sich eine Ablage einzurichten, hat Daniel eine der Zimmertüren ausgehängt, den Durchgang mit einer Spanplatte abgedeckt und etwas verkleiden lassen. Die Tür, die jetzt übrig ist, stellte Daniel in den Keller, einen Dachboden gibt es ja nicht. Aber nun stand die Renovierung des Kellers an und so wurde er vom Vermieter gebeten, alles aus dem Keller zu räumen und entweder auf den Sperrmüll zu tun, oder eben in seine Wohnung zu stellen. Da die Tür ja zum Haus gehört, scheute Daniel davor zurück, sie auf dem Sperrmüll zu entsorgen. Aber in seiner ansonsten kleinen Bude wollte er das sperrige Ding auch nicht rumstehen haben. So hörte er sich an der Uni nach Unterstellmöglichkeiten um, und bald lernte er eine Mitstudentin kennen, die ihm anbot, das Teil bei sich unterzustellen. Irgendwie schien Daniel ihr gefallen zu haben, denn sie bot ihm noch an, falls vonnöten, auch mal auf seinen Hamster aufzupassen. Man wurde sich einig und Daniel gönnte sich einen kleinen Urlaub. Darum gab er seiner Mitstudentin den Schlüssel zu seiner Bude, damit sie dann und wann mal nach Maxi sehe. Alles ganz easy und harmlos, bis Daniels Eltern vor ein paar Tagen nach Bamberg fuhren, um einfach mal so nach dem Rechten zu sehen. Vor allem Daniels Mutter macht das gerne, denn wenn er nicht in seiner Bude ist, braucht sie mit ihm keine Diskussionen darüber führen, ob sie jetzt Schmutzwäsche mitnehmen dürfe oder nicht.

Wie nun also seine Eltern die Wohnungstür aufschließen und wenig später ins Zimmer ihres Sohnes treten, findet sich dort eine barbusige junge Frau vor, die auf der Klappcouch liegend Fernsehen schaut. Sie sei hier, um sich um den Hamster zu kümmern, erklärte sie. Aber als Daniels Mutter das Bad inspiziert, stellt sie fest, dass die junge Frau auch ihre Wäsche und ihre Zahnbürste und alle möglichen anderen Dinge mitbrachte. Kurz und gut: Die Frau war offenbar eingezogen.

Daniels Eltern wollten keine Szene machen und gingen bald. Aber den Hamster nahmen sie mit, denn er schien trotz der Anwesenheit der jungen Frau vernachlässigt worden zu sein. Sein Käfig war nie sauber gemacht worden, erklärte mir Daniels Papa vor wenigen Tagen beim Feierabendbierchen in seinem Garten. Dann zeigte er mir eine SMS, die Daniel ihm von seinem Kurzurlaub an der Ostsee schickte. Er schrieb, dass er ein tolles Mädchen kennengelernt hat und es sieht ernst aus. Wie er das so vorlas, musste selbst Daniels Vater lachen. Im Grunde war ja alles geregelt, denn Daniels Zimmertür lagert nun in einem völlig anderen Haus, dessen Bewohnerin zog dafür bei Daniel ein, dafür aber fand Maxi jetzt Pflege bei Daniels Eltern. Was lernen wir daraus? Ich habe keine Ahnung. Aber Daniels Vater hat ein echt gutes Bier daheim.

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