Eine Lehre im Traumberuf

Die beiden syrischen Flüchtlinge Amjad und Mohammad sind in Rhön-Grabfeld angekommen. Sie sprechen gut Deutsch und haben Lehrverträge als Kfz-Mechatroniker in der Tasche.
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Es war im Juli 2015, als Amjad und Mohammad mit ihrem Cousin aus Syrien geflüchtet sind. Alle drei waren damals unter 18 Jahre und in Damaskus zu Hause. Über die Türkei und dann mit dem Boot gelangten sie nach Griechenland. Von dort führte ihr Weg quer durch Deutschland bis zur Sammelstelle für Flüchtlinge in Schweinfurt, und dann schließlich zur Notunterkunft nach Bad Neustadt.
Die drei jungen Männer aus Syrien wussten damals nicht, wie es für sie in Deutschland weitergehen wird, ob sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, ihre Familie nachkommen kann, oder sie wieder zurückgeschickt werden. Das alles ist nicht vergessen, aber gerät in den Hintergrund, denn Amjad und Mohammad haben in Rhön-Grabfeld Fuß gefasst, sprechen gut Deutsch und haben Lehrverträge als Kfz-Mechatroniker in der Tasche. Mohammad absolviert seine Ausbildung bei der Firma Kehm (Bad Neustadt), Amjad im Autohaus Behrmann in Bad Neustadt.


Zuverlässig und freundlich

Karl-Otto und Dominic Behrmann vom gleichnamigen Autohaus in Bad Neustadt waren bereits beim Praktikum der Beiden rundum zufrieden. Sie sind zuverlässig, freundlich, wissbegierig, lernen schnell, fragen nach und passen in unsere Mannschaft. So war es kein Wunder, dass Karl und Dominic Behrmann nicht lange überlegen mussten, als Amjad nach einer Ausbildung fragte. "Natürlich haben wir uns in der Familie kurz beraten, dann aber schnell entschieden, den jungen Mann aus Syrien bei uns als Lehrling einzustellen.
Dominic Behrmann erinnert sich an das Praktikum von Amjad und daran, dass er in den Osterferien nachfragte, ob er nicht zum arbeiten vorbei kommen könnte. "Das Praktikum war damals Donnerstag und Freitag bei uns in der Firma, drei Tage waren Amjad und zuvor sein Bruder Mohammad in der Schule. Diese Nachfrage und das Interesse am Beruf hat schon beeindruckt", sagen Karl-Otto und Dominic Behrmann.
In der Werkstatt des Autohauses steht Amjad, der gerade unter der Aufsicht des Gesellen Domenic Hültner den Kundendienst an einen Fahrzeug vornimmt. "So, jetzt schauen wir nach dem Ölstand und füllen, wenn es sein muss, das Öl nach." Domenic holt dazu den Trichter, Amjad bekommt vor dem Einfüllen noch den Hinweis, dass es verschiedene Sorten von Autoölen gibt und man danach auch schauen muss. Dann darf er, während Ausbilder Dominic Behrmann und sein Vater Karl-Otto mit dabei sind, das fehlende Servo Öl nachfüllen, prüfen ob es ausreicht und den Deckel wieder verschließen. "Genau so geht das," sagt ihm sein Geselle und hat natürlich gleich weitere Aufgaben für ihn.
Dass Amjad nicht nur ein bisschen Ahnung von dem Beruf hat, den er erlernen möchte, erkennt man schnell. "Ich habe beim Praktikum schon viel gesehen und aufgepasst und da habe ich mir halt auch einiges gemerkt," sagt der 17-Jährige.
Außerdem hat er sich von Kind auf oft mit Autos befasst. Sein Bruder begann in Damaskus schon ein Studium, das er durch den Krieg und die Flucht abbrechen musste. "Da habe ich gedacht, wenn mein Bruder Kfz-Mechaniker wird, mache ich das auch, denn es macht mir viel Freude," sagt Amjad und ein Leuchten ist in seinen Augen zu sehen.


Schlimme Bilder von zuhause

Schnell erzählt er, dass er schon Bremsflüssigkeit überprüft und nachgefüllt hat, Öl- und Luftfilter durfte er mit Domenic Hültner tauschen und bekommt immer wieder ausführliche Erklärungen. "Das ist wichtig, damit ich das alles später auch weiß und alleine machen kann."
Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Ob er im Autohaus Behrmann bleiben möchte? "Würde ich schon gerne, aber das muss mein Chef entscheiden, und wenn er das will, gerne!"
Nach der Heimat Syrien gefragt, wird Amjad traurig. Immer wieder sieht er am Fernseher die Bilder von seiner zerstörten Stadt. "Das ist so schlimm... furchtbar... und es ist immer noch Krieg... Sieben Jahre sind das jetzt schon." Wenn eines Tages wieder Frieden in seinem Land herrscht, Damaskus wieder aufgebaut wird, würde er da zurück in seine Heimat gehen? "Ich weiß nicht so genau, Deutschland ist schön, mir gefällt es hier und ich selbst würde gerne in meinem Ausbildungsbetrieb bleiben." Karl-Otto und Dominic Behrmann, die mit Amjad sehr zufrieden sind, hoffen natürlich dass er bleibt. "Es wäre schade wenn er gehen würde, denn er macht sich sehr gut als Lehrling. Jetzt kommt erstmal die Ausbildung und da sind wir zuversichtlich, dass Amjad das gut macht!"
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