Eltmann

Eine "fadenscheinige" Kunst

Die Marionettengruppe der Realschule Eltmann spielte das Stück "Geisterstunde auf Schloss Eulenstein".
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Die Puppen sind in Bewegung: Die Marionettenspieler setzten die "Geisterstunde auf Schloss Eulenstein" gekonnt in Szene.  Fotos: Günther Geiling
Die Puppen sind in Bewegung: Die Marionettenspieler setzten die "Geisterstunde auf Schloss Eulenstein" gekonnt in Szene. Fotos: Günther Geiling
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In einer Wochenzeitschrift für Kinder erschien 1881 eine Geschichte über die Abenteuer einer kleinen Holzpuppe. Ihr Name war Pinocchio. Sie ist mittlerweile die wohl berühmteste Marionette überhaupt. Inzwischen sind Marionetten aus der Mode gekommen, nicht aber in der Wallburg-Realschule Eltmann, wo es seit 20 Jahren eine Marionettenspielgruppe gibt, die jährlich zum Schuljahresende ein Stück aufführt. Diesmal war es die spannende "Geisterstunde auf Schloss Eulenstein".

Aus Griechenland und Rom

Die ältesten Belege für Aufführungen mit an Fäden geführten Puppen stammen aus dem antiken Griechenland und Rom. Dort waren Marionetten einfache Puppen mit nur wenigen Gelenken und Fäden. Heute hat eine herkömmliche Marionette acht bis neun Fäden, die in einem Spielkreuz enden und mit dem der Puppenspieler die Marionette lenkt. Der Puppenspieler hat buchstäblich die Fäden in der Hand - und die dürfen sich keinesfalls verheddern. Ein Marionettenspiel, das faszinieren will, ist eine harte Arbeit für die Spieler.

Plötzlich schlug in der Aula die Turmuhr zwölfmal und von der Bühne erklang der Text: "Um Mitternacht ist Geisterstunde auf Schloss Eulenstein. Karl von Radau und die Gespenster finden sich dort ein. Vom Blocksberg reitet auch die kleine Hexe noch dazu, und jeder, der sich fürchten will, trifft sich zum Geisterrendezvous."

Die Chorklassen 5a und 5b unter der Leitung von Sebastian Franz und Gabriele Sohmer unterstrichen die Geisterstunde mit flotten und beherzt gesungenen Melodien, die ins Ohr gingen. Sie imitierten die Geräusche der Geister und Gespenster, die gleich zu einem besonderen Fest, nämlich dem 1000. Geburtstag des alten Flaschengeistes, kamen. Das war ausgerechnet zur Geisterstunde, der schönsten Stunde, die es für die Gespenster gibt.

Mit der Krachmaschine

Rübezahl, Graf Dracula und die kleine Hexe kamen mit ihrer neuen Rums- und Rappel-Peng-Krachmaschine angeflogen. Ungebetene Gäste erschienen auch auf der Party wie Fiesling Fritz Rabatz, dem Karl von Radau vor 138 Jahren Schlossverbot erteilt hatte. Warum das Schlossverbot? Weil er alle Kronleuchter im Schloss demoliert hat, hat er bei einer Geisterstunde nichts verloren. Aber der Stänkerer wollte nur die Konstruktionspläne der Krachmaschine, dieses Wunderwerks der Spuktechnik, von der kleinen Hexe.

Schließlich verkündete nach dem großen Geisterrat der Flaschengeist den Beschluss, Fritz Rabatz solle die Baupläne der Krachmaschine erhalten, wenn die kleine Hexe dafür Generaldirektorin der Krachmaschinen-Fabrikation würde.

Die Zuschauer waren begeistert, wie das Stück von der Marionettenspielgruppe in Szene gesetzt wurde. Die Realschüler, die in der Gruppe aktiv sind, haben im ersten Halbjahr ihre Marionetten und das Bühnenbild gefertigt und im zweiten Halbjahr wurde eifrig geübt. Seit einiger Zeit hat die Schule eine professionelle Bühne für das Spiel.

Lehrerin Constanze Büller, die Deutsch und Kunst gibt, unterstützt ihre Schüler. Sie hat sich schon im Studium mit dem Marionettenspiel beschäftigt. Als sie vor 20 Jahren an die Schule kam, hat sie das Marionettenspiel belebt und es ist heute nicht mehr aus der Wallburg-Realschule wegzudenken. Und sie sieht eine große Begeisterung und Vorteile für die Schüler. "Die Spieler sind bei der Vorführung nicht zu sehen, und gerade das kommt den Schülern entgegen, die gerne Theater spielen, aber sich nicht so gerne auf der Bühne zeigen wollen."

Aber mit ihrem Fadenkreuz und ihrer Marionette entwickeln sie oft ein besonderes Talent. "Die Schwierigkeit ist dabei, dass der Puppenspieler und das Sprechen aufeinander abgestimmt sein müssen. Das erfordert eine besondere Koordination, um zusammen zum Spiel zu finden und dann über die Marionette auch die Gefühle der Geschichte auf den Zuschauer zu übertragen", betont Constanze Büller. Den Marionettenspielern und Sprechern gelang das zusammen mit den Chorklassen.

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