Bad Staffelstein
gesundheitspolitik

Eine Bestandsaufnahme der Physiotherapie am Obermain durch zwei Abgeordnete

Zu einem Runden Tisch hatten MdB Emmi Zeulner und MdL Bernhard Seideath (beide CSU) die Physiotherapeuten vom Obermain zum dritten Mal nach 2015 und 2017 nach Bad Staffelstein eingeladen. Die Abgeordn...
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MdL Bernhard Seidenath (stehend) mit Michael Klob vom Theramed-Zentrum Bad Stafffelstein und MdB Emmi Zeulner Foto: Monika Schütz
MdL Bernhard Seidenath (stehend) mit Michael Klob vom Theramed-Zentrum Bad Stafffelstein und MdB Emmi Zeulner Foto: Monika Schütz

Zu einem Runden Tisch hatten MdB Emmi Zeulner und MdL Bernhard Seideath (beide CSU) die Physiotherapeuten vom Obermain zum dritten Mal nach 2015 und 2017 nach Bad Staffelstein eingeladen. Die Abgeordnete des Deutschen Bundestages, in diesem Fall als Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagfraktion für die Gesundheitsfachberufe, und der aus Erlangen stammende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bayerischen Landtag trafen sich mit einem guten Dutzend Gästen im Theramed-Zentrum für Therapie und Gesundheit von Michael Klob.

"Gesundheitsregion Bayern"

Mit vielen Neuigkeiten zu geplanten Gesetzen informierten die beiden Politiker die Physiotherapeuten und Berufsschulleiter. Doch was des einen Freud, ist des anderen Leid. Die Region Obermain und der Landkreis Lichtenfels sind seit der Übergabe des gleichnamigen Siegels am 7. September 2012 offiziell "Gesundheitsregion Bayern” (überreicht durch Gesundheitsminister Marcel Huber). In der Begründung von Minister Huber heißt es unter anderem: "Alleinstellungsmerkmale der Region sind daneben die wärmste und stärkste Thermalsole Bayerns in Bad Staffelstein sowie die intensive Verknüpfung der Bereiche medizinische Versorgung und Prävention. Gleichzeitig ist die Gesundheitswirtschaft in der Region Obermain ein wichtiger Beschäftigungsmotor für den ländlichen Raum. Die Gesundheitsregion ist geprägt durch die fünf Kliniken im Landkreis, die Obermain-Therme in Bad Staffelstein sowie eine Vielzahl engagierter kooperierender regionaler Akteure im Bereich Gesundheitswirtschaft."

Doch in der Realität sieht das mittlerweile anders aus: Physiotherapeuten müssen ihre Praxen teils schließen, weil sie kein Personal haben. "180 Tage Wartezeit für neues Personal" mache jede Praxisplanung nahezu unmöglich, bedauerte MdL Seidenath, und ergänzte: "Patienten bekommen zeitnah keinen Therapieplatz." Und er bekräftigte: "Wir brauchen die Schulgeld-Freiheit." 

Das verursacht allerdings den Schulen einige Bauchschmerzen. Christian Jaks von der Medau-Berufsfachschule in Coburg sagte: "Wenn wir dem Vorschlag zustimmen, rechnen wir mit einem Umsatzeinbruch von 200 000 Euro jährlich. Die Schüler fürs neue Schuljahr unterschreiben aktuell ihre Verträge unter Vorbehalt." Erlaubt seien den privaten Schulen dann nämlich nur noch Gebühren für ein Verwaltungsgeld in Höhe von 30 Euro pro Schüler und Monat.

Zu viele freie Stellen

Mehr als 30 eingetragene Physiotherapeuten befinden sich  allein im Landkreis Lichtenfels (Stand: April 2019). Bundesweit arbeiten 5,6  Millionen Frauen und Männer im Bereich Gesundheitswesen plus Zulieferer, das entspricht etwa zehn Prozent aller Beschäftigten. Fachkräftemangel und demographischer Wandel sorgen jedoch auch in diesem Bereich für zu viele freie Stellen, die trotz intensiver Suche nicht besetzt werden können.

Die Ausbildung ist eine schulische - das heißt, eine nicht-duale. Für die Dauer der Ausbildung wird keine Ausbildungsvergütung gezahlt, zudem muss in der Regel an Schulen in freier Trägerschaft ein Schulgeld bezahlt werden. Bei den Ausbildungszahlen zeigt sich eine Verringerung von 2,71 Prozent gegenüber dem Vorjahr. So erlernten im Schuljahr 2017/18 nur 21 200 Schüler im Bundesgebiet den Beruf des Physiotherapeuten (im Vorjahr: 21 812), davon 7962 (Vorjahr: 8083) Frauen und 13 258 (Vorjahr: 13 729) Männer.

In Bayern gibt es 38 Berufsfachschulen für die Ausbildung zum Physiotherapeuten, davon sind 33 privat und fünf staatlich.

Nun will die Politik eingreifen und legt dafür 600 Millionen Euro bereit: Das Schulgeld soll bayernweit abgeschafft werden, später sollen andere Bundesländer nachfolgen. Die Zulassungsbedingungen für die sogenannten Heilmittelerbringer sollen vereinfacht werden und bundeseinheitlich gelten. Außerdem sollen die Preise für die erbrachten Leistungen deutschlandweit auf das jeweilige Höchstniveau angehoben werden.

Emmi Zeulner: "Gerade Therapeuten in Regionen, in denen bislang niedrigere Vergütungen gezahlt werden, werden diese Verbesserung deutlich spüren." Die Vergütungen für Heilmittelerbringer sollen zum Juli 2020 je nach Berufsgruppe bundesweit einheitlich verhandelt werden. Dabei seien Personalkosten, Sachkosten und überdurchschnittliche Betriebskosten zu berücksichtigen. Die Grundlohnsummen-Bindung bei Kassenverhandlungen werde dauerhaft abgeschafft. Für einen möglichen Konfliktfall zwischen Heilmittelerbringern und Krankenkassen werde bis November 2019 eine feste Schiedsstelle errichtet.

Weiteres Treffen erforderlich

Leider nur mit dem letzten Satz erwähnte MdB Emmi Zeulner eine weitere Neuerung im Gesundheitswesen: Die sogenannte Blanko-Verordnung, bei der der Therapeut selbst  - auf Basis der nach wie vor ärztlich festgestellten Diagnose und Indikation - die Auswahl, die Dauer und die Häufigkeit einer Behandlung entscheidet, kommt zum 15. November 2020. Allerdings gab die Abgeordnete das Versprechen zu einem weiteren Runden Tisch.

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