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Stockheim

Eine glückliche Rettung

Zwölf Bergleute überlebten 1879 in Stockheim ein Grubenunglück. Eine Broschüre greift ihre zur Tradition gewordene Dankeswallfahrt nach Vierzehnheiligen auf.
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Am Gnadenaltar der Basilika erinnerte Franziskanerpater Heribert Arens an das Unglück der Stockheimer Bergleute von 1879 mit glücklichem Ausgang. Mit im Bild die von den Stockheimer Knappen gestiftete Votivtafel, die sich in Vierzehnheiligen befindet. Foto: Gerd Fleischmann
Am Gnadenaltar der Basilika erinnerte Franziskanerpater Heribert Arens an das Unglück der Stockheimer Bergleute von 1879 mit glücklichem Ausgang. Mit im Bild die von den Stockheimer Knappen gestiftete Votivtafel, die sich in Vierzehnheiligen befindet. Foto: Gerd Fleischmann

Als der Reitscher Wallfahrerführer Peter Capek, seit 2018 außerdem zertifizierter Kirchenführer der Heilig-Kreuz-Kirche Reitsch, die 20-seitige Broschüre "Informationen für Freunde von Vierzehnheiligen" dem Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim-Neuhaus überreichte, war die Freude unter den Heimatkundlern groß, denn in dieser Dokumentation wird auf zwei Seiten an das dramatische Stockheimer Bergwerksunglück Ostern 1879 erinnert.

Im April 2019 befand sich nämlich die Basilika Vierzehnheiligen, den heiligen Vierzehn Nothelfern geweiht, in Stockheimer Hand. Der Grund: Der Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim/Neuhaus unter der Leitung von Gerwin Eidloth hatte in Zusammenarbeit mit Knappenverein und Bergmannskapelle eine Wallfahrt zur 35 Kilometer entfernten Gnadenkirche in Erinnerung an das dramatische Grubenunglück in der Stockheimer Steinkohlengrube "Maxschacht" von Ostern 1879 organisiert.

Damals konnten nach viertägiger Einschließung im Berg zwölf bayerische und thüringische Bergleute am Ostermontag aus ihrem unterirdischen Verlies glücklich gerettet werden. Ende Mai 1879 lösten die Knappen ihr Versprechen an die vierzehn Nothelfer ein und pilgerten barfuß zum Gnadenort, um Gott für die Befreiung zu danken.

Tausende jubelten

Damals jubelten auf dem Weg Tausende den Stockheimer Bergleuten zu, die eine aussagestarke Votivtafel für Vierzehnheiligen stifteten. Eine Kopie davon befindet sich dank der Initiative von Ortsheimatpfleger Gerd Fleischmann in Verbindung mit der örtlichen KAB im Stockheimer Gotteshaus St. Wolfgang.

Der Förderverein Bergbaugeschichte nahm dieses außergewöhnliche und geschichtsträchtige Ereignis zum Anlass, mit einer Wallfahrt an das dramatische Geschehen in der einstigen Maxschachtgrube - sie ist 1911 geschlossen worden - zu erinnern. Dort empfing Franziskanerpater Heribert Arens in Begleitung seines Kirchenschweizers Daniel Reitz die Stockheimer Wallfahrer.

Der Dankgottesdienst in der barocken Gnadenkirche hinterließ bei vielen tiefe bewegte Momente, denn so mancher wurde an die gefahrvolle Arbeit seiner Vorfahren erinnert. Im Mittelpunkt des Gnadenaltars stand die Votivtafel der Stockheimer Bergleute, die in besonderer Weise an die beschwerliche und gefährliche Arbeit unter Tage erinnert. Sichtlich von den zahlreichen Uniformen der Bergleute sowie von der gesanglich-musikalischen Begleitung beeindruckt, bezeichnete Pater Heribert Arens die Votivtafel als eines der wichtigsten Dokumente in der Mirakelkammer von Vierzehnheiligen. Das Gemälde erinnere an Not, Todesangst, Gottvertrauen, aber auch an die wundervolle Erfahrung einer glücklichen Rettung. Schließlich habe der unerschütterliche Glaube an diese Befreiung aus dem unterirdischen Verlies positive Zeichen für alle gesetzt.

Bergleute sind Botschafter des Friedens, denn nur durch Zusammenhalt konnte man den Unbilden unter Tage gerecht werden. Deshalb werden die Bergleute auch als Kumpel bezeichnet, so der Pater, der selbst aus dem Kohlenpott kommt.

Auf Anregung von Ortsheimatpfleger Gerd Fleischmann - er überreichte an Pater Heribert Arens entsprechende Fotos für eine Dokumentation - entstand so ein informativer Beitrag in der zwanzigseitigen Broschüre des Wallfahrtsorts Vierzehnheiligen. Darin würdigte der Pater ausführlich das Traditionsbewusstsein der Stockheimer.

Mittlerweile ist nach neunjähriger segensreicher Tätigkeit der Guardian im Franziskanerkloster Vierzehnheiligen, Pater Heribert Arens, von Erzbischof Ludwig Schick verabschiedet worden. Der 77-jährige Pater hat neue Aufgaben im Franziskanerkloster Dorsten in Nordrhein-Westfalen übernommen.

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