Bamberg

Eine Alternative zur Regelschule

In der Bamberger Montessori-Schule werden die Kinder individuell nach Wissensdrang und Lerntempo gefördert. Ein Besuch in der Sekundarstufe am Vorderen Bach, wo Schüler für den Schulabschluss vorbereitet werden.
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Tim (rechts) und Linus üben in der Freiarbeit für den Quali. In kniffligen Fällen helfen die Lehrer weiter, wie hier Schulleiterin Christine Hübner.
Tim (rechts) und Linus üben in der Freiarbeit für den Quali. In kniffligen Fällen helfen die Lehrer weiter, wie hier Schulleiterin Christine Hübner.
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Marion Krüger-Hundrup

Wer Kinder in der Pubertät hat, weiß nur zu gut, wie aufreibend der Schulalltag werden kann. Umso erstaunlicher ist es, Schüler im einschlägigen Alter zu erleben, die zufrieden wirken und mit Feuereifer lernen.
So wie etwa Lukas (15) und José (16), die sogar dem Fach Religion etwas abgewinnen können. Im Computerraum der Montessori-Schule am Vorderen Bach brüten sie über der gestellten Aufgabe: "Welche Meinung hast Du zum Moscheebau in Deutschland? Schreibe einen Leserbrief an das ZDF". Die beiden jungen Leute schauen sich erst bei Youtube einen entsprechenden Film an, nutzen dann Suchmaschinen und recherchieren ausgiebig im Internet. Und zwar konzentriert, interessiert und selbstständig.
Natürlich gibt es auch Lehrer im Hintergrund, die ihre Schüler im Blick behalten und bei Bedarf hilfreich zur Seite stehen. "Wir wissen, unsere Schüler schaffen das, weil wir uns nach ihrer Entwicklung richten, sie in Eigenverantwortung nehmen und ihre Selbstständigkeit fördern", erklärt Schulleiter Julian Zeitler. Gemeinsam mit seiner Kollegin Christine Hübner verantwortet er die Sekundarstufe der Bamberger Montessori-Schule. Diese ist mit ihren Standorten am Jakobsplatz (Grundstufe) und am Vorderen Graben eine staatlich genehmigte Schule in privater Trägerschaft.
Im Jahr 2001 gründete sich eine Elterninitiative mit dem Ziel, eine Montessori-Schule in Bamberg ins Leben zu rufen. Die Grundstufe startete 2003, 2012 die Sekundarstufe mit inzwischen 10. Klasse und insgesamt 130 Schülern. Kinder und Jugendliche können also den Montessori-Bildungsweg bis zum Qualifizierenden Hauptschulabschluss beziehungsweise Mittleren Schulabschluss gehen. "Unser nächstes Ziel ist das Abitur", erzählen Julian Zeitler und Christine Hübner. Doch zuerst müssten die beengten räumlichen Verhältnisse überwunden und ein Schulhaus für alle Jahrgangsstufen im Stadtgebiet gefunden werden.
Die Montessori-Schule unterscheidet sich deutlich von den herkömmlichen Regelschulen. In den Klassenzimmern sucht man vergeblich nach einer Tafel. Dafür gibt es Regale mit Lehrmitteln, bei Montessori Material genannt, die die Schüler frei entnehmen können: je nach Entwicklungsstand, Lerntempo und augenblicklichem Interesse. "Freiarbeit" nennt sich dieser Teil des Unterrichts, der in bestimmten Pflichtfächern durch gebundenen ergänzt wird.
Linus (15) und Tim (16) zum Beispiel nutzen die anstehende Stunde Freiarbeit, um sich auf den Quali vorzubereiten. Sie üben im Fach Deutsch die Getrennt- und Zusammenschreibung. Ist sich der eine unsicher, weiß der andere weiter. Und auch in diesem Fall halten sich zwei Pädagogen als Fachkräfte bereit. So bewährt sich ein Grundsatz der Montessori-Pädagogik: "Hilf mir, es selbst zu tun."
Linus und Tim wissen, dass sie die Prüfungen für den Quali an einer öffentlichen Schule ablegen müssen. Und dass sie dann zum ersten Mal auch Ziffernoten bekommen. Denn solche gibt es an der Montessori-Schule nicht. Der Notendruck entfällt. Dafür erstellen die Lehrer am Schuljahresende ein ausführliches, 24 Seiten starkes Gutachten über jeden Schüler. "IzEL" werden diese "Informationen zum Entwicklungs- und Leistungsprozess" kurz und bündig genannt. Diese "IzEL" beurteilen etwa das Arbeitsverhalten, aber auch Sozialkompetenz wie das Respektieren von Grenzen anderer Kinder oder Hilfsbereitschaft. "Nach dem halben Schuljahr gibt es mit jedem Schüler und seinen Eltern Gespräche über Ziele und Ergebnisse", ergänzt Schulleiter Zeitler das Beurteilungsprozedere.


Auf kindgerechtere Weise

Mit Freude und berechtigtem Stolz weisen er und Christine Hübner darauf hin, dass die externen Prüfungsergebnisse ihrer Schüler "überdurchschnittlich gut sind". Und dass es keine Probleme bei der Suche nach Lehrstellen gebe: "Unsere Jugendlichen werden gerne genommen!". Andere Absolventen würden problemlos zu Fachoberschulen oder Gymnasien wechseln. Schließlich könnten sie auf das fundierte Wissen zurückgreifen, das der auch für die Montessori-Schule geltende bayerische Lehrplan vermittelt habe. Nur eben auf kindgerechtere Weise: "Folge dem Kind, achte auf die Zeichen, die dir seinen Weg zeigen", lautet ein weiterer Montessori-Grundsatz.
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